Panikattacken Angehörige helfen

Wie können Sie als Angehörige(r) Betroffenen mit Panikattacken helfen?

Es leiden Millionen Menschen an einer Angststörung. Dabei leiden nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch deren Angehörige, die sich fragen, wie man bei Panikattacken Betroffenen helfen kann.

Im ersten Teil haben wir darüber gesprochen, wie sich Menschen mit einer Angststörung fühlen und was in ihnen vorgeht. Wir haben gesehen, dass man mit rationalen Erklärungen nicht weit kommt.

Im zweiten Teil haben wir gesehen, dass die Situation auch für Sie als Angehörige(r) eine Belastung ist und Sie haben Tipps gekommen, was Sie selbst für sich tun können.

Nun geht es darum, wie Sie als Angehörige(r) jemandem mit Panikattacken helfen können.

Tipps für Panikattacken-Angehörige

Nehmen Sie den Betroffenen ernst: Auch wenn die Angst für Sie nur schwer nachvollziehbar ist, sollten Sie diese Angst trotzdem ernst nehmen. Der andere leidet darunter sehr. Machen Sie sich deshalb niemals darüber lustig.

Zeigen Sie Verständnis: Angehörige können diese Panikattacken kaum nachvollziehen, wenn man das nicht selbst erlebt hat. Und doch können Sie das vielleicht durch den ersten Teil dieses Artikel ein klein wenig besser verstehen. Seien Sie verständnisvoll ohne dem anderen alles abzunehmen.

Bauen Sie sanften Druck auf: Verständnis ist gut. Zu viel Verständnis hingehen ist schädlich. Eine Angststörung wird man nicht los, indem man darauf wartet, dass sich etwas bessert. Man muss schon etwas dafür tun. Sich angstauslösenden Situationen zu stellen, Sport treiben, eine Psychotherapie. All das erfordert Aktivität und das sollten Sie auch einfordern.

Unterstützen Sie: Menschen neigen dazu, Situationen zu vermeiden, in denen sie Panikattacken bekommen könnten. Dieses Verhalten führt leider dazu, dass man seinen Bewegungsradius immer mehr einschränkt. Das lässt sich nur verhindern, indem man sich den angstauslösenden Situationen stellt. Es kann hilfreich sein, die ersten Schritte zur Angstbewältigung gemeinsam zu gehen. Bieten Sie dabei Ihre Hilfe an.

Nehmen Sie nicht alles ab: Wenn man jemanden liebt oder mag, neigt man manchmal dazu, ihm alles abzunehmen. Erst recht, wenn er darum bittet. Wenn Sie das ständig tun, unterstützen Sie die Unselbständigkeit des Betroffenen und das ist extrem hinderlich.

Fordern Sie: Der Ratschlag, dieses oder jenes zu tun, wird von Betroffenen gerne mit den Worten „Ich kann aber nicht!“ oder „Du verstehst mich nicht.“ abgetan. Weisen Sie deutlich darauf hin, dass sich durch Passivität nichts ändern lässt. Auch eine Psychotherapie ist letzen Endes nur eine Hilfe zur Selbsthilfe und auch dafür muss man etwas tun. Fordern Sie den anderen dazu auf.

Unterstützen Sie Selbstmitleid niemals: Selbstmitleid ist wohl die schädlichste Verhaltensweise überhaupt. Unterstützen Sie das nicht. Dadurch ändert sich überhaupt nichts. Sie können so etwas sagen, wie „Ich verstehe, dass es Dir schlecht geht und ich akzeptiere, dass Dir dieses oder jenes schwer fällt. Ich bin gerne bereit, Dich zu unterstützen, doch Dein Selbstmitleid unterstütze ich ganz sicher nicht.“

Ermutigen Sie: Wenn man eine massive Angststörung hat, gibt es Phasen, in denen man verzweifelt. Irgendwann glaubt man, nichts mehr daran ändern zu können und neigt dazu, sich in sein vermeintliches Schicksal zu fügen. Ermutigen Sie den Betroffenen, nicht aufzugeben. Motivieren Sie. „Du schaffst das und ich helfe Dir dabei.“

Panikattacken-Hilfe hat für Angehörige Grenzen

Sie haben gesehen, dass Sie allenfalls unterstützend wirken können. Keinesfalls sollten Sie als Angehöriger alles abnehmen, um dem Betroffenen angstauslösende Situationen zu ersparen. Sie sollten Verständnis zeigen. Sie dürfen aber ruhig fordern, ohne dabei zuviel Druck aufzubauen.

Mir ist bewusst, dass dieser Spagat nicht immer einfach ist. Einfach ist die ganze Situation aber nun einmal leider nicht.

Sie können den Weg aus der Angststörung mitgehen, die eigentlichen Schritte muss der Betroffene letztlich selbst machen. Das können Sie ihm nicht abnehmen, so gerne Sie das vielleicht tun würden.

Vielleicht kann Ihnen mein Buch „Exfreundin Angst“ dabei helfen, Menschen mit einer Angststörung ein wenig besser zu verstehen. Schauen Sie es sich gerne einmal an.

Und denken Sie immer daran: Man kann eine Angststörung überwinden!

Ich hoffe, diese Zeilen haben Ihnen ein wenig helfen können. In diesem Fall würde ich mich über einen kurzen Kommentar freuen.

 

 

 

 

 

6 Kommentare

  1. Karin sagt:

    Hallo Sebastian,
    ich bin 20 Jahre alt und studiere Medizin. Ich interessiere mich sehr für psychische Krankheiten, und lese viel darüber. Ich habe mich gerade in einen jungen Mann verliebt, der mir gestern erzählt hat, er leide unter Panikattacken. Er ist ein Mensch, der sehr engagiert ist und sehr fleißig, sehr viel arbeitet/lernt und immer gerne hilft. Natürlich hat er also einen sehr stressigen Alltag, und in Zuge dessen haben sich vor 1,5 Jahren diese Panikattacken entwickelt. Er leidet an einem Serotoninmangel und hat auch Symptome, die denen einer Depression sehr ähnlich sind. Er nimmt ein Medikament mit dem Wirkstoff Citalopram.
    Da ich selber unter einer Depression gelitten habe und in Behandlung, war, kenne ich mich in dem Gebiet ziemlich gut aus. Mit Panikattacken habe ich mich allerdings bis jetzt sehr wenig beschäftigt. Ich fand es wirklich interessant, dass man als Angehöriger doch auch eine gewisse „fordernde“ und „aktivierende/motivierende“ Verhaltensweise an den Tag bringen kann und soll. Wie du bereits geschrieben hast, ist der Spagat zwischen einem gesunden Fordern und zu viel Fordern sehr schmal.
    Da ich auch als Rettungssanitäterin tätig bin, fällt es mir eigentlich leicht, in solchen Situationen (wie Panikattacken) ruhig zu bleiben. Viel mehr mache ich mir Gedanken darüber, mich im Alltag richtig zu verhalten. Also ich will auf keinen Fall, dass mein Freund gewissen Situationen (bei ihm sind es z.B. hohe Stockwerke) immer aus dem Weg geht und er sich immer weiter zurückzieht und eingrenzt. Andererseits möchte ich mich auch nicht wirklich einmischen, weil wir uns noch nicht lange kennen.
    Was ich auf alle Fälle sagen wollte, ist, dass ich Deinen Artikel wirklich toll und hilfreich fand. Habe viele andere Aspekte kennengelernt, auf die ich alleine sicher nicht gekommen wär (das etwas fordernde Verhalten, Selbstmitleid nicht zu unterstützen usw.). Vielen Danke für deinen tollen Artikel! 🙂

    • Sebastian sagt:

      Hallo Karin,

      vielen lieben Dank für diese detaillierte Rückmeldung. Es freut mich, dass ich Dir einen Eindruck vermitteln konnte, was Menschen mit einer Angststörung durchmachen. Wie bereits erwähnt ist es auch für Angehörige nicht leicht damit umzugehen. Der junge Mann, in den Du Dich verliebt hast, hat sicher auch interessante Charaktereigenschaften, die es zu entdecken gilt. Von daher würde ich in dieser frühen Phase (einer möglichen Beziehung) gar nicht so sehr den Fokus auf die Panikattacken legen. Und dennoch ist es toll, dass er damit so offen umgeht und Du Dich so intensiv damit auseinandersetzt! Ganz ganz toll!

  2. Dora sagt:

    Hallo, Ich habe bei der Arbeit eine Panik Attacke gehabt…. Meine Erste…. Es war für mich und sicherlich auch für meine Kollegen ein Schock.
    Der Hintergrund dieser Panik Attacke liegt Monate zurück.
    Mein Partner wurde mit Verdacht auf Leukämie ins Krankenhaus eingeliefert und ich sollte mich an dem Tag bei der Arbeit in ein neues Projekt einarbeiten, ich habe meinem Vorgesetzten gesagt, dass ich mich psychisch gerade nicht in der Lage fühle mich auf ein neues Projekt zu konzentrieren.
    Leider hat er kein „Nein“ akzeptiert.
    Wie ich den Tag überstanden habe weiß ich bis heute nicht.
    Seitdem fühle ich mich sehr gestresst und ausgebrannt. Meinem Freund geht es wieder gut. Trotzdem hatte ich eine Panik Attacke als ich gebeten wurde noch einmal an dem neuen Projekt zu arbeiten und ich denke, dass das alles miteinander verknüpft ist….
    Macht eine Therapie hier überhaupt Sinn?
    Es wäre keine wirkliche Herausforderung mir einfach einen neuen Job zu suchen, dann würde ich mit der Thematik nie wieder konfrontiert werden. Andererseits möchte ich nicht vor meiner Angst weg laufen, wobei mein Arbeitgeber mir nicht wirklich verständnisvoll erscheint…
    Ich würde mich über eine Antwort sehr freuen.

    • Sebastian sagt:

      Hallo Dora,
      ich kann gut verstehen, was für eine belastende Erfahrung diese Panikattacke für Dich war. Bisher war das aber nur bei diesem einen Projekt der Fall, oder? Denn eine oder zwei Panikattacken machen aus meiner Sicht noch keine therapiebedürftige Angststörung…

  3. Charlotte sagt:

    Hallo, alles schön und gut und ich stimme in jedem ihrer Punkte zu, aber wenn der Betroffene durch mich weder auslenkbar noch schwingungsfähig ist, lautstark lamentiert und immer noch lauter heult? Wie soll man Verständnis für einen panikerfüllten Angehörigen aufbringen, der durchaus in der Vergangenheit die Energie hatte, mich zu verprügeln, bzw. wenn ein „Opfer“ gefunden wurde, das aus einer misslichen Lage befreit, die eine Panikstörung hervorruft. Selbst ist der Angehörige, nachdem alles wieder seinen gewohnten Gang geht, obenauf und fit, die Angehörigen aber fix und fertig. Keine Krankheitseinsicht, keine Therapiemotivation, nur Rücksichtslosigkeit. Es fällt schwer, da Verständnis aufzubringen, man würde am liebsten selbst zurückprügeln… aber dann wäre man nicht besser. MfG

    • Sebastian sagt:

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Da scheinen sich eine Menge Aggressionen aufgestaut zu haben. Ohne die Hintergründe zu kennen: Gut ist das für dich sicher nicht. So seltsam es sich anhört: Vielleicht solltest du darüber nachdenken, mit jemandem darüber zu sprechen, um diese Aggressionen zu verarbeiten. Die Tipps für Angehörige gelten im übrigen eher für Menschen, die einen Betroffenen lieben/mögen, der an einer Angststörung leidet.

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