Weihnachten ohne Panikattacken und Angst?

Panikattacken WeihnachtenAngstzustände und Panikattacken sind über die Weihnachtstage manchmal besonders schlimm. Warum ist das so? Was kannst Du dagegen tun? Und wie kannst Du die Weihnachtszeit ganz gezielt nutzen, um einen Schritt nach vorne auf dem Weg aus der Angststörung machen?

Oh du schöne Weihnachtszeit…oder doch nicht?

Weihnachten ist das Fest der Liebe, das Fest der Besinnung, der inneren Einkehr und der Ruhe. Das sollte doch eigentlich eine Zeit sein, auf die man sich freut.

Und doch kommt es für viele Menschen ganz anders – gerade dann, wenn man an einer Angststörung leidet. Angstzustände und Panikattacken machen dieses schöne Fest zu einer Tortur. Warum ist das so?

Viele Herausforderungen für Menschen mit einer Angststörung

Jeder feiert Weihnachten ein wenig anders. Und doch ist der Ablauf in vielen Fällen ähnlich. Der Kirchenbesuch und gemeinsames Essen gehört für die meisten Menschen dazu.

Der Gottesdienst

Ich bin kein Kirchengänger. Heiligabend aber bin ich jedes Jahr mit meiner Familie da. Es gehört für mich einfach dazu. Als ich eine Angststörung hatte, war die Messe eine große Herausforderung, die mit großer Anspannung und Panikattacken einherging.

Natürlich hätte ich aus der Kirche fliehen können. Das wäre mir aber peinlich gewesen. Schließlich wären alle Augen auf mich gerichtet. Was die Leute wohl denken würden!

Theoretisch hätte ich gehen können, praktisch jedoch nicht. Diese Blöße wollte ich mir nicht geben. Und so führte allein die mangelnde Fluchtmöglichkeit zu Angst.

Auch im Kino beispielsweise hatte ich damals aus den gleichen Gründen immer wieder Panikattacken.

Das Essen

Viele von uns essen zu keiner Zeit im Jahr so viel wie zu Weihnachten. Das geht mir nicht anders. Heiligabend zu Hause mit meiner Familie, am 1. Weihnachtstag bei meiner Mutter, am 2. Weihnachtstag bei der Familie meiner Freundin.

Man sitzt zusammen und man sitzt lange zusammen. Auch wenn meine Familie im Grunde von meiner Angststörung wusste, so war kaum jemandem klar wie sehr ich litt. Und auch hier wollte ich mir nicht die Blöße geben, meine Angst (die fast überall dabei war) offen zu zeigen.

Und so saß ich oft angespannt am Tisch. Eine unbeschreiblich große innere Unruhe war ständig dabei und ich hatte manchmal das Gefühl, nicht zu wissen, wohin mit mir. Ich war nervös, auch wenn es dafür keinen ersichtlichen Grund gab. Und der Versuch, diese Unruhe und Nervosität zu verbergen, machte alles noch schlimmer.

Ich habe eine große Familie und es geht laut zu. Manchmal auch hektisch. Viele Menschen mit einer Angststörung reagieren sehr empfindlich auf Geräusche und Trubel. Das verursachte Stress. Bei mir war das nicht anders und auch diese Tatsache machte das Essen zu einer Bewährungsprobe.

Es gibt verschiedene Ausprägungen einer Angststörung: Panikstörung, Agoraphobie, Hypochondrie, generalisierte Angststörung, verschiedene Phobien etc.

Und so stellen Situationen wie diese nicht für jeden Menschen mit einer Angststörung einer Herausforderung dar. Und doch können sicher eine Menge von Euch nachvollziehen, dass diese Situationen mit Stress, Anspannung und sogar mit Panikattacken verbunden sein können.

Zeit der Wehmut

Zu Weihnachten denken wir oft an das (fast) vergangene Jahr zurück. Und weil das Leben mit einer Angststörung in der Regel nicht besonders schön ist, überwiegen die schlechten Erinnerungen oftmals die guten. Und das gibt uns schon einmal ein ungutes Gefühl.

Außerdem vermissen wir Menschen, die an diesen Tagen nicht bei uns sein können ganz besonders. Entweder weil diese nicht mehr unter uns weilen oder aus anderen Gründen nicht bei uns sein können. Wir denken mit einem bittersüßen Gefühl an die Vergangenheit, an eine Zeit, in der das noch anders war. Wir werden wehmütig.

Und da diese Melancholie, diese Traurigkeit von den meisten Menschen unerwünscht ist, reagieren viele Menschen mit einer Angststörung vermehrt mit Angst und Panikattacken.

Zeit der Ruhe

Zur Weihnachtszeit steht die Welt still. Kaum jemand arbeitet. Die Geschäfte haben geschlossen. Dienstleistungen werden kaum erbracht. Die meisten Menschen verbringen die Zeit mit ihrer Familie. Und irgendwie ist alles ruhig. Die Welt atmet durch.

Und das bedeutet auch, dass viele Maßnahmen der Ablenkung wegfallen. Manche Menschen flüchten in die Arbeit oder putzen stundenlang ihr Haus. Andere sehen stundenlang in den TV, starren ständig auf ihr Handy, surfen im Internet oder spielen mit der Playstation.

Zumindest während der Zeit des Essens, des Kirchenbesuchs oder der Unterhaltungen fallen die meisten dieser Ablenkungen weg. Wir nehmen uns wahr, wie zu keiner anderen Zeit des Jahres. Und das sind wir oft kaum noch gewohnt, da wir es vorziehen uns von uns selbst abzulenken.

Und auch das kann vermehrt zu Angstzuständen und Panikattacken führen. Dabei liegt hier eine großartige Chance für Deinen Weg aus der Angststörung. Wir kommen gleich darauf zu sprechen.

Zeit des Nachdenkens

Ja, wir haben zu Weihnachten Zeit, viel Zeit. Der Hypochonder hat noch mehr Zeit als sonst, um in sich hineinzuhören und körperliche Veränderungen als gefährlich zu interpretieren. Und auch alle anderen haben Zeit, um sich und ihr Leben zu reflektieren.

Und weil das Leben mit einer Angststörung zeitweise nicht besonders schön ist, bekommen wir ein unbehagliches Gefühl, wenn wir auf unser Leben blicken. Das, was wir sehen, ist alles andere als erfreulich. Manchmal bekommt man sogar Angst, dass die Angststörung nie weggehen wird.

Und weil dieses Bild so schmerzvoll sein kann, ziehen wir es manchmal unbewusst vor, uns abzulenken. Wir wollen gar nicht sehen, was aus uns und unserem Leben geworden ist und widmen uns ganz schnell wieder anderen Dingen.

Dabei kann die Angststörung selbst gewünschte Ablenkung sein

Eines steht für mich fest: Wenn in Deinem Leben alles in Ordnung gewesen wäre, hätte eine Angststörung es (nahezu) unmöglich gehabt, Teil Deines Lebens zu werden.

Das bedeutet, dass schon vor der Angststörung etwas im Argen gelegen hat.

Daher können Angst und Panikattacken sogar eine gewünschte Ablenkung sein. Das alles geschieht natürlich vollkommen unbewusst.

Meine Tipps für Weihnachten

Stehe angstauslösende Situationen durch

Wenn Du in bestimmten Situationen (wie dem gemeinsamen Essen oder den Kirchenbesuch) Angst hast, so solltest Du diese Situationen keinesfalls meiden. Stehe diese durch und versuche Dich, auf Deine Umgebung zu konzentrieren und am Leben teilzunehmen. Vielleicht gelingt es Dir sogar, die eine oder andere Stunde zu genießen.

Auch wenn das mitunter sehr anstrengend ist, so ist eines ganz wichtig: Statt mit Dir zu hadern, weil Du eine Situation nicht ohne Angst durchgestanden hast, solltest Du Dir klarmachen, wie viel Mut Du bewiesen hast. Klopfe Dir anschließend auf die Schulter und sei stolz auf Dich. EIGENLOB STINKT DEFINITIV NICHT!

Nutze die Zeit der Ruhe, um Dein Leben zu überdenken

Viele Menschen mit einer Angststörung machen den Fehler, in der psychischen Erkrankung die Wurzel allen Übels zu sehen.

Ohne Angst und Panikattacken ist alles besser.

So ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. Wenn aber schon vorher etwas in Deinem Leben nicht in Ordnung war – Wie kann dann alles gut sein, (nur) weil man die Angststörung hinter sich gelassen hat?

Dabei ist das Entscheidende: Meiner festen Überzeugung nach wirst Du die Angststörung nicht los, wenn sich nichts verändert.

Daher solltest Du die besinnliche Zeit vielleicht dazu nutzen, um Dein Leben zu überdenken und zwar vollkommen losgelöst von Angst und Panikattacken. Die Angststörung sollte bei Deinen Überlegungen keine Rolle spielen!

Die entscheidenden Lebensbereiche sind 1. Beziehungen, 2. Gesundheit, 3. Job/Geld/Karriere.

Und diese Lebensbereiche solltest Du einmal auf den Prüfstand stellen. Dabei können Dir folgende Fragen eine Stütze sein:

  • Was gefällt Dir in Deinem Leben und was gefällt Dir nicht?
  • Was für Tätigkeiten, Gewohnheiten und welche Menschen tun Dir gut und welche eher nicht?
  • Wie sieht Dein perfektes Leben aus?
  • Was hält Dich derzeit davon ab?
  • Was brauchst Du wirklich, um glücklich zu sein?

Halte Deine Ergebnisse schriftlich fest. Und dabei solltest Du Deine Angststörung, wie gesagt, außen vor lassen.

Statt Dich willkommenen Ablenkungen zu widmen (dazu zählt manchmal eben auch die Angststörung selbst), solltest Du zulassen, Dich wahrzunehmen, Dich zu spüren und einen Blick auf Dein Leben zu werfen.

Das Fest der Besinnlichkeit sollten wir auch dazu nutzen, um uns auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu besinnen.

Sicher findest Du dafür die eine oder andere Minute Zeit.

Und ansonsten hoffe ich, dass Du die Zeit mit Deinen Liebsten genießen kannst. Und wenn Du allein bist, dann mache es Dir dennoch schön.

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen ein gesegnetes und besinnliches Weihnachtsfest. Lass es Dir gut gehen.

Mit den allerbesten Grüßen.

Sebastian

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