Gerade noch von Panikattacken gepeinigt, steht er plötzlich tanzend auf dem wackligen Stehtisch

Panikattacken-Alkohol

In diesem Artikel geht es um Panikattacken und Alkohol.  Wir wollen besprechen, weshalb Menschen mit einer Angststörung stärker suchtgefährdet sind als andere Menschen. Das gilt für Alkohol aber auch andere Drogen.

Ich möchte Dir eine persönliche Geschichte erzählen und wir besprechen Anzeichen für den Weg in eine Abhängigkeit, die Dich hellhörig werden lassen sollten. Erkennst Du auch das eine oder andere Anzeichen bei Dir?

Alkohol wirkt so herrlich entspannend

Ich möchte nicht mit dem erhobenen Zeigerfinger mahnen oder päpstlicher als der Papst wirken. Dass regelmäßiger über die Maßen hinausgehender Alkoholkonsum alles andere als gut für Dich ist, weißt Du selbst.

Alkohol  hat meiner Erfahrung nach eine entspannungsfördernde Wirkung als jeder Tee oder pflanzliches Arzneimittel. Und ich muss zugeben, dass es gemütlich sein kann, in entspannender Runde ein oder zwei Bier oder Wein zu trinken.

Was auch immer uns manche Studien weismachen wollen, die besagen, dass man jeden Abend ein Bier oder ein Glas Wein trinken sollte – ich glaube nicht, dass das gesund ist. Ich bin davon überzeugt, dass es gesünder wäre, komplett auf Alkohol zu verzichten. Aber lassen wir die Kirche mal im Dorf. Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren, oder?

Ich bin kein Abstinenzler, was Alkohol angeht. Ich trinke gerne mal ein Bier und ein paar Mal im Jahr auf einer Party auch einmal ein paar Gläser mehr.  Und wenn ich ehrlich bin, genieße ich die entspannende Wirkung, die Alkohol auf mich ausübt. Man wird so schön gelassen, alle Sorgen sind vergessen und man befindet sich so vollkommen im Hier und Jetzt wie nur selten. Man lebt.

Okay, am nächsten Tag bekommen wir meist die Quittung für übermäßigen Alkoholkonsum und man muss sagen: Glücklicherweise. Aber in den Stunden, wenn man trinkt, ist das schon irgendwie schön, oder?

Zumindest bis zu einem gewissen Gerade. Zunächst wirkt Alkohol meist entspannend und stimmungsaufhellend. Wenn man zuviel davon trinkt, werden viele aggressiv oder depressiv. Aber ich muss zugeben: Wenn man es nicht total übertreibt, fühlt man sich schon irgendwie angenehm entspannt und sorgenfrei.

Alkohol ist eine Droge

Auch wenn Alkohol gesellschaftlich voll akzeptiert ist, muss man sich einer Sache bewusst sein. Alkohol ist eine Droge, die auf unseren Körper und unsere Psyche in nicht geringem Maße einwirkt.

Und Alkohol besitzt ein hohes Suchtpotential, gerade weil Alkohol gesellschaftsfähig ist. Ja, manchmal habe ich sogar den Eindruck, der Abstinenzler wird von manchen Leuten kritisch beäugt, wenn er eingesteht „Ich trinke keinen Alkohol.“

Weil Alkohol so schön entspannend wirkt, man sich die Welt vorübergehend schön trinken kann und sich kurzfristiger aller Sorgen und Ängste entledigt, übt regelmäßiger Alkoholkonsum einen so großen Reiz aus. Das gilt im Grunde für alle Menschen.

Für Menschen mit einer Angststörung gilt das in besonderem Maße. Ich möchte Dir eine Geschichte aus einer Zeit meines Lebens erzählen, als ich nahezu täglich Angstzustände und Panikattacken hatte.

Und plötzlich tanzt er auf dem wackligen Tisch

Früher habe ich gerne einen über den Durst getrunken. Heute kommt das nur noch selten vor. Man wird älter und vernünftiger und ist nicht mehr bereit, die Konsequenzen in Form eines üblen Katers zu ertragen. Muss ja auch nicht sein.

Früher war das ein wenig anders. Im Sommer 2006 war ich mit Freunden beim Public Viewing. Fussball-Weltmeisterschaft im eigenen Land. Ein großes Ereignis für einen Fussballfan wie mich.

Und das bei einem Traumwetter. Oder sollte ich lieber sagen: Albtraumwetter? Es war unfassbar heiß an diesem Tag. Und ich stand mit Freuden schon stunden vor Anpfiff des Spiels in der glühenden Hitze umringt von Menschen.

Ich hatte am laufenden Band Panikattacken. Ich hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, mir war schwindlig. Immer wieder maß ich meinen Puls, der die 120 längst hinter sich gelassen hatte.

Diese Hitze war auch für meine Freunde nicht angenehm. Wenn man, wie ich damals, mit Angstzuständen und Panikattacken zu tun hatte, dann war das die Hölle.

Aber ich wollte mich weder von der Hitze noch von meiner Angststörung davon abhalten lassen. Ich habe damals trotz Angst und Panik nur selten etwas vermieden, da mir klar war, dass ich ansonsten wohl irgendwann kaum noch aus dem Haus gehen würde.

Und wir tranken Bier, viel Bier, und mit jedem Glas wurde ich ein wenig entspannter. Immer weniger achtete ich auf meinen Körper und fühlte mich besser und besser.. Nach dem Spiel hüpfte und tanzte ich in einer Bar auf einem wackligen Hocker und feierte den Sieg der deutschen Mannschaft. Keine Spur mehr von Angst und Panikattacken.

Sei Dir der Gefahr bewusst

Auch wenn es mir am nächsten Tag schlecht ging, war ich mir der Gefahr bewusst, die Alkohol gerade auf mich als Mensch mit einer Angststörung ausübte.

Wenn es mir mit Alkohol so viel besser ging, konnte man schnell in Versuchung geraten, bei jeder Gelegenheit zu trinken. Ich hatte vor vielen Situationen Angst. Und wenn es so viel leichter war, diese Situationen durchzustehen, wenn man was getrunken hat, kann man auf die Idee kommen, genau das zu tun.

Und da ich selbst zu Hause dauernd angespannt war und sich immer wieder eine innere Unruhe breit machte und sogar dort Panikattacken auftreten konnten, warum dann nicht (zumindest abends) was trinken?

Und schon ist man in der Abhängigkeit angekommen. Lange denkt man „Ich brauche den Alkohol nicht wirklich. Ich kann jederzeit aufhören. Kein Problem.“ Und wenn man es dann versucht, so merkt man unter Umständen erst viel zu spät, dass das doch nicht so einfach ist.

Und dann gesellt sich zur Angststörung eine Alkoholsucht. Man ist vom Regen in die Traufe gekommen.

Dieser Artikel hat nicht zum Ziel, eine bereits bestehende Alkoholabhängigkeit behandeln zu wollen. Das wird durch einen Blogbeitrag wohl kaum möglich sein. Und ich kann dabei wenig helfen, da ich kein Therapeut bin und nicht alkoholkrank gewesen bin. Mein Ziel ist es, Dich auf diese Gefahr hinzuweisen, damit es gar nicht erst soweit kommt.

Ich will Dich auf die Problematik aufmerksam machen. Wenn Du an einer Angststörung leidest, dann ist die Gefahr noch größer als bei jedem anderen Menschen, dass Du in die Abhängigkeit gerätst. Dieser Tatsache solltest Du Dir bewusst sein.

Anzeichen für den Weg in die Abhängigkeit

Und ich möchte Dich für die Anzeichen, dass Du Dich auf dem Weg in die Abhängigkeit befindest, sensibilisieren. Anzeichen, die dazu führen sollten, dass Du hellhörig wirst, sind…

  • Wenn Du jeden Tag bzw. Abend Alkohol trinkst
  • Wenn Du bestimmte Situationen (beispielsweise gesellschaftliche Zusammenkünfte wie Partys) nie ohne Alkohol durchstehst
  • Wenn Du den Drang verspürst, etwas trinken zu müssen
  • Wenn Du Dich tagsüber schon auf Dein „Feierabendbier“ freust

Fazit zum Thema Panikattacken und Alkohol

Viele Menschen mit einer Angststörung sind dauernd angespannt, machen sich ständig Sorgen und haben (na klar!) übermäßige Angst. Alkohol wirkt entspannend und angstlösend und übt damit einen großen Reiz auf Leute aus, die an Angst und Panikattacken leiden. Und das ist doch vollkommen verständlich.

ABER: Dir sollte klar sein, dass Alkohol dauerhaft keine Probleme löst. Im Gegenteil. Du machst alles nur viel schlimmer. Das sollte Dir Ansporn genug sein, um der Versuchung zu widerstehen.

Ich hoffe, ich konnte Dich auf die Gefahr, die von Alkohol ausgeht, aufmerksam machen. Was denkst Du darüber? Hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht? Hinterlasse mir doch einen Kommentar. Ich antworte sicher!

 

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1 Kommentar

  1. 4. Februar 2016

    […] Den Zusammenhang von Alkohol und Panikattacken besprechen wir hier. […]

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