Sozialphobie

Die soziale Phobie, Sozialphobie oder auch Antropophobie gehört zu den Angststörungen und hier zur Gruppe der phobischen Störungen. Die Soziale Phobie wird im Volksmund häufig auch als „krankhafte Schüchternheit“ bezeichnet. In der Fachliteratur hat sich in letzter Zeit hingegen der Ausdruck „soziale Angststörung“ etabliert.

Die soziale Phobie kommt relativ häufig vor. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 10 % (teilweise ist sogar die Rede von mehr als 15 %) aller Menschen mindestens einmal im Leben an einer Sozialphobie erkranken, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind.

Angstmachende Situationen

Menschen, die unter einer Sozialphobie leiden, fürchten sich vor Situationen, in denen sie mit Menschen zu tun haben. Besonders schlimm ist es, wenn die Betroffenen dabei selbst im Mittelpunkt stehen, wie etwa bei einem Vortrag oder einer Präsentation.

Die Angst vor einer Präsentation beispielsweise ist wohl für viele Menschen verständlich. Millionen von Menschen haben Angst vor diesen Situationen ohne gleich unter einer sozialen Phobie zu leiden.
Menschen, denen eine soziale Phobie zu schaffen macht, haben auch vor alltäglichen Situationen Angst. Sie fürchten sich beispielsweise vor jeder Art von gesellschaftlichen Zusammenkünften, wie Partys, Ausflügen, gemeinsamem Essen.

In Gesellschaft Fremder sind die Ängste in der Regel stärker ausgeprägt, als bei Freunden, Verwandten und Bekannten. Menschen, die an einer Sozialphobie leiden, haben nicht nur Angst davor, in derartigen Situationen das Wort ergreifen zu müssen, auch die Angst in Gesellschaft anderer zu essen und zu trinken geht bei der Sozialphobie meist mit einher.

Gegenüber dem anderen Geschlecht ist die soziale Phobie oft besonders stark ausgeprägt. Oft fällt es den Betroffenen sehr schwer, eine Freundin oder einen Freund zu finden. Teilweise ist die Angst so groß, dass die Betroffenen sich kaum noch aus dem Haus trauen.

Es gibt verschiedene Ängste, die bei der Sozialphobie im Mittelpunkt stehen können. Dazu gehören beispielsweise

  • die Angst, etwas Dummes zu sagen
  • die Angst, ausgelacht zu werden
  • die Angst, bestimmte Erwartungen nicht erfüllen zu können
  • die Angst, dass andere Menschen schlecht über den Betroffenen denken

Der Betroffene ist während einer solchen Situation mit der Beantwortung verschiedener Fragen beschäftigt:

  • Wie wirke ich auf den Anderen?
  • Was sage ich als Nächstes?
  • Was mache ich mit meinen Händen?
  • Was, wenn ich auf Toilette gehen muss?

Für Nichtbetroffene nur schwer vorstellbar: Den meisten Menschen, die an sozialer Phobie leiden, kostet das Durchstehen entsprechender Situationen, wie ein harmloses Gespräch, enorme Kraft. In den Angst machenden Situationen verspürt der Betroffene typische Angstsymptome, wie sie auch bei anderen Angststörungen, wie Panikattacken und der Agoraphobie auftreten. Hierzu gehören zum Beispiel:

  • Schweißausbrüche
  • Atemnot, Kurzatmigkeit, Hyperventilation
  • Herzrasen
  • Gefühl der Unwirklichkeit
  • Schwindel
  • trockender Mund, Schluckbeschwerden

Wie auch bei Panikattacken oder der Agoraphobie machen diese Symptome Angst, was wiederum die körperlichen Symptome noch verstärkt.

Soziale Phobie und andere psychische Erkrankungen

Zur sozialen Phobie kommen nicht selten andere Angststörungen wie Panikattacken, Agoraphobie, eine generalisierte Angststörung oder Depressionen hinzu. Relativ häufig ist auch eine mit der Sozialphobie auftretenden Alkoholsucht. Das erschwert die Diagnosestellung „Soziale Phobie“.

Die soziale Phobie engt den Betroffenen in den meisten Fällen enorm ein. Anders als bei anderen Phobien kann man den angstauslösenden Situationen nicht aus dem Weg gehen, wenn man ein befriedigendes Leben führen möchte. Schließlich sind wir soziale Wesen, der zwischenmenschliche Kontakt ist im Grunde für alle Menschen sehr wichtig. Bei einer Spinnenphobie kann ich den Insekten in vielen Fällen aus dem Weg gehen, auch mit Flugangst kann der Betroffene ein glückliches Leben führen.

Aber bei einer Angst vor Menschen, denn im Grunde ist die soziale Phobie ja nichts anderes, gestaltet sich das Ganze schwieriger.
Sozialphobiker meiden oftmals jeglichen Blickkontakt und werden von anderen Menschen aufgrund mangelnder kommunikativer Fähigkeiten oft als weniger intelligent angesehen, wobei das keineswegs der Fall ist. Betroffene wollen auf keinen Fall auffallen, würden am liebsten unsichtbar sein.

Sozialphobiker haben oftmals übertriebene Ansprüche an sich selbst, denen sie nicht gerecht werden. Sie verfügen über ein wenig ausgeprägtes Selbstbewusstsein und können sich nicht vorstellen, von anderen Menschen akzeptiert oder gar geliebt zu werden.

Das Verhalten von Menschen, die eine soziale Phobie aufweisen, führt dann tatsächlich in vielen Fällen zur Ablehnung, was die Erwartungen des Betroffenen bestätigt und wiederum zu noch mehr Unsicherheit führt. Ein Teufelskreis.

Was hilft gegen soziale Phobie?

Wie bei allen Angststörungen helfen Entspannungstechniken und Sport recht gut, um die vorherrschende Anspannung und die damit einhergehenden körperlichen Symptome zu reduzieren.

Hilfreich könnte es auch sein, einem Sportverein beizutreten und gemeinsam mit anderen Menschen einen Sport auszuüben. Hier eignen sich vor allem Mannschaftssportarten wie Fußball, Handball oder Volleyball, aber auch Einzelsportarten, die man gemeinsam ausüben kann, wie Joggen oder Radfahren.

Gemeinsamer Sport trägt nicht nur zum Abbau von Verspannungen bei, auch Kommunikationsfähigkeiten werden hier geschult, schließlich muss hier mit seinen Mannschaftskameraden auch kommunizieren.

Auch ein Rhetoriktraining beispielsweise in einer Volkshochschule kann Menschen, die an einer Sozialphobie leiden dabei helfen, sich kommunikationstechnisch sicherer zu fühlen.

Zudem kann eine Verhaltenstherapie sehr hilfreich sein, wobei vor allem die Gruppentherapie bei der sozialen Phobie gute Erfolge aufzuweisen hat. Im Grunde kann man also festhalten, dass der Betroffene mit seinen Ängsten konfrontiert werden sollte, wobei nicht selten mit Hilfe einer Psychotherapie erst einmal die entsprechenden Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen.

Meine Erfahrungen mit Sozialphobie

Wie immer möchte ich an dieser Stelle betonen, wie schwer die Abgrenzung der einzelnen psychischen Erkrankungen manchmal ist. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass ich (zumindest in erster Linie) nicht an einer Sozialphobie gelitten habe. Ich hatte zwar oftmals Angst vor allerlei gesellschaftlicher Anlässe.

Bei der Weihnachtsfeier meiner damaligen Firma beispielsweise ging es mir wirklich besch… Auch in anderen sozialen Situationen habe ich mich oft unwohl gefühlt. Bei mir hatte das jedoch vor allem damit zu tun, dass ich unter allen Umständen vermeiden wollte, dass irgendjemand meine Panikattacken bemerkt.

In gewissem Maße waren meine Befürchtungen mit denen, von Sozialphobikern identisch. Die Angst vor einer peinlichen Situation beispielsweise. Auch im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, war mir zutiefst unangenehm.
Die Angst vor der Angst hat die Panikattacken dann oftmals auch tatsächlich in derartigen Situationen ausgelöst, was die Angst vor diesen Situationen verstärkt hat.

Ich kann die Ängste also durchaus nachvollziehen. Allerdings ist die soziale Phobie etwas anderes. Auch wenn die Ängste teilweise identisch waren, wäre wohl kaum jemand auf die Idee gekommen, mich als extrem schüchtern zu bezeichnen. Zudem waren meine kommunikativen Fähigkeiten so lang ich denken kann, immer eine meiner größten Stärken.

Die soziale Phobie war wohl nicht mein Problem. Seit meinen Panikattacken, der generalisierten Angststörung, Hypochondrie usw. kann ich die Ängste extrem schüchterner Menschen aber nachvollziehen. Früher war mir das nicht möglich, wobei ich zugeben muss, dass ich mich zuvor auch nie mit derartigen Phobien beschäftigt habe.

Könnte Aufklärung zu mehr Akzeptanz beitragen?

Wohl jeder von uns hat in seinem Leben bereits mit Menschen, die unter einer sozialen Phobie leiden, zu tun gehabt ohne den Ausdruck „soziale Phobie“ dafür zu verwenden. Auch ich habe in der Schule oder Uni mit Menschen zu tun gehabt, die extrem schüchtern waren.

Gerade für Kinder ist dieses distanzierte Verhalten meist schwer nachzuvollziehen.Sozialphobiker wirken auf andere oft etwas befremdlich und werden nicht selten gehänselt. Andere Kinder empfinden es zudem oftmals als ungerecht, wenn extrem schüchterne Mitschüler, die nie etwas gesagt haben, kaum schlechtere Noten für die mündliche Mitarbeit bekamen. Das führt zu Unverständnis, oftmals macht sich ein Gefühl der Ungerechtigkeit in einem breit, was nicht selten an dem schüchternen Menschen ausgelassen wird. Bei diesem führt das wiederum zu noch mehr Ängsten.

Es könnte hilfreich sein, wenn alle Schüler über die soziale Phobie aufgeklärt werden. Auch wenn die bei der Sozialphobie auftretenden Ängste für Nichtbetroffene nur schwer nachvollziehbar sind, kann Aufklärung ab einem gewissen Alter zu größerer Akzeptanz beitragen.

Fazit

Menschen die unter einer Sozialphobie leiden, sollten den Weg zum Psychologen suchen und eine Verhaltenstherapie, möglichst als Gruppentherapie, machen. Da die soziale Phobie sich meist über Jahre und Jahrzehnte entwickelt und manifestiert, ist bei der Behandlung ein wenig Geduld erforderlich.

Extreme Schüchternheit verhindert in vielen Fällen ein zufriedenes Leben, so dass eine Auseinandersetzung mit der sozialen Phobie dringend anzuraten ist.

11 Kommentare

  1. Michael sagt:

    Bei mir ist die soziale Phobie etwas komisch.
    Ich habe keine Angst Vorträge zu halten, mit Menschen generell zu reden oder neue Bekanntschaften generell zu schließen.

    Bei mir wird die Phobie nur in bestimmten Menschenkreisen aktiv, und zwar bei denen wo es Menschen gibt, die andere grundlos demütigen (mobben/hänseln). Immer wenn eine neue Demütigung kommt versuch ich Schlagfertig zu antworten, mir fällt dann aber nichts ein und ich roste ein. Wenn man sich nicht gegen Demütigungen wert, häufen sich diese und andere fangen ebenfalls an.
    (die Rolle „der den man hänseln kann“)

    Somit ist dann meine Angst mich vor anderen blamieren zu können, wenn mir nichts einfällt, weil dann andere auch anfangen könnten sich lustig zu machen.
    Und nun habe ich dann Angst mit den restlichen Personen im Event was zu machen/reden, weil ich Angst habe, dass diese sich über mich Lustig machen (wegen meiner Rolle) und ich dann die Angst habe nichts darauf entgegensagen zu können. Somit frier ich immer stärker ein (immer mehr in diesem Rahmen), bis ich komplett ruhig/stilllos bleibe.
    (nach 2 Tagen taue ich dann wieder auf…)

    Was soll ich dagegen machen?
    Diese Angst vor der Angst erzeugt schon im vorhinein Panikattacken und versetzt mich in schletcher Lage.

    • Sebastian sagt:

      Hallo Michael,

      ich würde mich auch unwohl in einer Gruppe fühlen, die andere grundlos demütigt. Sollte man das nicht sogar?

      Ich verstehe deine Argumentation und es kann tatsächlich sein, dass sie es auf dich absehen, wenn du eine vermeintliche Schwäche zeigst. Aber will man zu dieser Gruppe dazugehören? Ist Schlagfertigkeit wirklich die Antwort?

      Eine gute Antwort generelle wäre vielleicht „Fühlst du dich stark, wenn du andere runtermachst?“ oder „Findest du das lustig? Ich finde es eher erbärmlich.“ Das kommt aber auch darauf an, wie gebildet der andere ist und auch wie alt…

      Lieben Gruß.

      Sebastian

  2. Hanika sagt:

    Ich hab eine Sozialphobie und fühle mich fast immer bei anderen unwohl.
    Angst hab ich vor allem vor Vorträgen und – so seltsam es auch klingt – davor, an anderen vorbeizugehen. Ich denke dann immer,das die mich anstarren und über mich reden,sobald ich weg bin. Ich mag es auch nicht,zu anderen „guten Tag“ zu sagen und Gespräche zu führen,besonders mit Jungs.

    • Sebastian sagt:

      Hallo Hanika,
      Vorträge sind ja für die meisten auch ungewohnt. So extrem steht man schließlich meist selten im Mittelpunkt. Daher ist dieses „Lampenfieber“ sehr weit verbreitet. An anderen vorbeizugehen hingegen machst du vermutlich ständig und dass du damit ein Problem hast, ist sicher hinderlich. Im Grunde ist es doch egal, was die anderen über dich denken oder über dich reden. Mangelndes Selbstbewusstsein spielt wohl die Hauptrolle bei einer Sozialphobie. Du klingst noch sehr jung und da muss man sich oft erst noch finden und ist auch noch nicht so gefestigt. Darf ich fragen, wie alt du bist?

  3. Suse sagt:

    Ich habe eine stark ausgeprägte Sozialphobie, aber bei mir ist der erste Kontakt nicht so schwer.
    Erst die darauf folgenden werden immer schlimmer. Weil ich dann nicht mehr weiß wie ich mich verhalten muß.

    • Sebastian sagt:

      Erfahrungsgemäß ist es bei der Sozialphobie meist so, dass der erste Kontakt schwieriger ist. Weshalb fällt Dir das später erst so schwer? Weil Dir die Leute wichtiger werden? Weil Du mehr von Dir preisgibst? Weil Du Angst hast, nicht interessant genug zu sein? Was genau ist es?

  4. Mic sagt:

    Diese Soziale Phobie kann nerven, in die Öffentlichkeit zu gehen kosten mich immer eine ernorme Kraft und Überwindung. Das ist aber auch erst seit den Panikattacken so schlimm. Gegen Panikattacken hilft mir Sport, ist eine gute Ablenkung und danach ist man eigentlich sehr enspannt. Mein Problem ist im Moment, das ich gerne Kampfsport machen würde, aber seit 1 Monat schaffe ich es nicht mich zu überwinden und zum Verein zu gehen. Hört sich bescheuert an, aber ich habe Angst vor den Menschen…. na ja ich denke, ich sollte mir einfach mal fest in den Hintern treten.

    • Sebastian sagt:

      Sozialphobie, Agoraphobie, Panikstörung…das alles geht manchmal Hand in Hand. Ich halte es für eine gute Idee, wenn Du Dich zum Kampfsport überwindest. Selbst wenn Du dabei Angst hast, klopfe Dir im Nachhinein auf die Schulter dafür, dass Du so mutig warst. Denn das ist es! Lass uns doch wissen, ob Du es geschafft hast und wie es für Dich war!

  5. Sally sagt:

    Wow. Wir sind uns ziehmlich ähnlich. Als ich meine Verhaltenstherapie begonnen habe hat meine Therapeutin nach ca. 3 Monaten gesagt, dass ich an einer Sozialphobie leide. Ich habe ihr zugestimmt, da ich mich wirklich unwohl in der Gegenwart von Menschen fühlte (U-Bahn, Vortrag, Pause mit Arbeitskollegen –> im Mittelpunkt stehen). Damals habe ich meine erste Panikattacke noch nicht erlebt. Ich bin in letzten Monaten immer wieder auf der Suche nach einem Therapeuten gewesen und hatte einige Probegespräche, als ich die Sozialphobie erwähnt habe, haben Sie alle etwas unglaubwürdig geschaut. Zur Zeit mache ich eine Hypnosetherapie auf eigene Kosten, weil die Krankenkasse erst im Oktober wieder eine Therapie frei gibt. Mein Hypnosetherapeutin kann meistens gar nicht verstehen, warum ich Ängste habe. Ich bin ein sehr kommunikatiever Mensch und obwohl ich schon seit vielen Jahren sehr wenig Selbstbewusstsein habe, lebe ich es den Leute vor. Es kostet mich natürlich oft extreme Kraft diese Fassade aufrecht zu erhalten, aber ich schaffe es. Deswegen ist Sozialphopie wohl auch nicht mein Problem. Und schüchtern bin ich auch nicht, ich habe nur ständig das Gefühl das andere mich bewerten und meistens negativ. Schon komisch das Ganze…….und obwohl ich durchaus in der Lage bin zu verstehen, dass es nicht logisch ist und es keinen Grund gibt so zu denken oder Panikattacken zu haben, gelingt es mir nicht es in den Griff zu bekommen.

    • Gesine sagt:

      Hallo Sally,
      ich kenne das soooo gut …. und bei mir ist es so: ich will, dass mich andere verstehen, erzähle Ihnen von meinen sozialen Ängste und ich habe das Gefühl niemand scheint mir so richtig zu glauben, weil ich auch eine Fasade habe, die mich aber immense Mengen an Kraft kostet 🙁 …..
      Wenn du Lust hast mal zu quatschen, könnten wir uns auf Facebook befreunden!? 🙂 Gib Bescheid!

  1. 22. August 2011

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