Desensibilisierung bei einer Angststörung

Wenn man an einer psychischen Erkrankung, wie beispielsweise einer Angststörung oder einem Burnout-Syndrom leidet, ist die extreme Sensibilität der Betroffenen ein großes Problem.

Sensibilität bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch soviel wie Feinfühligkeit/Empfindlichkeit, in der Neurophysiologie meint es das Fühlen an sich. In diesem Artikel benutzen wir den Begriff im Sinne von Feinfühligkeit/Empfindlichkeit.

Sensibilität – positiv oder negativ?

Ist es jetzt positiv, wenn man sensibel ist oder eher hinderlich? Nun, auf der einen Seite sind sensible Menschen eher in der Lage, sich in andere einzufühlen, sind offener für bestimmte Schwingungen innerhalb einer Kommunikation und nehmen einfach mehr wahr.

Diese Fähigkeiten können sicherlich allerhand Vorteile mit sich bringen. Auf der anderen Seite kann einem eine übermäßige Sensibilität auch zu schaffen machen. Man spricht hier auch von Hypersensibilität oder Überempfindlichkeit.

Veränderungen machen Angst

Ich habe lange selbst an einer Mischung aus Panikstörung, Hypochondrie und Agoraphobie gelitten. Zudem plagte mich eine generalisierte Angststörung. Vor allem in dieser Phase war ich hypersensibel.

Ich nahm jede Veränderung sofort wahr. Dabei spielte es keine Rolle, ob es äußere Reize waren oder innerliche (körperliche) Veränderungen – sobald etwas irgendwie anders war, erschreckte ich mich, bekam erst einmal Angst, verspannte und verkrampfte mich.

Wie erkläre ich mir das? Angst geht immer auch mit erhöhter Aufmerksamkeit einher (siehe Wikipedia). Wenn die Angst im Grunde immer mit dabei ist, sind die Nerven zum Zerreißen gespannt. Das macht ja auch Sinn, wenn man sich noch einmal klarmacht, dass die körperlichen Reaktionen auf die Angst sinnvoll sind, wenn man sich in einer wirklich gefährlichen Situation befindet.

Da Angstzustände und Panikattacken jedoch nicht in tatsächlich gefährlichen Situationen auftreten, ist das Ganze doch eher hinderlich und nicht mehr als sinnvoll zu bezeichnen.

Viele Menschen mit einer Angststörung berichten von extremer Gereiztheit. Menschen, die sich im Zug lautstark unterhalten, nerven plötzlich enorm. Dabei sind es vor allem plötzlich auftretende Veränderungen, die als störend und beängstigend empfunden werden.

Oft sind dabei verschiedene Sinneswahrnehmungen betroffen: Veränderung der Lautstärke (hören), schnelle Gegenstände im Sichtfeld wie z.B. das Vorbeifliegen der Landschaft oder anderer Autos beim Autofahren(sehen), plötzlich auftretende Gerüche (riechen). Schmecken und Tasten können ebenfalls betroffen sein.

Vor allem, wenn man an Hypochondrie leidet, ist man auf die eigenen körperlichen Veränderungen fixiert. Man bemerkt jedes Blubbern, jedes Kribbeln, jede Rhytmusänderung des Herzschlags. Menschen, die da weniger sensibel sind, bemerken so etwas oft gar nicht. Auch bei Panikattacken spielt die gesteigerte Wahrnehmung körperlicher Veränderungen eine große Rolle.

Neben der gesteigerten Wahrnehmung plötzlich auftretender Veränderungen ist eine weitere Zutat entscheidend, um Angstzustände und Panikattacken auszulösen: Die Interpretation dieser Veränderungen als etwas Gefährliches. Neigt man nur zu dieser Hypersensibilität wäre das schließlich kein großes Problem, wenn man nicht mit Angst darauf reagieren würde.

Ein plötzlich auftretendes lautes Geräusch, oder ein Geruch, eine plötzlich auftretende körperliche Veränderung ist ja allein für sich erst einmal kein Grund zur Beunruhigung. Wenn man an einer Angststörung leidet, erschreckt man jedoch oft sofort, verspannt und versteift sich und denkt „Mist, was ist denn das?“ Man reagiert mit Angst.

Um noch einmal auf die Frage zurück zu kommen, ob Sensibilität gut oder schlecht ist – Sensibilität ist durchaus etwas Positives, Hypersensibilität ist zuviel des Guten.
Eine Überempfindlichkeit, eine Hypersensibilität gepaart mit dieser Interpreation als etwas Gefährliches ist meiner Meinung nach extrem hinderlich. Auf der einen Seite sollte man einen Weg finden, wie man mit mehr Gelassenheit reagieren kann, aber hier geht es um Desensibilierung.

Desensibilisierung der Betroffenen

Wenn Du Heuschnupfen hast, kennst Du vielleicht die Desensibilisierung aus diesem Zusammenhang. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf eigentlich harmlose Stoffe (in diesem Fall auf Pollen) mit einer Abwehrreaktion. Diese Reaktion verursacht die Beschwerden, nicht die Pollen an sich.

Bei einer Angststörung verhält es sich doch im Grunde genauso. Plötzliche Veränderungen sind erst einmal nichts Gefährliches, sie sind halt da, vollkommen wertfrei. Unsere Reaktion darauf ist es, die zu Problemen führt.

Bei Heuschnupfen hat es sich bewährt, den Allergiker regelmäßig mit dem zu konfrontieren, wogegen er überempfindlich ist. Man bekommt die allergieauslösende Substanz in regelmäßigen Abständen verabreicht.

Kann man das nicht auch auf die Angststörung übertragen? Ich denke schon! Wenn man sich den Reizen, auf die man mit Angst reagiert, immer wieder gezielt aussetzt, gewöhnt man sich mit der Zeit wieder daran. Leider neigen wir dazu, angstmachende Situationen eher zu vermeiden. Wir sollten jedoch unbedingt einen Weg finden, uns diesbezüglich zu überwinden.

Gehe doch einmal in einen Vergnügungspark. Der perfekte Ort zur Desensibilisierung. Viele Menschen, zahlreiche Gerüche, teils ein enormer Lautstärkepegel…

Wie wäre es mit einer Achterbahnfahrt? Es rappelt laut, hohe Geschwindigkeit, vielleicht sogar Loopings. Oder einer Fahrt in einer Geisterbahn?

Der Vergnügungspark ist der absolute Horror für jeden unter Agoraphobie leidenden Menschen und ich muss zugeben, dass dies schon eher einer Schocktherapie gleicht, als einer Desensibilisierung. Wenn Du es Dir zutraust, probiere es doch einmal aus.

Langsam anfangen und dann steigern

Bei der Desensibilisierung sind eher kleinere Dosierungen gefragt. Setze Dich also ganz gezielt bestimmten Reizen aus. Dafür muss man nicht viel mehr tun, als aktiv am Leben teilzunehmen, was für an einer Angststörung leidenden Menschen bereits eine enorme Herausforderung sein kann.

Noch ein Beispiel: Wenn Du an einer Herzneurose leidest – fange langsam an, Ausdauersport zu treiben und steigere Dich langsam. Dabei machen sich unweigerlich körperliche Veränderungen bemerkbar, wie Steigerung des Herzschlags und der Atemfrequenz, Erhöhung des Blutdrucks etc.

Auch bei der Desensibilisierung bei einer Allergie fängt man im Übrigen mit kleinen Dosen an und steigert sich langsam.

Zudem ist es wichtig, dass man sich diesen Reizen über einen längeren Zeitraum regelmäßig aussetzt.

Dieser Tipp ist zugegebenermaßen sehr kraftraubend und je nach Ausprägung der Angststörung (noch) nicht durchführbar. In diesem Fall sollte man darüber nachdenken, sich professionelle Hilfe zu holen.

Was meinst Du dazu? Bemerkst Du diese Hypersensibilität auch bei Dir? Kennst Du diese gesteigerte Wahrnehmung und Angst und Panik als Reaktion auf plötzlich auftretende Veränderungen?

Nutze die Kommentarfunktion, und lasse uns wissen, wie sich die Angststörung bei Dir bemerkbar macht.

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66 Kommentare

  1. Marianne sagt:

    Guten Morgen
    Was mich die ganze Zeit beschäftigt ist, es reicht ja schon das ich die Angststörung & Panikattacken habe, und es leider selber oft nicht verstehe .Da ich ganz besonders gegen Abend darunter leide.
    Was aber kann der Partner / Partnerin oder gar Familie / Freunde tun. ?
    Es tut Ihnen auch weh, sie sind Rat & Hilflos wissen nicht mehr weiter, würden gerne helfen ! Aber wie ? Wenn sie mich so erleben , denn vor lauter Angst weine ich sehr viel, und es kommt auch das ich meine es passiert immer mehr. Da es in den letzten Zwei Wochen jeden Tag etwas anderes war, das ich hatte. Mich selber fängt es an richtig fertig zu machen, ziehe mich oft zurück und bin auch selber nicht mehr ich ! Gehe nicht mehr weg( leidenschaftliche Tänzerin) höre fast keine Musik mehr, da ich keine Spaß mehr daran empfinde. Mache einfach vieles nicht mehr, da besonders Abends alles los geht und ich dann so oder so kaum bis garnicht mehr schlafe , oder wenn Augen zu dann im sitzen. Und am nächsten Zag bin ich total kaputt. Ich habe bis bor kurzen noch gearbeitet, das fällt jetzt weg da ich mich nicht mehr richtig konzentrieren kann, auf meine Arbeit.
    Noch eine Frage !
    Wie finde ich den richtigen Therapeuten ? Und woher weiß ich ob er für mich der richtige ist ? Da man mir empfohlen hat dringend eine Verhaltenstherapie in Angriff zu nehmen.

    sonnige Grüße
    Marianne

    • Sebastian sagt:

      Hallo Marianne,

      klar ist das auch für deine Familie schwierig, allerdings ist das für dich am schlimmsten. Versuche, dich in erster Linie um dich zu kümmern. Deine Familie kann folgenden Beitrag dazu lesen: Tipps für Angehörige. Und wie du den richtigen Therapeuten findest erfährst du hier.

      Lieben Gruß.

      Sebastian

  2. Marianne sagt:

    Hallo Sebastian
    Auch ich habe eine Angststörung & Panikattacken, und muss seit her jeden Tag etwas anderes erleben was auftritt.
    Ich leide sehr darunter, gestern Abend fing es an ..ich hörte mich so komisch und ich muss dazu noch sagen das ich seit fünf Wochen mit Nasen Spray arbeite,da ich sonst kaum Luft durch die Nase bekomme. Dann bekomme ich Panik ! Nun wie gesagt ist es so das ich seit gestern Abend ein komische Gefühl im Ohr habe, ich höre mich so seltsam. Und das macht mir nun wieder enorme Angst da es immer noch da ist das Gefühl ein leichter drück als wenn das Ohr nicht aufgehen würde, diese Angst macht mich so sehr unsicher ! Was kann ich bloss tun das es aufhört mit diesem Gefühl im Ohr ? Muss dazu sagen das ich seit 20 Jahren einen Chronischen Tinnitus habe. Ich habe wirklich Angst das noch mehr hinzukommt. Hast du bitte einen Rat für mich oder eine Hilfestellung ? Lieben Dank im Vorraus

    • Sebastian sagt:

      Wie vor kurzem zu Gudruns Kommentar geschrieben, möchte ich auch hier auf meinen Beitrag zum Tinnitus verweisen. Wenn du schlecht hörst, rate ich dir zu einem Besuch beim HNO-Arzt. Kann ja auch sein, dass was Körperliches zu der Angststörung hinzugekommen ist. Das würde ich einmal abklären lassen, wenn das neu ist und bisher noch nicht untersucht wurde. Zudem möchte ich darauf hinweisen, dass Nasenspray süchtig machen kann. Je länger du das nutzt, desto mehr bekommst du das Gefühl, ohne Nasenspray keine Luft mehr zu bekommen. Gar nicht gut…

  3. Gudrun sagt:

    Hallo, ich wohne seit ca. 1 Jahr in einer sehr hellhörigen Wohnung in einem Block, davor in einem Einfamilienhaus. Im Laufe der Zeit habe ich eine regelrechte Angst vor den Geräuschen aus den umliegenden Wohnungen entwickelt. Ich kann kaum schlafen und bin immer ganz kaputt. Wie kann ich es schaffen, dass mir diese Geräusche nicht mehr ganz so viel ausmachen und ich etwas runter kommen kann.

    • Sebastian sagt:

      Versuche dem Ganzen weniger Aufmerksamkeit zu schenken. Die hier beschrieben Strategien zum Tinnitus können Dir dabei helfen, dem Ganzen gelassener gegenüber zu stehen. Klicke dazu hier.

  4. Samantha sagt:

    Lieber Sebastian,
    Ja diese Überempfindlichkeit kenne ich gut. Ich habe seit Mitte 2016 Angstattacken. Wenn ich in meinem Bauch ein merkwürdiges Gefühl habe wie Hungergefühl, Völlegefühl, Aufstossen oder Ähnliches, denke ich gleich, dass es etwas schlimmes sein könnte. Ich habe dann immer Angst, dass mir schlecht wird und ich mich übergeben muss. Also ich habe richtige Angst vor dem Erbrechen. Kann mir jedoch keinen Reim daraus machen, wie dies entstehen konnte. Zurzeit habe ich Mühe damit, in Restaurants zu gehen und zu essen. Viele Angstattacken habe ich beim oder nach dem Essen. Obwohl ich aber auch normal essen kann, ohne das irgendetwas passiert. Ich nehme im Notfall ein Medikamente, möchte es jedoch schaffen, die Angstattacken ohne Medikamente durchzustehen.

    Vielen Dank für deine aufmunternden Mails.

    Liebe Grüsse
    Samantha

    • Sebastian sagt:

      Liebe Samantha,

      vielen Dank, dass Du von Deinen Erfahrungen berichtest. Panikattacken beim Essen sind im Übrigen sehr verbreitet. Ich habe bereits mit einigen Menschen zusammengearbeitet, die insbesondere in diesen Situationen mit Angst und Panik zu kämpfen hatten. Ich will Dir damit nur sagen: Du bist nicht alleine!

      Lieben Gruß.

      Sebastian

  5. Melanie sagt:

    Hallo,
    ich war schon immer ein kleiner Schisser, allerdings so, dass ich da mit zurecht kam. Seit der Geburt meiner Tocher (8 Wochen) ist es leider extrem geworden. Ich mein Leben lang schon Kreislaufschwach und habe jetzt immer Angst, dass mir schwindelig wird, wenn ich alleine bin. Außerdem denke ich bei jedem blubbern im Bauch, dass ich Magen-Darm bekomme und meine Tochter dann nicht mehr stillen könnte. Ich traue mich zum Beispiel nicht viel auf einmal zu Essen, weil mir dann schlecht werden könnte. Zudem kommen Panikattacken, die für mich noch unberechenbar sind und ohne jegliche Muster. Wie habt ihr die Gründe erkannt?
    Ich war beim Neurologen und der meinte nur, dass man nach der Geburt mal traurig sein darf (Ich bin aber ja gar nicht traurig oder depressiv) Hab mich also überhaupt nicht verstanden gefühlt. Jetzt soll ich in 3 Wochen nochmal wieder kommen, aber ich habe das Gefühl, dass es von Tag zu Tag schlimmer wird.

    • Sebastian sagt:

      Hallo Melanie,

      einen Magen-Darm-Virus bekommt man ja nicht, weil man zuviel isst. Habe zu oft mitbekommen, dass Neurologen Medikamente verschreiben, ohne diese an eine Psychotherapie zu knüpfen. Und da Du Dich nicht verstanden fühlst, hast Du schon über eine Therapie nachgedacht?

    • Melanie sagt:

      Ja habe ich, allerdings ist überall bereits auf dem Anrufbeantworter, dass sie keine neuen Patienten nehmen oder haben eine Wartezeot von mindestens 8 Monaten (habe mich auf die Warteliste setzen lassen)

  6. Stefan sagt:

    Hallo Sebastian,
    über den Sommers diesen Jahres habe ich eine Angststörung entwickelt. Irgendwann kamen aggresive Zwangsgedanken auf, diese haben die Angst natürlich verstärkt. Obwohl ich durch Meditation und dem klarmachen das Gedanken nur Gedanken sind mit diesen blöden Gedanken schon viel besser umgehen kann, hatte ich bis vor wenigen Tagen immer wieder schreckliche angst davor an Schizophrenie oder einer Psychose erkrankt zu sein oder zu erkranken. Ich gehe ziemlich offen damit um, meine Frau, Freunde und Familie sagen mir immer wieder das ich mir diesbezüglich keine Sorgen machen soll. Vor ein paar Tagen habe ich etwas länger mit einem bekannten über meine Probleme gesprochen, er ist Psychotherapeut und konnte mir begreiflich machen das ich keine Psychose habe.

    Morgens und Abends fahre ich mindestens jeweils 1 Stunde in der Dunkelheit über die Autobahn zur Arbeit. Vor ca. drei Wochen merkte ich wie es mich irgendwie mehr stört als früher. Während der Arbeit sitze ich den ganzen Tag vorm Rechner. Eine Woche lang hatte ich das Gefühl das meine Augen zunehmend müde sind und hatte das Gefühl eine Brille zu brauchen. Ich war dann beim Optiker, er sagte mir es würde keine Sehschwäche vorliegen. Mit dieser Aussage im Nacken geht es den Augen auch schon wieder etwas besser ;-).

    Mein aktuelles Problem ist, dass ich meine Wahrnehmung anscheinend so sensibilisiert habe, dass ich da grade garnicht so gut mit zurecht komme. Ich nehme gefühlt viel zu viele Lichtreflektion wahr, bekomme dann aber Angst das es Halluzinationen sein könnten. 95% der „Erscheinungen“ kann ich mir durch „nachforschen“ erklären, manche aber halt auch nicht wirklich. Ab und zu war es auch nur ein kleiner leuchtender Punkt, wie wenn man „Sterne sieht“ (nach einem Schlag gegen den kopf oder nach einem Handstand oder so), allerdings nur für einen Bruchteil einer Sekunde, dafür aber heller. Das alles spielt sich in meiner Perepherie ab und ich bemerke es ein paar mal am Tag (je nachdem wie stark ich mich damit beschäftige).

    Ich vermute, dass sich meine Wahrnehmung durch die Angst etwas zu sehen was nicht da ist so sensibilisiert hat. Einfach abschalten wird wohl nicht funktionieren. Ich muss wohl das interpretieren sein lassen und irgendwie gelassener werden.
    Auf der anderen Seite mache ich mir halt doch wieder sorgen, das da doch irgendwas andres noch mit reinspielt 🙁

    Kann das alles durch die Angst kommen?

    • Sebastian sagt:

      Hallo Stefan,

      Du scheinst für jegliche (innere und äußere) Veränderungen und Reize sehr empfänglich zu sein. Auch ich nehme derartige Reize mehr wahr als viele andere. Das ist auch heute noch so.

      Diese machen allerdings nur dann Angst, wenn man diese als besorgniserregend/gefährlich/unnormal interpretiert. Erst dadurch entsteht Angst.

      „Phänomene“ wie einen kleinen, leuchtenden Punkt nehme ich auch manchmal wahr. Zudem habe ich sogenannte Glaskörpertrübungen (Punkte und Schlieren beim Sehen). Haben ganz viele Menschen. Auch so etwas könnte das sein.

      Ich glaube nicht, dass Du Dir irgendetwas einbildest. Du nimmst wahr (was andere auch wahrnehmen könnten), reagierst darauf allerdings mit Gedanken wie „Was ist das denn? Das ist doch nicht normal. Jetzt werde ich verrückt!“ Und diese Gedanken sind es, die Angst machen. Jeder, der so denken würde, bekäme es mit der Angst zu tun.

      Ich hoffe, ich konnte Dich ein wenig beruhigen.

      Lieben Gruß.

      Sebastian

      Ich hoffe,

    • Stefan sagt:

      Danke für die schnelle Antwort Sebastian. Ja genau diese Gedanken sind es die mir dann gerne durch den Kopf gehen. Diese Glaskörpertrübungen nehme ich seit dem ich so auf meine Sicht achte extrem war. Diese kenne ich allerdings schon seit meiner Kindheit, wusste eigentlich nie was es damit auf hat mcih auch nie interessiert. Lustiger weise machen diese mir auch keine Sorgen, eben weil sie mir schon so lange bekannt sind…

    • Sebastian sagt:

      Ohrensausen, Flimmern vor den Augen, Zwicken, Stechen, Kribbeln…wir alle haben solche Symptome. Die meisten Menschen geben diesen keine weitere Bedeutung. Menschen mit einer Angststörung bewerten sie allerdings dann oft über, sie dramatisieren. Und der Gedanke, dass das etwas schlimmes sein könnte, macht nachvollziehbarerweise Angst. Das aber hat NICHTS damit zu tun, dass Du verrückt wirst. Ich könnte mir vorstellen, dass meine Akademie etwas für Dich ist. Wir nehmen gerade 100 weitere Mitglieder auf. Schau Dir das mal an, wenn Du magst: http://www.psog.de/leben2017.

      Lieben Gruß.

      Sebastian

  7. Betti sagt:

    Liebe Morena,
    dein Text hat mich einfach angesprochen, weil es mir ähnlich geht.Ich kann dich gut verstehen, dieses akzeptieren gelingt mir auch nicht.Auch ich habe immer wieder psychosomatische Symptome, wenn ich Stress kriege oder ich mir Stress mache. Auch ich habe dann immer mit dem Schwindel vorwiegend Probleme. Mir fällt es dann unsagbar schwer damit den normalen Tagesablauf weiterzuführen. Ich bin dann so fixiert darauf, dass ich mich kaum auf was anderes konzentrieren kann..Manchmal denke ich bin ich mit solche Dingen allein, da tut es gut, wenn ich lese das es anderen ähnlich geht. Wie schaffst du es trotzdem dich diesen Situationen zu stellen? Was machst du in diesen Situationen? Atemübungen o.ä.? Leider bin ich dazu noch Hypochonder, somit denke ich zusätzlich das es was krankhaftes ist, meine psychosomatischen Symptome.
    Viele Grüße Betti

    • Anerom sagt:

      Liebe Bettina

      ich denke wir sind nicht die Einzigen. Ich mache dann Atemübungen, ich spanne meine Hände zur Faust und löse sie wieder. Das mach ich pro Seite 4 bis 5 mal. Ich sage mir dann immer dass es gut kommt und rede positiv mit mir selber. Eigentlich weiss ich ja dass das alles eine Kopfsache ist. Aber manchmal ist die Angst grösser. Manchmal zähle ich auch Rückwärts von 20 auf 1. Hypochonder war ich auch. Aber irgendwann kam der Punkt (nachdem mich mein Arzt für körperlich Gesund befunden hat) wo ich wusste dass wirklich alles von meinen Gedanken aus kommt. Nun bin ich soweit dass ich wirklich erst zum Arzt gehen wenn ich wirklich etwas habe.
      Ich hoffe ich konnte dir etwas helfen.

      Liebe Grüsse Anerom

  8. Morena sagt:

    Hallo Sebastian

    Du hast recht. Ich habe festgestellt dass es einfach Dinge gibt die man akzeptieren muss. Doch hier ist mein Problem. Alles was mit Akzeptanz und Warten zu tun hat macht mich fertig. Ich finde keinen Weg (und probiere es nun seit Monaten) damit es mir klar wird. Sobald mir etwas gegen den Strich geht und ich dies aber akzeptieren muss (vorallem im Job) habe ich innerlich so starke Emotionen dass ich dann psychosomatische Beschwerden bekomme und eine Panikattacken. Das gleich ist wenn ich warten muss. Wenn ich weiss dass ich einen Termin habe (Arzt etc.) dann bin ich schon Stunden vorher fast nicht mehr zu brauchen. Ich stelle mir vor wie es mir dann schlecht geht und ich eine Panikattacke mit diesem Schwindel bekomme. Ich gehe dann zu diesem Termin schon mit der Erwartung das es mir nicht gut geht. Doch zu 99% bekomme ich keine Panikattacke da ich mich innerlich so dagegen wehre. Danach bin ich einfach nur kaputt. Das gleiche ist im Job. Sobald ich an eine Sitzung muss oder ich einfach weiss, da musst du jetzt bleiben und kannst nicht davon rennen, geht es mir nicht gut. Wenn ich dies hier so schreibe, werde ich traurig. Traurig weil dies einfach das Leben erschwert. Hast du mir evt. einige Tipps wie ich damit umgehen kann oder wie/was ich tun kann um dies zu erlernen.

    Liebe Grüsse

    Morena

    • Sebastian sagt:

      Hallo Morena,

      du beschreibst vor allem Situationen, aus denen du nicht so einfach flüchten kannst. Es ist gut, dass du dich diesen trotzdem stellst und ganz normal, dass du anschließend fix und fertig bist. Statt damit zu hadern, solltest du dir anschließend klarmachen, wie viel Mut du damit bewiesen hast. Das hast du gut gemacht!

      Im Wartezimmer könntest du dir die Zeit vertreiben, indem du dich mit anderen Patienten unterhältst. Eigentlich ist doch jedem langweilig. Niemand wartet gerne. Aber du könntest auch jeder Zeit das Wartezimmer verlassen. Wenn Du Dir das klarmachst, nimmt das vielleicht ein wenig den Druck heraus!

  9. Betti sagt:

    Hallo Sebastian,

    ich brauche mal wieder deinen Rat. In den letzten Wochen ging es mir mit meiner Angststörung (Hypochondrie) relativ gut. Jetzt habe ich die Physiotherapie gewechselt (war nicht zufrieden). Am Anfang war ich begeistert von der neuen Physiotherapie mit Osteopathie. Ich habe starke Verspannungen im Kiefer und HWS Bereich manchmal zieht die Verspannung, auch wenn die Angst und der Stress da ist duch den ganzen Körper. Das weiß ich und damit kann ich schon umgehen. Jetzt habe ich aber nach der Behandlung festgestellt, das sich die Verspannungen verlagert haben, ich habe seit dem wie ein zittern in den Armen und manchmal auch im Kieferbereich. Das hatte ich noch nicht manchmal ja, aber nicht ständig. Das hat meine Angst sofort wieder extrem ausgelöst. Ich habe dann Angst das es nie wieder weg geht….und dann beginnt wieder ein richtiger Kreislauf aus Angst und Panik. Ich merke eigentlich das ich verspannt bin in diesen Bereichen, mit schmerzhaften Punkten. Doch die Symptome ziehen mich so stark runter das ich unfähig bin mich auf normale Erklärungen zu besinnen. Wie kann ich mir helfen? Wie kann ich mich da Desensibilisieren?

    VG
    Betti

  10. Tanja sagt:

    Hi,
    ich trau mich einfach mal auch zu schreiben.
    Seit 14 Jahre leide ich unter Panikattacken. 2002 wurde es im Krankenhaus zusammen mit Lupus Erythematodes festgestellt.
    Am Anfang kamen die Paniken selten, meist beim Autofahren. Zuerst fuhr ich keine Autobahn mehr, dann nahm ich die Landstraße bis das i-wann auch nimmer ging. Dann fuhr ich Zug und zog mich immer weiter zurück bis ich das Haus nicht mehr verlassen hab. Wurde dann auf Venlafaxin und Seroquel eingestellt, damit ging es mir besser und ich traute mich einiges wieder. Der nachteil, ich hab von 56kg auf 120kg zugenommen.
    Das wollte ich nicht mehr und hab gemeinsam mit meiner Ärztin die Medikamente Ausgeschlichen und sind auf Alprazolam umgestiegen. Dadurch hab ich das letzte Jahr ohne was zutun 25kg wieder abgenommen.
    Ja das ist toll aber der Preis dafür sind Paniken die immer schlimmer und öfter kommen.
    Seit Tagen hab ich mehrmals täglich Paniken und vorgestern so schlimm das ich Erstickungsanfälle bekam und mich von meiner Mutter ins Krankenhaus fahren lies. Klar bis der Arzt da war waren die Paniken wieder weg. Gestern und heute schon beim Aufstehen Paniken und ich komm i-wie nicht mehr raus.
    Nach 14 Jahren bin ich langsam so fertig das ich keine Kraft mehr habe und absolut nicht weiß wie es weiter gehen soll.
    So viele Stationäre Aufenthalte, Therapien etc, war sogar 2x zur Hypnose aber um ehrlich zu sein hab ich das Gefühl es ist noch schlimmer geworden.
    Jemand von euch ähnliche Erfahrungen oder ne Idee was ich noch machen kann?
    Klar ich weiß mir passiert eigentlich nix aber mein blödes Hirn ist da anderer Meinung. Die Angst wieder eine Tetanie oder Erstickungsanfällen ist so groß das ich es einfach nicht schaffe cool zu bleiben. Manchmal bekomm ich es sogar über dem Essen und dann ist es nicht möglich zu Essen weil ich denke ich kann nicht mehr richtig Schlucken.
    Hört sich alles bestimmt total bescheuert an aber ich kann nur sagen es ist die Hölle und ich bräuchte ne Teufelsaustreibung 😉

    • Sebastian sagt:

      Hallo Tanja,

      vielleicht haben deine Panikattacken ja mit deiner Erkrankung zu tun. Es ist sicherlich nicht einfach, zu akzeptieren, dass dein Körper sich selbst angreift, wenn man so will. Hast du diesbezüglich schon einmal eine Therapie gemacht?

      Übrigens: Ich weiß nicht, ob es ein Trost ist, habe aber erst heute gelesen, dass Selena Gomez ebenfalls an Lupus leidet und nun auch mit einer Angststörung zu kämpfen hat.

      Lieben Gruß.

      Sebastian

  11. Dirk sagt:

    Hallo Sebastian, ich leide zur Zeit unter angststörung verschiedener Formen, Grundstück verlassen und Autofahren gehen zur Zeit gar nicht, bis Anfang Juli war noch alles ganz normal, und auf einmal ging es dann los im Urlaub und wurde immer schlimmer, sogar rtw musste kommen wegen hyperventilation, selten habe ich mal einen guten Tag aber wenn dann genieße ich ihn auch richtig, von Arzt habe ich Opipramol bekommen, Blut ist in Ordnung, EKG und sauerstoffsättigung. Meine sämtlichen Beschwerden beruhen eigentlich nur auf einem Gefühl des schwankens bzw schwankschwindel, der sich in stand und gangsicherheit äußert mit der Angst zu fallen oder Ohnmacht, und Gummi in den Beinen, Therapie beginnt erst im Oktober, hoffe das ich mich bis dahin etwas stabilisiere. Dieser Schwindel bzw.Gleichgewichtsstörung führt soweit, das ich durch die Angst davor sogar panikattacken bekomme…
    Mein Umfeld gibt mir grossen Halt und unterstützt mich voll und ganz…
    Ich stelle mich angstauslösenden Situationen in leichter Form schon jetzt täglich, in der Hoffnung die Angst wird weniger, teilweise tut sie das auch schon, aber viel Arbeit ist es natürlich noch, der Kopf ist leer, Gefühle ausser Trauer alle verschwunden, ja ich hoffe das der Tiefpunkt bald erreicht ist und es Stück für Stück wieder vorwärts geht, auch Hypochondrie entstand dadurch, also von allem etwas, Ablenkung funktioniert nur an Guten Tagen, sonst ist der Kopf nonstop bei dem Thema, und ja man wird sensibel und die Selbstwahrnehmung steigt ohne Ende.
    Tut gut das mal zu schreiben an Leute die sich selbst damit auskennen, melde mich wieder Gruß Dirk

    • Sebastian sagt:

      Hallo Dirk,
      da hast du ja richtig schnell gehandelt. Wenige Monate nach den ersten Angstzuständen schon eine Therapie beantragt. Das ist bemerkenswert.
      Schwindel ist auch sehr unangenehm (Gefühl des Kontrollverlusts) und somit ist es verständlich, wenn Dir das Angst macht. Die Angst wiederum kann den Schwindel noch verstärken. Ein Teufelskreis.

      Ich bin jedoch optimistisch, dass du die Angststörung in relativ kurzer Zeit wieder in den Griff bekommen kannst. Ich drücke dir die Daumen!

    • Dirk sagt:

      Hallo Sebastian, danke für Deine Antwort, ja es ist so das diese Gleichgewichtsstörungen vor Jahren schon in ganz bestimmten Situationen aufgetreten sind,habe das immer ignoriert weil nach dieser Situation war es dann weg, das krasse ist das ich Angst vor Stinknormalen Situationen habe, z.B zum Geldautomaten gehen, teilweise dabei auch schon panikattacken Bis hin zur hyperventilation hatte, man weiß selbst das das alles im Grunde total bescheuert ist und keine Gefahr droht. Aber das Unterbewusstsein ist stärker und bestimmt das Gleichgewicht von Unterbewusstsein und sympathischem Nervensystem, nur wie den Teufelskreis durchbrechen? Bis vor wenigen Wochen hatte ich noch einen Fahrdienstjob im Behindertentransport wo ich mit viel Leidenschaft dabei war und heute ist es für mich schon eine Herausforderung 300 m zu meiner Strassenecke zu fahren, total bescheuert. Gott sei Dank habe ich ein Riesen Grundstück und kann mich beschäftigen ( Gärtnerei), aber selten bekommst du die Gedanken von der Angst weg, du funktionierst nur noch…
      Zur Sensibilisierung kann ich sagen, das Lautstärke mich stört, grosse schnelle Fernsehbilder und wenn sich mehrere Leute angeregt unterhalten. Gruß Dirk

    • Sebastian sagt:

      Wem sagst du das? Das kenne ich aus eigener Erfahrung nur zu gut. Selbst wenn man weiß, dass die Angst keinen vernünftigen Grund hat, so hilft das wenig. Die Angst und die dabei aufkommenden Symptome sind mehr als nur unangenehm. Beängstigend halt. Kein besonders schönes Gefühl. Und so ist es nicht selten die Angst vor der wir Angst haben.

      Dass du auf Lautstärke und schnelle Bilder so sensibel reagierst, zeigt, dass dein Nervenkostüm derzeit sehr angespannt ist. Man erschreckt schnell bei den kleinsten Veränderungen (sowohl innerlich als auch äußerlich).

    • Dirk sagt:

      Sebastian, vielen Dank das Du Dich so engagierst und anderen Betroffenen Tipps gibst und Mut machst, ich denke da schreibe ich auch im Namen vieler Anderer hier, große Klasse und ein dickes Lob dafür an Dich

    • Sebastian sagt:

      Vielen Dank, das freut mich sehr!

  12. Goofy sagt:

    Hallo Sebastian
    ich möchte in die Ferien, nach Italien. Muss für dieses Vorhaben über den Gotthardpass in der Schweiz. Letztes Jahr bekam ich auf der Passhöhe eine Wahnsinns-Panikattacke. Nun habe ich höllische Angst diese Strecke zu fahren.
    Was soll ich tun ?
    Grüsse

  13. Morena sagt:

    Hallo,
    ich hatte vor 6 Jahren meine erste Panikattacke. Mir ging es danach so schlecht, dass ich Psychopharmaka verschrieben bekommen habe. Nach einiger Zeit ging es mir wieder besser, musste aber sehr stark an mir selber arbeiten. Dann hatte ich letztes Jahr eine Erschöpfungsdepression wo ich auch wieder Angst- und Panikattacken hatte. Durch meine Erfahrung vor Jahren wusste ich, dass ich diese wieder in den Griff bekommen werde. Es war auch so. Doch nun plagen mich wieder diese Panikattacken. Diese täglich Angst vor der Angst macht mich wahnsinnig. Meine Panikattacken kommen aus dem Nichts wenn ich meine Wohnung verlasse. Bin zum Glück kein Hypochonder, denn ich weiss, dass ich gesund bin und ich auch bei einer Panikattacke nicht umfallen werde. Ich weiss dass ich daran nicht sterbe und gesund bin, aber dennoch beeinflusst diese Angst mein Leben so extrem.
    Deine Mails sind für mich sehr interessant und ich lese diese sehr gern. Trotzdem habe ich für mich noch nicht die Lösung gefunden wie damit umzugehen 🙁

    • Sebastian sagt:

      Hallo Morena,

      wenn du mal dein Leben losgelöst von der Angststörung betrachtest – was gefällt dir daran und was gefällt dir daran nicht? Kannst du einen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Wiederaufflammen der Panikattacken und Problemen in deinem Leben erkennen?

      Lieben Gruß.

      Sebastian

    • Morena sagt:

      Hallo Sebastian
      Danke für deine Antwort. Ich merke einfach dass ich sobald eine belastende Situation in meinem Leben habe (Burnout Geschäft, schlechtes Verhältnis zur Mutter) bekomme ich diese Angstzustände mit Panikattacken. Agoraphobie um genau zu sein. In meinem Kopf weiss ich genau wie ich vorgehen muss. Es hindert mich nur etwas und da weiss ich wirklich nicht wie ich das weg kriege: Sobald die Angst vor der Angst auftritt, wenn ich innerlich unruhig werde, dann wird es mir immer schwindelig. Wäre der Schwindel nicht, dann würde ich alles konfrontieren weil ich ja weiss dass ich gesund bin und mir nichts geschieht. Herzklopfen, Atemnot, zittern, trockener Mund….dies alles macht mir keine Angst, aber dieser Schwindel hindert mich so extrem daran. Weiss wirklich nicht mehr weiter. Wenn ich dies in Begriff bekomme, weiss ich genau dass es nur noch besser werden kann.
      Herzliche Grüsse
      Morena

    • Lila sagt:

      Hallo Morena, wenn ich deine Zeilen so lese finde ich mich wieder. Ich leide auch seit Jahren unter Angst und Panik.Momentan auch wieder. Bei mir ist zeitweise auch Schwindel dabei,manchmal denke ich auch der Schwindel kommt von den Augen weil die Muskulatur so fest ist.Ich kann dann auch nicht positiv denken, der Schwindel hält mich davon ab.Er beeinträchtigt mein ganzen Tagesablauf.
      Liebe Grüße Lila

    • Sebastian sagt:

      Hallo Morena,

      ich kann gut verstehen, dass dich vor allem der Schwindel belastet. Schwindel geht mit dem Gefühl des Kontrollverlusts einher und das kann sehr beängstigend sein.

      Gerade in Krisensituationen neigen Menschen mit einer Angststörung zu verstärkten Angstzuständen. Das hindert sie dann daran, sich mit der Bewältigung dieser Krisen auseinanderzusetzen. Das kann unbewusst sogar so gewollt sein, da man auf den ersten Blick keine Lösung für diese Krise weiß. Dann konzentriert man sich lieber auf die Angst. Das passiert, wie gesagt, alles unbewusst.

      Das muss bei dir nicht der Fall sein. Anhand deiner Zeilen hatte ich jedoch das Gefühl, dass hier für dich die Lösung liegen könnte. Versuche dich also darauf zu besinnen, was dich eigentlich beschäftigt. Was gibt es zu „beackern“. Wo muss eine Lösung her?

      Hinweis: Manchmal kann die Lösung auch darin bestehen, dass man etwas akzeptieren muss.

      Das klingt jetzt vielleicht alles nicht sehr konkret. Ich kann jedoch nicht spezifischer antworten, da ich dich nicht kenne. Ich hoffe, du kannst dennoch etwas damit anfangen.

      Lieben Gruß.

      Sebastian

  14. Lila sagt:

    Hallo Sebastian,
    ich leide seit Jahren unter Angst. Hatte vor 3 Jahren schon mal eine akute Phase mit Panikattacken. Jetzt habe ich sie wieder. Es ist schlimm, ich habe das Gefühl ich kann am normalen Leben nicht mehr teilhaben.
    Mir helfen deine Tipps sehr, ich lese parallel dein Buch. Ich finde mich darin wieder. Bei mir ist es auch besonders die Angst vor Krankheiten. Ich nehme alles sofort war. Ich habe dann sofort Angst was Schlimmes zu haben. Meine Angst ist schon da, wenn ich einen Leberfleck sehe den ich sonst nicht gesehen habe, wenn ich Magenschmerzen habe die anders sind als ich sie kenne, wenn ich ein Flimmern vorm Auge bzw. Augen habe denke ich ich habe was im Kopf, Schwindel macht mit Angst auch das ich ohnmächtig werde, dann habe ich Muskelzittern in Armen und Beinen, dann habe ich Angst vor MS oder ALS,ich nehme auch jede kleinste Veränderung war. Manchmal habe ich deswegen im Internet gegoogelt, dass war oft nicht gut, weil ich dann manchmal Bestätigung für diese Krankheiten bekommen habe.Vor 3 Wochen haben meine Panikattacken durch eine osteopathische Sitzung wieder akut angefangen. Sie hatte die Kopfgelenke behandelt, hinterher kam ich mir vor als wäre ich nicht ich.Dann kam sofort Panik auf.Ich habe richtig gezittert und hyperventiliert, ich war im Krankenhaus. Dort wurde Blut abgenommen und ein EKG geschrieben, es war alles o.k.Seit dem trage ich die Angst wieder akuter mit mir rum. Das geht mir bei meinen Kindern ähnlich, wenn sie was haben was sie noch nicht hatten kriege ich Angst. Es ist aber eine andere Angst als bei mir. Momentan geht es mir morgens nicht gut. Ich bin schon um 5 Uhr wach, weiterschlafen geht nicht. Dann arbeiten meine Gedanken, dann kriege ich Magendruck, muss aufstoßen, meine Gedärme machen laute Geräusche. Ich komme nicht zur Ruhe, dann kommt Angst hoch und eine totale Schwere und Lustlosigkeit, auch Unruhe. Ich habe das Gefühl es geht nichts mehr.Kann dann nur schwer meinen Alltag bewältigen. Gestern war es der Magendruck der mir Angst machte heute ist es das zittern und die Schwere in meinen Muskeln die mir Angst machen. Es ist zum verzweifeln.Denke ich bin körperlich überhaupt nicht mehr belastbar. Das macht mir wiederum Angst. Durch die häufige Angst und Panik habe ich schon abgenommen. Ich hatte mich darüber auch schon belesen, das der Stoffwechsel massiv angekurbelt wird in solchen Phasen. Eigentlich normal dann abzunehmen, aber für mich löst das auch wieder Angst aus. Ich bin in meiner Angst völlig unkonzentriert und fahrig, auch das macht mir Angst. Es ist eine Kette ohne Ende…Auf einmal bekomme ich auch Angst vor Menschenansammlungen, wie im Supermarkt…das hatte ich vorher noch nicht.
    Es ist schlimm…., wir wollen bald in Urlaub fahren, das macht mich auch wieder unsicher…

    • Sebastian sagt:

      Hallo Lila,

      du scheinst, alle körperlichen Veränderungen als gefährlich zu interpretieren. Dabei ist es normal, dass es uns nicht immer „gleich“ geht. Es zwickt mal hier und kribbelt mal dort. Alles ganz normal.

      Meiner Erfahrung nach ist es gerade bei Hypochondern wichtig, auf das eigene Leben zu blicken. Was läuft insgesamt nicht so, wie man sich das wünscht. Und was für Leidenschaften/Hobbies hast du? Die bittere Wahrheit ist oft, dass hier nicht besonders viel kommt. Und so bringt die Angst vor Krankheiten manchmal auch die gewünschte Ablenkung. Das alles geschieht unbewusst.

      Also – Hand aufs Herz: Was würdest du tun, wenn du dich nicht mit deinem Körper / der Angst vor Krankheiten beschäftigen müsstest?

      Lieben Gruß.

      Sebastian

  15. mona sagt:

    Hallo,
    ich, nun 50 Jahre, leide eigentlich seit meiner Kindheit – angefangen mit 11 oder 12 Jahren – unter Angst. Gründe liegen viel in der Familiengeschichte. Ich bin hypersensibel.. jede kleinste Veränderung in meinem Umfeld wie Menschen sich untereinander begegnen, Spannungen im Miteinander und was viel Schlimmer ist für mich – jede kleinste körperliche Veränderung…. bemerke ich. Ich bin durch Zufall auf diese Seite geraten und ich finde ich in der deiner Geschichte, Sebastian total wieder. Ich gehöre zu den Menschen mit Angst, die keine Medikamente nehmen wollen – ok. neurexan, pflanzlich – aber das betrachte ich nicht als medikament…. ich schreibe jetzt mal alles klein… ich habe angst vor beziehungen, vor entspannung, kann mich nicht fallenlassen, habe angst vor bluthochdruck.. seit dem 18 Lebensjahr nehme ich Betablocker.. damals hatte sich mein erster freund von mir getrennt und es ging mir seelisch – nachvollziehbar – schlecht… seitdem nehme ich tabletten, da ich ständig unter erwartung und anspannung leide… zu hause blutdruck normal… ich habe eine blutdruckphobie entwickelt.. benutze das Gerät, um meine Gefühle zu kontrollieren… fühle ich mich schlecht, dann messe ich blutdruck.. ist der ok.. geht es mir gut, fühle ich mich gut und messe un der Druck ist hoch, geht es mir sehr schlecht… ich mag mich nicht belasten, fühle mich wie ein opossum… schockstarre. aber trotzdem mache ich alles was angst macht.. ich fliege mit dem Flugzeug, gehe in Kaufhäusern, fahre Fahrrad, gehe schwimmen und wenn ich in der natur bin geht es mir besser…. ich bin alleinerziehend, einen sohn, nun 17, kein Vater da.. gehe arbeiten und das schon immer … aber ich merke, wie anstrengend angst ist… ständig die kontrolle zu bewahren.. und das ist es, die angst kontrolle zu verlieren, ob beim Sex oder Streit oder oder…. ich habe therapie gemacht.. vor 25 jahren eine gesprächstherapie, dann vor 3 jahren eine verhaltenstherapie.. einige dinge konnte ich gut umsetzen, aber die angst holt mich immer wieder ein, wenn ich eine körperliche schwäche spüre… ich habe kein problem damit, wenn ich magen, kopf oder hier ein ziepen habe.. mein grosses problem ist, wenn mir für einen kurzen moment der kopf schwindelt oder durch bewegung ein schwanken ausgelöst wird oder ich so körperlich durch einen anstrengenden tag fertig bin, dass ich angst habe, mich hinzulegen und mich fallenzulassen…. es ist zum erbrechen! ich habe kein vertrauen in meinen körper und seinen bewältigungsstrategien.. alles ist gefährlich, die hitze, der wetterumschwung, ich finde mich zum großen teil in deiner Geschichte wieder sebastian… ich bin auch durch zufall auf diese seite bekommen und erlebe die emails als sehr unterstützend. sie geben zuversicht.. dass ich auch mit meiner körperlichen bewertung und der angst vor dem zusammenbruch oder zusammenfall umgehen kann… danke sehr

    • Sebastian sagt:

      Hallo Mona,

      deinen Schilderungen entnehme ich, dass es neben der Dramatisierung harmloser Symptome (Schwindel/Schwanken) dein hauptsächliches Problem ist, die Kontrolle abzugeben. Um das zu können ist Vertrauen dem Leben gegenüber ganz wichtig. Dieses Vertrauen bekommt man, indem man entsprechende Erfahrungen macht. Dafür wiederum muss man aber erst einmal einen kleinen Vertrauensvorschuss geben. Das kann dir gelingen, indem du mit Affirmationen arbeitest, dir zum Beispiel immer wieder sagt: „Das Leben meint es gut mit mir. Ich bin in guten Händen. Alles ist in Ordnung…“

      Übrigens: Vorübergehender hoher Blutdruck ist in der Regel kein Problem. Beim Sport geht der Blutdruck ja richtig hoch und Sport ist ja sogar gesund.

      Lieben Gruß.

      Sebastian

    • mona sagt:

      Danke Sebastian für deine rückäußerung. manchmal krieg ich das gut hin und sage mir, alles ist gut, alles darf sein, aber dann an tagen wie heute, mit leichtem kopfweh und rückenschmerzen – vielleicht durch schwimmen – und häufigem schwindelmomenten packt mich dann nach einem arbeitstag dann doch noch die befürchtung… befürchtung vor was… umkippen, hinfallen…. und ich habe dann schwierigkeiten diese symptome nicht zu bewerten.. woher weiss ich, dass sie harmlos sind…. dann kommt die erwartung, unruhe und leichte panik…. es wäre schön, wenn ich es auch schaffen kann, diese angst willkommen zu heissen.. aber ich komme mir dann so klein und unsicher und ängstlich vor…. danke für deine motivation

    • Sebastian sagt:

      Viele haben Angst davor, umzukippen/in Ohnmacht zu fallen, dabei passiert das extrem selten. Aber ich kann gut verstehen, dass es zunächst schwer fällt, die Symptome nicht zu bewerten. Die meisten Symptome hast du vermutlich schon viele Male gehabt, aber nichts ist passiert. Versuche dich daran zu erinnern. Ich vermute aber, dass dein Gedanke ist: „Aber dieses Mal könnte es doch etwas Ernstes sein“, richtig? Hast du schon das Ebook „Hypochondrie nein danke“ gelesen? Ich kann mir vorstellen, dass du hier noch die eine oder andere Anregung für dich findest, selbst wenn du nicht unbedingt eine Hypochondrie hast…

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