Angst – was geht da ab?

Was ist Angst überhaupt? Wo kommt das her und was geht da ab?

Damit wollen wir uns nun beschäftigen, denn ich halte es für wichtig, dass Du verstehst, was eigentlich in Dir vorgeht, wenn Dich die Angst überkommt.

Angst ist letztlich nur ein Gefühl. Wie das mit den Gefühlen aber so ist, bestimmen diese, wie es uns geht. Und Angst ist kein besonders tolles Gefühl. Da wirst Du mir sicher zustimmen.

Und doch kann Angst nützlich sein

Solange es den Menschen gibt, gibt es Angst. Und Angst macht uns zu einer Art Superman oder Superwoman.

Wenn Du Angst bekommst, wird ein Prozess in Gang gesetzt. Hormone werden ausgeschüttet, Dein Herzschlag beschleunigt sich, der Blutdruck steigt, Deine Sinne werden geschärft und Deine Aufmerksamkeit wird gesteigert.

Und warum? Weil Du so in die Lage versetzt wirst, zu kämpfen oder zu fliehen. Im Englischen reimt sich das sogar und man spricht von „Fight or Flight“ – „Kampf oder Flucht“.

Und das macht Sinn, wenn Du in einer gefährlichen Situation steckst. Früher sah sich der Steinzeitmensch einem Säbelzahntiger oder einem verfeindeten Stamm gegenüber. Doch auch heute noch gibt es brenzlige Situationen: Es gibt Kriege, Überfälle, Brände…

Und wenn Du Dich einer solchen Gefahr gegenüber siehst, ist es doch gut, dass Dein Körper Dir alle Energie zur Verfügung stellt, um die Beine in die Hand zu nehmen oder zu kämpfen.

Du liest diese Zeilen aber sicher nicht, weil Du Dich gerade in Gefahr befindest. Und daher ist Angst in diesem Fall nicht nützlich, denn eigentlich gibt es dafür keinen Grund.

Spezifische Phobien

Nun gibt es viele Menschen, die Angst vor bestimmten Tieren, Flugangst, Angst vor engen Räumen oder Höhenangst haben.

Mit diesen spezifischen Phobien können die meisten Menschen ganz gut leben. Und manche dieser Ängste sind verständlich. Ein Flugzeug kann abstürzen oder ein Hund kann Dir gefährlich werden.

Es ist schade, wenn man nicht in den Urlaub fliegt, weil die Angst so groß ist oder nicht die Schwester besuchen kann, weil sie einen Hund hat. Indem man diese Situationen vermeidet, kann man sich dieser Angst entziehen.

Letztlich muss jeder selbst entscheiden, ob er etwas dagegen unternimmt. Das hängt davon ab, wie sehr man darunter leidet.

Es gibt nämlich auch Ausprägungen dieser spezifischen Phobien, die das Leben extrem einschränken. So hatte einer meiner Coaching-Klienten derart große Höhenangst, dass er sich kaum in den ersten Stock eines Gebäudes traute.

Aber wie gesagt: Die meisten Menschen können mit diesen spezifischen Phobien ganz gut leben.

Schwerwiegende Formen der Angststörung

Dann gibt es noch andere Formen der Angststörung, die ein normales Leben nahezu unmöglich machen.

Dazu zählen die Panikstörung, bei der Panikattacken in nahezu jeder Situation auftreten können. Typisch ist dabei die Angst vor der Angst. Dabei führt die Angst vor der Panik zur Panikattacke.

Dann gibt es noch die Agoraphobie. Dabei hat der Betroffene Angst davor, in Situationen zu gelangen, aus denen er nicht schnell genug flüchten kann oder eine Flucht nur unter peinlichen Umständen möglich wäre.

Bus- und Bahnfahrten, Kinobesuche oder Marktplatzbesuche führen zu Angst und Panik und werden oft gemieden. In schweren Fällen trauen sich die Betroffenen nicht mehr aus dem Haus. Die Agoraphobie tritt übrigens oft zusammen mit der Panikstörung auf.

Die soziale Phobie ist eine weitere Form der Angststörung. Hier bekommt der Betroffene Angstzustände, wenn er sich im Mittelpunkt des Interesses befindet. So sind beispielsweise Vorträge die Hölle für ihn.

Die generalisierte Angststörung drückt sich durch übermäßige, unnötige Sorgen und zwanghaftes Grübeln aus. Betroffene sind ständig angespannt und irgendwie ist die Angst fast immer mit dabei. Auch hier können Panikattacken auftreten.

Auch die Hypochondrie ist relativ häufig. Der Betroffene ist sich sicher, schwer krank zu sein. Jede körperliche Regung sieht er als Beweis dafür an, dass er krank ist. Es wird im Internet recherchiert und von Arzt zu Arzt gerannt.

Bei diesen Formen der Angststörung leiden die Betroffenen meist erheblich. Je nach Ausprägung ist kein normales Leben mehr möglich.

Dann ist Angst nicht mehr nützlich. Dann ist die Angst übertrieben, sinnlos, einnehmend und zerstörend.

Und dann solltest Du etwas dagegen unternehmen. Und darum bin ich froh, dass Du jetzt hier bist.

Und was geht da jetzt ab?

Es spielt übrigens überhaupt keine Rolle, was der Auslöser für die Angst ist – was da in Deinem Körper abgeht, ist immer gleich.

Ganz egal, ob Du in einem brennenden Haus stehst oder Dich die Angst beim Autofahren überkommt – Hormone werden ausgeschüttet, Dein Blutdruck erhöht sich, Dein Herzschlag beschleunigt sich und Deine Sinne werden geschärft.

Dein Körper stellt Dir alle Energie zur Verfügung, um zu kämpfen oder zu fliehen?

Und was tust Du? Nichts! Du sprintest nicht im Kino herum oder prügelst Dich mit dem Kinokartenabreißer. Du nutzt diese Energie nicht.

Du spürst, wie Dein Herz rast und Dein Blutdruck steigt, was normal ist. Es muss so sein, wenn Du Angst bekommst.

Das macht Dir aber noch mehr Angst. Bekomme ich jetzt einen Schlaganfall oder Herzinfarkt? Werde ich jetzt ohnmächtig? Muss ich sterben?

Und die Angst steigert sich ins Unermessliche und weitere Panikattacken-Symptome stellen sich ein.

Und diese Erfahrung ist so furchtbar, dass Du Angst bekommen könntest, in einer ähnlichen Situation erneut diese Angstzustände durchleben zu müssen. Und was macht diese Angst dann mit Dir – na genau das gleiche, wie immer wenn Du Angst bekommst. Der Blutdruck erhöht sich, der Herzschlag beschleunigt sich usw.

Alles normal

Das soll jetzt einmal als grober Überblick genügen. Du solltest Dir merken, dass es vollkommen egal ist, warum Du Angst hast. Es passiert immer das Gleiche. Und wenn Dein Herz dann rast, dann ist das normal und kein Anzeichen für einen Herzinfarkt.

Du aber interpretierst diese körperlichen Veränderungen als gefährlich. Ohne diese Interpretation würdest Du keine Panikattacke bekommen.

Und was bringt Dir das jetzt?

Dieses Wissen kann Dir dabei helfen, Dich und Deinen Körper besser zu verstehen. Du solltet wissen, was mit Dir passiert, wenn Dich die Angst überkommt.

Tipp: Nutze die Energie, die Dir Dein Körper zur Verfügung stellt, wenn Dich die Angst überkommt. Mache ein paar Kniebeugen, tanze, laufe oder was immer gerade möglich ist. So wird die Angst vorüber gehen.

Das ist sicher nicht die Lösung, um die Angststörung endgültig zu überwinden, aber das lässt Dich die Erfahrung machen, dass es stimmt, was ich Dir hier gesagt habe.

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