So bekommst Du Angst und Nervosität in den Griff

Mein Puls rast, meine Atmung ist flach und schnell, mir ist warm und ich schwitze. Mir ist ein wenig flau im Magen und ich verspüre ein innerliches Zittern. Ich bin wahnsinnig angespannt und habe das Gefühl, ich würde platzen.

Wir schreiben das Jahr 2014 und nein – meine Angststörung ist nicht wieder da. Das, was ich hier beschreibe war nicht etwa eine Panikattacke.

Mit knapp 20 Leuten sitzen und stehen wir vor dem großen Fernseher im Wohnzimmer von Marco.

Ich atme hörbar ein und aus und verlagere mein Gewicht abwechselnd von einem auf das andere Bein. Ich zapple herum.

Jan fragt lachend: „Was ist los? Nervös?“

„Das kannst Du wohl laut sagen,“ antworte ich und trommle mit den Fingern auf den Stehtisch vor mir.

Ich werde ein ganz kleines bisschen ruhiger.

In zehn Minuten geht es los. Dann wird das Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland gegen Brasilien angepfiffen. Ich bin ein riesiger Fussballfan und bei so besonderen Spielen, wie diesem, bin ich immer unglaublich aufgeregt.

Dann folgt die Nationalhymne. Ich singe mit. Meine Atmung normalisiert sich langsam und das flaue Gefühl im Magen ist verschwunden.

Dann geht es los. Das Spiel läuft. Brasilien mit den ersten Vorstößen. Es geht über die Flügel. Den Pass in die Mitte fängt Manuel Neuer so gerade noch ab.

„Mensch, passt doch auf!“ rufe ich.

Dann die elfte Minute. Ecke Kroos, Schuss Müller und das 1:0 für Deutschland.

Jubelnd liegen wir uns in den Armen. Die noch verbliebene Anspannung wird einfach hinausgeschrien.

Zwölf Minuten später folgt das 2:0. Weitere 6 Minuten später ist mit dem 5:0 bereits alles klar.

Anspannung und Nervosität haben keinen Platz mehr.

Jetzt ist Zeit für Freude, Euphorie und Feiern.

Ähnlichkeit mit Panikattacken unverwechselbar

Panikattacken-Symptome sind mit den körperlichen Veränderungen, die mit Aufgeregtheit, Spannung und Nervosität einhergehen in weiten Teilen identisch.

Herzrasen, steigender Blutdruck, innere Unruhe, flaues Gefühl im Magen, flache und schnelle Atmung, Schweißausbrüche, Zittern usw. Das sind alles auch mögliche Panikattacken-Symptome.

Nervosität ist im Grunde ja auch eine Form der Angst und tritt in der Regel dann auf, wenn man nicht weiß, wie eine Geschichte, die man als wichtig empfindet, ausgeht. Dabei gibt es immer die Möglichkeit, dass das Ganze nicht so verläuft, wie man sich das wünscht. Und diese Möglichkeit macht Angst – man ist nervös.

Nervosität und Angst sind Schwestern und die Symptome in großen Teilen identisch. Warum mündeten diese Symptome dann nicht in einer Panikattacke?

Weil ich keine Angststörung mehr habe? Ja, das mag richtig sein.

Aber was ist in dieser Situation anders verlaufen? Warum genau machten mir diese körperlichen Veränderungen keine Angst?

Diese körperlichen Reaktionen waren vollkommen normal. Ich war schließlich aufgeregt, nervös und angespannt. Und das war mir klar. Und deshalb habe ich nichts dramatisiert.

Bei einer Angststörung können die gleichen Symptome auftreten.

Aus irgendwelchen Gründen bekommst Du Angst. Vielleicht befindest Du Dich in einer bestimmten Situation, die Dir Angst macht – in der Du vielleicht schon einmal Panikattacken bekommen hast. Manchmal überkommt Dich die Angst möglicherweise aus heiterem Himmel.

Was auch immer der Grund für die Angst ist, spielt keine Rolle. Dein Körper reagiert und schüttet einen Hormoncocktail aus, um Dich in die Lage zu versetzen zu kämpfen oder zu fliehen.

Dramatisierung ist das Problem

Und das Ganze führt zu körperlichen Veränderungen. Das ist überhaupt nicht schlimm – das ist normal, es muss so sein. Würdest Du das an dieser Stelle so hinnehmen, würdest Du die Panikattacke im Keim ersticken.

Erst die Wertung als etwas Bedrohliches – die Dramatisierung dieser körperlichen Veränderungen bringt das Ganze so richtig ins Rollen.

Bekomme ich jetzt einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall? Hoffentlich werde ich nicht ohnmächtig! Muss ich jetzt sterben?

Gedanken wie diese sind es, welche die Angst in die Höhe schnellen lassen.

Deshalb kann es helfen, wenn Du Dir klar machst, dass alle diese Panikattacken-Symptome vollkommen normal sind und nicht auf etwas Schlimmes zurückzuführen sind.

Übrigens war das 7:1 gegen Brasilien vielleicht das beste Spiel einer Mannschaft, das ich je gesehen habe und ich bin froh, dass ich ein solches Spiel heute wieder genießen kann. Und mit den folgenden Tipps machst Du sicher einen Schritt in die richtige Richtung.

  • Fange nicht an, Panikattacken-Symptome zu dramatisieren.
  • Mache Dir klar, dass die körperlichen Veränderungen vollkommen normal sind.
  • Schlüpfe einmal in die Rolle eines Beobachters, der nur wahrnimmt ohne dabei zu werten.

Diese Vorgehensweise erfordert ein wenig Übung, aber wird dazu führen, dass Angstzustände und Panikattacken nicht mehr so häufig auftreten und Du schneller aus der Spirale der Angst wieder herausfindest.

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1 Kommentar

  1. Was du im Griff hast, das hat dich im Griff.
    Um das verstehen zu lernen, schlage ich in meinen Vorträgen immer vor, einmal die Kaffeetasse vom Frühstück bis zum Mittagessen im Griff zu behalten.
    LÖSUNG entsteht nicht durch Haben / Halten sondern durch Loslassen.
    Panikattacken & Co. sind ein hervorragendes Zeichen dafür, wie zuverlässig AUTOSÚGGESTION funktioniert. Das Pro-blem läuft ab wie pro-grammiert.
    Pro-gramme kann man ändern.
    Und das tun wir auch.
    Da wir aber offensichtlich die Autosuggestionswirkung von Programmen nicht verstanden haben, erneuern und verstärken wir im Pro-blemfall immer nur das ungünstige Pro-gramm, wir ändern es nicht.
    COUÉ gibt sehr einfache und deutliche Beispiele, worauf es ankommt und wie´s gemacht wird.
    LERNEN ist immer ein guter Weg in Richtung LÖSUNG.
    Guten Erfolg!
    Franz Josef Neffe

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