Angst kann helfen

Wenn auch Sie eine Angststörung haben, sind Sie in guter Gesellschaft. Ich habe in der Zeitschrift „Focus“, Ausgabe 14/2011 einen interessanten Artikel mit dem prägnanten Titel „Lohn der Angst“ gelesen.

Angst ist etwas ganz Natürliches und sogar nützlich, auch wenn Sie das vielleicht momentan nur schwer nachvollziehen können, wenn Sie unter Panikattacken, der Angst vor der Angst, Hypochondrie oder einer anderen psychischen Erkrankung leiden. So kann „Angst die treibende Kraft sein, die uns zu schöpferischem Handeln anregt, zu he rausragenden Leistungen anstachelt und unsere Fantasie und Kreativität steigert“, der Angstforscher Borwin Bandelow feststellt. So sei „die Emotion, die der, der sie akut spürt, als so belastend empfindet, ist für ihn das Superbenzin zum Erfolg“.
Das mag sicherlich stimmen. Wenn man jedoch unter Panikattacken, der Angst vor der Angst oder einer anderen psychischen Erkrankung leidet, kann man sich zugegebenermaßen nur schwer vorstellen, dass Angst tatsächlich von großem Nutzen sein kann. Wenn diese Angst überhandnimmt und den betroffenen lähmt, was bei psychisch Kranken ja der Fall ist, ist es wohl vollkommen falsch, von „Superbenzin“ zu sprechen.

Dennoch kann man der Angst auch dann durchaus etwas Positives abgewinnen, auch wenn es schwerfällt, das zu glauben, wenn man unter einer Angststörung leidet. So ist „Angst eine wunderbare Mitteilung an uns selbst, dass wir nicht gut unterwegs sind, dass wir etwas ändern müssen“, wie Gerald Hüther von der Uni Göttingen treffend beschreibt.

Diese Aussage bringt das Problem meiner Meinung nach deutlich auf den Punkt. Wenn Sie eine psychische Erkrankung aufweisen, dann passiert das in den meisten Fällen nicht ohne Grund. Überlegen Sie also, was in ihrem Leben momentan nicht stimmt, so dass eine psychische Erkrankung ausgelöst wurde. Weshalb haben Sie Panikattacken, Angst vor der Angst, Depressionen oder welche psychische Erkrankung auch immer?

Ich bin davon überzeugt, dass jeder ganz tief im Inneren weiß, was er braucht, was ihm fehlt. Manchmal will man das allerdings nicht wahrhaben, da die Einforderung seiner Bedürfnisse dazu führt, dass wir andere Menschen verletzen. Wir können allerdings nicht durchs Leben gehen ohne andere Menschen zu verletzen. Oder um es mit den Worten von Marie von Ebner-Eschenbach zu sagen: »Unsere größte Feigheit liegt darin, von allen geliebt werden zu wollen«. Vielleicht müssen wir sogar unser ganzes Leben umkrempeln, zumindest aber einmal in Frage stellen.

Diese Beiträge könnten Dir auch gefallen...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.