Angst bekämpfen: Warum es nichts bringt!

Wenn Du hier gelandet bist, weil Du nach „Angst bekämpfen“, „Panikattacken bekämpfen“ oder „Angstzustände bekämpfen“ gesucht hast, bin ich froh darüber, dass Du dieses Video gefunden hast.

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Wenn Du an Panikattacken & Co. leidest, kann ich sehr gut nachvollziehen, dass Du Deine Angst bekämpfen willst. Diesen Zahn möchte ich Dir bereits an dieser Stelle ziehen. Es ist absolut kontraproduktiv Angst und Panikattacken bekämpfen zu wollen, denn wenn man die Angst bekämpfen möchte, wird man sie erst recht nicht los.

Dies ist vielleicht noch relativ einfach nachzuvollziehen, die Umsetzung aber ist dafür umso schwieriger. Schließlich will man Angstzustände und Panikattacken mehr als alles andere loswerden. Und genau hier liegt das Problem.

Angst personifizieren

Wenn wir die Angst bekämpfen, geben wir ihr noch mehr Macht über uns, wir geben der Angst den Raum, den sie nicht verdient. Mir hat es immer geholfen, die Angst zu personifizieren, sie als einen Mensch zu sehen.

Die größte Strafe für einen nahestehenden Menschen ist die Nichtbeachtung. Wenn uns das gelingen würde, würde die Angst sofort verschwinden. Nichtbeachtung funktioniert jedoch kaum. Wie könnten wir die Angst nicht beachten?

Wir könnten ihr jedoch relativ gleichgültig gegenüber stehen. „Hallo Angst. Da bist Du ja wieder. Sorry, aber habe gerade überhaupt keine Zeit und Lust auf Dich.“ Wenn Dir das gelingt, hast Du einen großen Schritt nach vorne gemacht.

Die Angst ist Dein Freund

Wir können aber noch weiter gehen. Bislang haben wir die Angst als Feind betrachtet, als etwas oder jemanden, der uns das Leben zur Hölle macht und das trifft ja auch voll und ganz zu. Das ist schließlich der Grund, weshalb Du die Angst bekämpfen willst.

Können wir die Angst nicht sogar als Freund betrachten? Ich verrate Dir etwas: Wir können! Ich hätte damals niemals geglaubt, dass mir das gelingen sollte. Genau wie Du wollte ich Angst und Panikattacken bekämpfen. Ich hasste alles, was damit zusammen hing.

Damals riet mir ein Chefarzt, mit meiner Angst zu sprechen, sie zu begrüßen und sie zu fragen, was sie von mir will. „Hallo Angst. Schön, dass Du da bist. Was willst Du mir sagen.“

Ich dachte zunächst, der hat einen Knall. Ich will diese verdammte Angst bekämpfen und sie nicht auch noch freundlich begrüßen. Trotzdem fand ich es sei einen Versuch wert. Was hatte ich schon zu verlieren?

Ich war überrascht, dass ich tatsächlich dazu in der Lage war. Auch wenn ich mir zunächst vorkam wie ein Verrückter redete ich mit meiner Angst. Ich fragte immer wieder „Was willst Du mir sagen“.

Und so war ich in der Lage, zu erkennen, was gerade nicht stimmte, was mich beschäftigte. Ich betrachtete die Angst als Hinweisgeber, als ein nerviger Freund, der mich mit aller Kraft und Penetranz auf etwas stoßen wollte.

In diesem Moment schaffte ich es, einmal nicht die Angst in den Mittelpunkt zu stellen. Ich bekämpfte sie nicht, ich nahm sie als Freund an, der mir ungefragt helfen wollte. So gelang es mir hinter die Angst zu schauen, und zu erkennen, was in meinem Leben gerade nicht stimmte. Damit war die Angst verschwunden und das gelingt niemals, wenn man Angst und Panikattacken bekämpfen möchte.

Auch wenn sich das Ganze für Dich im ersten Moment komisch anhört. Ich kann Dich gut verstehen, mir ging es nicht anders, stelle Dir einmal die folgende Frage: Kann es nicht sein, dass die Angststörung nur aufgetaucht ist, weil Du Dich nicht auf dem richtigen Weg befindest? Ist es nicht möglich, dass Du in Deinem Leben dringend etwas ändern solltest und die Angst Dich tatsächlich darauf hinweisen will?

Heute weiß ich, dass das bei mir der Fall war. Heute weiß ich auch, dass es bei vielen Betroffenen, die Angstzustände und Panikattacken haben oder hatten, ebenfalls der Fall ist oder war.

Angst und Panikattacken bekämpfen ist aussichtslos

Was hast Du zu verlieren? Auch wenn es Dir zu Beginn schwer fällt, die Angst nicht mehr als Feind zu betrachten, nicht mehr Panikattacken bekämpfen zu wollen, wirst auch Du irgendwann die Erfahrung machen, dass es wesentlich hilfreicher ist, die Furcht als Freund anzusehen. Du hast sicherlich schon unzählige Male versucht, die Angst zu bekämpfen und ich bin sicher, dass es Dir nicht gelungen ist Es funktioniert nicht.

Du kennst vielleicht Einsteins Definition von Wahnsinn: „Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ Vielleicht ist es jetzt endlich an der Zeit, etwas anderes zu versuchen. Angst bekämpfen zu wollen, führt jedenfalls nicht zum gewünschten Ergebnis.

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13 Kommentare

  1. Burghard sagt:

    Hallo,
    Ich weiß wann meine Ängste Panikattacken kommen.
    Wenn mein Körper schwächelt oder ich erschöpft bin, dann ist dassie das Fundament für Ängste. Das heißt wenn ich gut ausgeschlafen bin habe ich mehr Kraft und die Ängste, kommen nicht so schnell. Ich muss mich immer mittags hin legen für 1,5 Std. Mache ich es nicht schwächel ich und es kommt starker tinitus so wie Ängste…. hab aber noch keine Lösung gefunden um die Ängste wie ein Lichtschalter aus zu knipsen….Den suche ich nicht…Und werde ihn auch noch finden….
    Gruß burghard

  2. Betti sagt:

    Hallo Sebastian,
    ich habe seit 3 Wochen wieder akute Panikanfälle und Angstanfälle. Es ist schlimm ich bin unfähig mich auf das normale Leben, meine Kinder zu konzentrieren.Ich habe dazu Schwindel, Magendruck, Erschöpftheit. Es fällt mir so schwer in einer Angst-oder Panikattacke einen “klaren Kopf” zu bewahren. Sebastian, ich lese jetzt gerade dein Buch und bin überrascht wie viel Ähnlichkeit ich bei mir wieder finde.
    Heute habe ich gerade deinen Newsletter bekommen, die Angst als Freund zu betrachten, als Mensch. Ich habe es versucht zu probieren, doch es fällt mir noch schwer…ich fühle mich in der Angst so gefangen. Das Leben läuft einfach weiter und ich stecke in der Angst fest…
    Hast du vielleicht noch ein paar Tipps.?

    • Sebastian sagt:

      Hallo Betti,

      ich kann gut verstehen, dass du die Angst lieber heute als morgen hinter dir lassen würdest. Leider lässt sich das nicht erzwingen. Die Angst als Freund zu betrachten, erfordert Übung. Dabei kann dir der Gedanke helfen, dass dieser Freund nur das beste für dich will, auch wenn er ungemein nervig ist und du (gerade) keine Lust auf ihn hast.

      Ich habe viele Tipps und du bekommst auch immer mal wieder welche per E-Mail. Insgesamt bin ich der Meinung, man muss auch auf sein Leben blicken und dabei die Angststörung außen vor lassen (Was läuft unabhängig von der Angststörung nicht so, wie du dir das wünscht?).

      Lieben Gruß.

      Sebastian

  3. Kati sagt:

    Hallo
    Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll …. bei mir fing alles mit meiner dritten Schwangerschaft an, das ich Ängste richtige Panik Zustände bekommen habe. ich wollte nicht mehr. es war so schlimm. man steht eines morgens auf und auf ein mal ist alles anders. ich dachte ich werde verrückt, ich dreh durch. ich habe den Zustand nicht mehr ausgehalten. bin dann zum Hausarzt, der mir antidepressiva verschrieb, die ich auch nahm. in der Schwangerschaft hab ich es 4 Wochen genommen, dann nicht mehr.
    Mache auch seit 9 Monaten Verhaltenstherapie, da auch zwangsgedanken dazu gekommen sind . Ich habe 5 verschiedene antidepressiva versucht, aber ich kann damit einfach nicht ich empfinde das alles nur schlimmer wird . Zu mein Zustand zur zeit kann ich nicht viel sagen ich versuche mein bestes bin immer noch sehr traurig und ständig mit der Angst und unwohl sein . Ich hab 3 Kinder von alter 6 Monate 6 Jahre und 11 Jahre ich muss kämpfen weil ich wieder glücklich sein will …. aber leider geht es mir nicht gut … ich frage mich halt ständig wann das alles endlich ein Ende hat ich will einfach wieder normal schlafen können oder mich einfach wieder wohl fühlen …kati

  4. Harald sagt:

    Hallo Sebastian, habe mir das Buch bei Thalia bestellt, bin sehr neugierig drauf., Harald. P.S.habe es mit meinem Therapeut. besprochen er findet das sehr gut.

  5. janine sagt:

    Hallo zusammen.
    Mit der Angst zu sprechen haben ich auch schon probiert. Und es funktioniert wirklich. Aber es gibt verschiedene Phasen bei mir, die nicht miteinander zu vergleichen sind.es gibt da nämlich die richtige panikattacke, in der ich binnen von Sekunden das Gefühl habe, ich kippe um. Und es gibt die Phase in der sich die panikattacke langsam aufbaut und ich mehrere Symptome auf einmal habe, aber es zu keiner richtigen panikattacken kommt.
    Meine Frage nun. Wenn diese blitzattacke kommt,habe ich schon fast richtige zwänge die ich machen muss damit das Gefühl weggeht. ( hab es noch nie ohne zwang probiert, was dann geschieht ) da hab ich keine Zeit um mit der Angst zu “sprechen” . Bitte helft mir weiter …LG janine

    • Sebastian sagt:

      Hallo Janine,
      welche Symptome hast Du bei dieser Art von Panikattacken genau und wie genau äußern sich die Zwänge, “die Du machen musst”, wenn Panikattacken auftreten?

  6. Lat. “angustum = eng”.
    Wie die Kräfte reagieren, wenn es für sie eng oder zu eng wird, das ist von ihnen nicht als feindlicher Akt gegen dich gedacht sondern als Verstehenshilfe zu den Gegebenheiten und als Aufforderung, deine Kräfte jetzt nicht im Stich zu lassen sondern dich als ihr Chef gut um sie zu kümmern.
    Hat man uns von klein auf gezeigt und gesagt, dass wir der Chef sehr vieler Kräfte & Talente sind, die es zu stärken, zu pflegen, zu beauftragen und zu lenken gilt?
    In der Ich-kann-Schule weiß jedes kleine Kind, dass es mindestens 5.000 Kräfte und Talente hat und dass diese nur dafür da sind, alles für uns zu tun. Das ist ihre Möglichkeit, sich zu verwirklichen und glücklich zu werden. Von Üben, Üben, Üben und ständigem Druck werden Kräfte und Talente nicht satt sondern matt und platt. Dann wird es eng für sie.
    Also werden wir unsere Talente & Kräfte achten, anerkennen, aufrichten, bestätigen, bestärken, bewundern, ermuntern, ermutigen, und mehr desgleichen. Wir werden uns für ihre gute Entwicklung interessieren und immer voll hinter ihnen stehen. Wir werden ihnen interessante Aufträge und Ziele geben und immer wieder unser Interesse und unsere Anerkennung.
    Mit 5.000 Fachkräften, denen es gut geht, wird es nicht so leicht zu eng.
    Aber lässt man uns denn die Hauptrolle unseres Lebens spielen?
    Nach meinen jahrzehntelangen Recherchen für die neue Ich-kann-Schule ist es eher so, dass man uns von klein auf in Statistenrollen für andere drängt. Es geht weder um unser eigenes Leben noch lässt man uns darin unsere Hauptrolle spielen.
    Es ist unsere Pädagogik, die ständig darauf hinarbeitet, dass es zu eng wird:
    Gib dir Mühe! Streng dich an! Lass nicht locker! Überwinde Dich!
    Ständig sollen wir uns behandeln wie den bösen Feind.
    Da wird es angustum = eng.
    Im Grunde sind das alles schon Kampfhandlungen gegen uns selbst, was die Pädagogik verlangt.
    Und dann sollen wir auch noch unsere Selbstbekämpfung bekämpfen ?????
    Primitiver kann man jemand kaum noch dazu bringen, sich selbst zu a-engst-igen.
    Wir müssten doch langsam erkennen, wie plump man uns immer auf den Holzweg schickt.
    Es müsste uns doch längst aufgefallen sein, dass ausgerechnet die “faulen Hunde”, die diese Fehler nicht machen, immer sehr viel besser davonkommen.
    Probleme löst man also nicht mit Fleißaufgaben sondern mit intelligentem Überprüfen, was man (los)lassen kann.
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

  7. Rose sagt:

    Hallo, ich muss sagen, dass das stimmt was du schreibst. Ich bin wegen Panikattacken in Therapie und war es schon einmal. Diesmal geht der Therapeut aufdeckend an die Sache und ich erkenne vieles was mir noch nicht ganz klar war. Bei mir sind in der Kindheit und im Verlauf des Lebens Dinge passiert die ich nicht verarbeitet sondern verdrängt habe. In der Therapie arbeiten wir diese Dinge auf und versuchen nach und nach alle zu finden.
    Derweil sind die Attacken nicht einfach komplett weg, aber es wird besser und ich lerne damit umzugehen. Vor allem stehe ich auch nach aussen dazu und stelle fest, die Menschen versuchen zu verstehen auch wenn das nicht jeder wirklich nachvollziehen kann was da passiert. Es nimmt mir auf jeden Fall den Druck die Panik wegdrücken zu müssen damit keiner was merkt.
    Ich wünsche jedem der damit zu tun hat die Kraft sich damit zu beschäftigen und das ganze aufzulösen.
    Alles Liebe

  8. Kady sagt:

    Hallo, erstmal netter Beitrag.
    Als du in so einer Situation warst wo du Angst hattest, hast du dich gefragt woher die Angst kommt.
    Konntest du dir diese Frage beantworten? Ich selber weiß das meine Angst auftritt wenn ich mit vielen Leuten aufeinander treffe, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht warum. Ich weiß nur, dass es mir peinlich ist vor anderen zu sagen, dass ich eine Panikattacke habe. Ist deine Angst dadurch verschwunden oder konntest du besser damit umgehen?

    • Sebastian sagt:

      Hallo Kady,
      in den meisten Fällen konnte ich für mich beantworten, weshalb Panikattacken auftraten. Wenn Du auf andere Menschen triffst, hast Du vermutlich Angst Panikattacken zu bekommen und löst diese dadurch aus, eben weil es Dir peinlich wäre, wenn jemand Deine Angstzustände bemerkt. Zum einen solltest Du Dir klar machen, dass in den meisten Fällen ohnehin niemand etwas bemerkt und es den meisten Menschen auch vollkommen egal ist, ob Du Panikattacken hast oder nicht. Vielleicht solltest Du einfach einmal ausprobieren, Deine Angst zu gestehen und dann einmal schauen, was passiert.

      Was bitte ist so schlimm daran, wenn andere tatsächlich Deine Angst bemerken? Was glaubst Du wird dann passieren? Spiele Deine schlimmsten Befürchtungen einmal in allen Einzelheiten durch und frage Dich “Was ist so schlimm daran?”. Auf diese Weise nimmst Du Deiner Angst ein wenig an Bedrohlichkeit und ich kann Dir nahezu garantieren, dass Deine schlimmsten Befürchtungen gar nicht so schlimm sind! Man muss das alles einmal in Worte fassen!

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