Panikattacken – Tipps für Angehörige

Panikattacken – Tipps für Angehörige

Eine Angststörung, die mit regelmäßigen Panikattacken einhergeht, ist für Betroffene die Hölle. Doch auch für Angehörige ist es nicht einfach, damit umzugehen. Deshalb wollen wir darüber sprechen, was Angehörige tun können, um Familienmitgliedern, Freunden und Kollegen mit Panikattacken zu helfen.

Außerdem unterhalten wir uns darüber, was Angehörige für sich selbst tun können, da die Belastung für sie ebenfalls nicht zu unterschätzen ist.

Was man als Angehöriger wissen sollte

Die Angst, die Menschen bei einer Angststörung haben, ist für andere Menschen nur schwer nachvollziehbar. Schließlich ist diese vollkommen übertrieben.

Angst vor dem Bahnfahren, vor dem Supermarkt, vor einem Geburtstag oder Angst vor einem Kinobesuch. Menschen mit einer Agoraphobie (Form der Angststörung) beispielsweise haben mitunter Angst das Haus überhaupt zu verlassen. Was soll daran bitte so angsteinflößend sein?

Angst im Kino

Ich versuche, Ihnen das einmal am Beispiel des Kinobesuchs zu erklären. Eigentlich ist das doch eine schöne Sache. Für einige Menschen mit einer Angststörung kann jedoch selbst so etwas eine echte Herausforderung sein, wie wir am Beispiel von Ulrike sehen werden.

Ulrike hat eine Angststörung und bekommt in verschiedenen Situationen immer wieder Panikattacken. Sie möchte sich das Leben dadurch nicht vermiesen lassen und versucht den Panikattacken immer wieder zu trotzen.

Es ist Samstag Abend. Ulrike möchte sich mit ihrem Mann David einen schönen Abend im Kino machen. Die beiden haben sich für „Jurassic World“, die Fortsetzung von „Jurassic Parc“ entschieden.

Sie haben Plätze in der Mitte des großen Kinosaals. Das Kino ist voll. Der Film beginnt.

Es ist unglaublich laut. Die sich schnell bewegenden Bilder und die Hektik des Films wirken auf Ulrike leicht bedrohlich. So viele Sinneseindrücke. Schnell ist sie ein wenig überfordert. Und es ist eng im Kino.

Ulrike fühlst sich unwohl. Sie fängt an zu schwitzen. Diese Enge macht sie wahnsinnig. Sie spürt wie sich ihre Atmung beschleunigt. Eine innere Unruhe macht sich breit, ihr Puls schlägt schneller.

Sie weiß, was jetzt kommt. Eine Panikattacke kündigt sich an. Sie hasst das. Auch wenn sie das schon hunderte Male erlebt hat – die Symptome machen ihr jedes Mal wieder Angst.

Ulrike kann nicht so einfach flüchten. Sie könnte zwar den Kinosaal verlassen. Das aber wäre ihr unangenehm. Sie müsste die Leute stören, die sich in Ruhe den Film anschauen wollen. Sie selbst möchte doch einfach nur den Film, genießen. Und vor allem wäre es ihr peinlich gegenüber David.

Auch wenn eine Flucht prinzipiell möglich wäre, wäre das nur unter unangenehmen Umständen möglich. Diese Erkenntnis treibt die Panikattacke weiter an.

Das ist nur ein Beispiel dafür, wie eine Panikattacke entstehen kann. Ich möchte damit veranschaulichen, dass selbst ein eigentlich erfreuliches Erlebnis bei Menschen mit einer Angststörung zur Zerreissprobe werden kann.

Die Situationen, in denen Angstzustände auftreten, können sehr vielfältig sein. Manche Menschen – insbesondere diejenigen, die an einer Panikstörung leiden – haben oftmals Angst vor der Angst. Das bedeutet, dass man Angst bekommt, eine Panikattacke zu erleiden und genau diese Angst löst dann die Panikattacke aus.

Eine Panikattacke ist die Hölle

Wie kann man vor einer Panikattacke überhaupt Angst haben?

Angehörige sollten verstehen, dass eine Panikattacke eine unglaublich überwältigende Erfahrung ist. Angst (und zwar egal, was de Auslöser für diese Angst ist) setzt im Körper einen Prozess in Gang. Hormone werden ausgeschüttet, der Herzschlag und die Atmung beschleunigen sich, der Blutdruck steigt, die Wahrnehmung wird gestärkt.

Diese körperlichen Veränderungen machen weitere Angst und bringen Panikattacken-Symptome mit sich wie Zittern, Schwindel, Übelkeit, Schwitzen und extreme Unruhe.

Diese Symptome werden als gefährlich interpretiert und verstärken die Angst. Es entsteht ein Teufelskreis. Betroffene bekommen Angst verrückt zu werden, durchzudrehen, in Ohnmacht zu fallen. Und ja: In vielen Fällen haben die Betroffenen echte Todesangst.

Man hat Angst zu sterben und zwar jedes Mal wieder.

Für Sie als Angehörige mag das seltsam anmuten. Wenn man das doch schon tausend Mal erlebt hat, sollte man doch wissen, dass nicht Schlimmes passiert!

Damit haben Sie nicht ganz unrecht und tatsächlich können diese Gedanken manchmal etwas beruhigend wirken. Wie aber kann man denn sicher sein, dass man dieses Mal nicht doch einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder was auch immer bekommt?

Es fällt Menschen mit einer Angststörung in diesen Momenten einfach wahnsinnig schwer, rational zu denken.

Für Sie als logisch denkender Mensch ist das einfach schwer zu verstehen. Das bleibt auch so. Und doch hoffe ich, dass dieser Artikel dazu beitragen wird, ein kleines wenig besser zu verstehen, was in den Betroffenen so vorgeht.

Panikattacken sind für Betroffene die Hölle und es ist doch irgendwie verständlich, dass man dazu neigt, diese zu umgehen, indem man beispielsweise bestimmte Situationen vermeidet.

Dann besteht freilich die Gefahr, dass man irgendwann gar nicht mehr das Haus verlässt und an diesem Punkt können sie schon einmal helfen. Wir kommen später darauf zurück.

Lassen Sie uns zunächst darüber sprechen, was Sie für sich selbst tun können, ehe wir zu den Panikattacken – Tipps für Angehörige kommen, denn auch für Sie als Angehörige(r) ist es eine Belastung, jemanden mit einer Angststörung so leiden zu sehen.

Klicken Sie hier, um zum zweiten Teil der Panikattacken-Tipps für Angehörige zu kommen.

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