Tinnitus was tun?

Ein Tinnitus ist bei Menschen mit einer Angststörung relativ häufig anzutreffen. Was ein Tinnitus eigentlich ist, was das ganze mit einer Angststörung zu tun hat und weshalb Du zunächst organische Ursachen ausschließen solltest – Das alles haben wir im ersten Teil des Themas “Tinnitus und Panikattacken” besprochen.

Den ersten Teil findest Du hier.

Jetzt geht es darum, was Du tun kannst, um dieses nervige Ohrgeräusch loszuwerden bzw. diesen nicht mehr als störend zu empfinden.

Tinnitus – was tun?

Gehen wir davon aus, dass Du Dich hast untersuchen lassen und keine bestehende Ursache gefunden werden konnte. Genauso war es bei mir.

Mich hat der Tinnitus damals wahnsinnig gemacht und ich lag nicht selten todmüde im Bett, genervt von diesem ständigen Pfeifton. Auch heute noch kann ich dieses Ohrgeräusch wahrnehmen, wann immer ich will. Aber es stört mich überhaupt nicht mehr.

Folgende Schritte möchte ich Dir ans Herz legen, um den Tinnitus loszuwerden.

1. Schritt – Akzeptanz: Wir erwarten, dass man uns von einer gesundheitlichen Beeinträchtigung heilt. Man geht zum Arzt, der findet die Ursache und behebt die “Störung”. Wenn jedoch keine körperliche Ursache gefunden werden kann – weil die Ursache nicht mehr besteht, das Gehirn aber dieses bekannte Geräusch immer wieder abspielt oder aber weil jeder Mensch Ohrgeräusche hat, die Du so stark wahrnimmst, weil Du Dich darauf fokussierst – dann kann Dich kein Arzt der Welt davon befreien.

Was bleibt Dir dann noch?

Du kannst entweder weiter dagegen ankämpfen und nach einem Weg suchen, um das Problem zu beheben oder aber Du akzeptierst für den Moment einfach, dass der Tinnitus da ist.

Wenn Du dagegen ankämpfst, dann machst Du das Ohrensausen zu einem immer größeren Problem. Du konzentrierst Dich auf das Pfeifen, Summen oder Brummen und machst es damit immer stärker.

Es ist viel besser, einfach mal zu akzeptieren, dass es da ist. Zumindest für den Moment.

2. Schritt – Lerne den Tinnitus zu lieben: Ich habe nächtelang wach im Bett gelegen und war wütend über dieses dämliche Pfeifen, das mir den Schlaf nahm. Diese Wut machte es erst recht unmöglich einzuschlafen. Irgendwann ist es mir gelungen, den Tinnitus nicht nur zu akzeptieren – ich habe dieses monotone Pfeifen als Einschlafhilfe genutzt.

Ich habe zunächst versucht, das zu ignorieren, was mir nicht gelang. Also habe ich mich auf dieses Geräusch konzentriert und ihm erlaubt, da zu sein. Ich habe nicht mehr dagegen angekämpft, ich habe den Tinnitus akzeptiert und sogar gelernt, ihn zu mögen.

Das wird Dir vielleicht zu Anfangs nicht immer gelingen, aber Übung macht den Meister.

3. Schritt – Ignoriere das Geräusch: Erst nachdem ich lernte, das Pfeifen irgendwie zu mögen, war ich in der Lage, es auszublenden. Heute kann ich es wahrnehmen, wann immer ich will. Allerdings stört es mich kein bisschen mehr und so kann ich es einfach ignorieren.

Das ist der dritte Schritt, der erst NACH den anderen Schritten erfolgen kann. Dann kannst auch Du Deine Aufmerksamkeit wieder auf Deine Umwelt konzentrieren und das Pfeifen einfach da sein lassen, ohne dass es Dich stört.

Wichtiger Hinweis: Auch wenn Du nicht sofort Erfolg mit dieser Strategie hast. Gib nicht auf. Auch ich habe ein wenig gebraucht, bis ich in der Lage war, das ständige Pfeifen zu ignorieren.

Und bitte falle nicht auf irgendwelche dubiosen Geschäftemacher herein, die versuchen, Dir irgendwelche Mittelchen zu verkaufen. Dann trinke lieber einen Entspannungstee oder heiße Milch mit Honig vor dem Einschlafen. Das kann Dir dabei helfen, Dich ein wenig zu beruhigen, womit wir beim abschließenden Tipp sind.

zusätzlicher Tipp – Stress reduzieren: Wenn man an einer Angststörung leidet und mit Angstzuständen und Panikattacken zu kämpfen hat, empfiehlt es sich ohnehin, einen Weg für sich zu finden, um Stress und Anspannung zu reduzieren.

Und da es Zusammenhänge zwischen Stress und einer Verstärkung der Ohrgeräusche zu geben scheint, solltest Du Stress entsprechen reduzieren.

Entspannungstechniken können Dir dabei helfen, Stress abzubauen. Hier empfehle ich Dir vor allem die Progressive Muskelentspannung, da Du dabei auch dahingehend sensibilisiert wirst, zu bemerken, wann körperliche Anspannungen auftreten.

Daneben eignet sich Sport oder regelmäßiges Saunabaden. Manche Menschen können beim Malen, Musizieren oder der Gartenarbeit abschalten.

Es gibt hier kein richtig oder falsch. Finde für Dich heraus, was Dir persönlich hilft, abzuschalten und Stress und Anspannung zu reduzieren.

Einen kostenlosen Ratgeber zu diesem Thema kannst Du Dir übrigens hier herunterladen.

Ich hoffe, meine Ausführungen haben Dir gefallen. Vielleicht möchtest Du auch noch etwas hinzufügen, hast eine Frage, eine Anmerkung oder möchtest uns von Deinen Erfahrungen berichten?

Nutze dazu einfach die Kommentarfunktion. Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

Beste Grüße.

Sebastian

15 Kommentare

  1. Alex sagt:

    Ich meinte auch eher den groben Zeitraum in Monaten (-;

    • Sebastian sagt:

      Das kann ich Dir gar nicht genau sagen. Wenn Du den Tinnitus akzeptierst oder gar als Einschlafhilfe nutzt, dann empfindest Du ihn sofort nicht mehr als störend. Das hat allerdings in den ersten Wochen und Monaten nicht immer funktioniert. Manchmal hat es besser geklappt und manchmal weniger gut. Das liegt auch an der eigenen Verfassung. Wie gestresst oder entspannt Du gerade bist etc. Du solltest dem Ganzen also schon eine gewisse Zeit geben und damit rechnen, dass das Ohrgeräusch zunächst immer wieder mal nervt.

  2. Alex sagt:

    Hall Sebastian, vielen Dank für deine Antwort. Der Anfang ist wohl einfach immer schwer, da ich auch tagsüber keine Ruhe habe und morgens mit Angstgefühlen aufstehen. Kannst du dich noch erinnern, wie und nach welchem Zeitraum du diese Phase hinter dir lassen konntest? Danke!

  3. Alex sagt:

    Ich habe seit 7 Wochen ein hochfrequentes Pfeiffen, wie ein Rohr das rauscht. Habe Kortisontabletten bekommen, ohne Erfolg. Leider steigere ich mich sehr in die Situation hinein und bekam darum 3 Wochen ein Antidepressivum, was ich nun allerings aus Angst vor Abhängigkeit abgesetzt habe. Ich denke ein AD macht einen noch Lebenunfähiger. Letzte Woche habe ich wieder begonnen zu arbeiten, jedoch nehme ich das pfeiffen den ganzen Tag war und bin ziemlich fertig dadurch.
    Ich hoffe ich kann noch auf Linderung hoffen.

    • Sebastian sagt:

      Hallo Alex,
      ob eine körperliche Ursache für den Tinnitus besteht, muss ein HNO-Arzt sagen. Ich habe seit Jahren ein hochfrequentes Pfeiffen in den Ohren, dass ich jedoch nur noch wahrnehme, wenn ich das will. Es stört mich nicht mehr im geringsten. Daher kannst und solltest Du auf Linderung hoffen – egal, was letztlich die Ursache ist. Der Schlüssel (wenn keine akute körperliche Ursache vorhanden ist) besteht darin, dieses Pfeiffen nicht als störend wahrzunehmen.

      Lieben Gruß.

      Sebastian

  4. Morena sagt:

    Auch ich kann deine Tips bestätigen. Habe seit meinen Angst und Panikattacken inkl. leichter Depression ein Brummen in meinem Ohr. Am Anfang hat es mich wahnsinnig gemacht doch dann mit der Zeit habe ich den Ton akzeptiert und er gehört einfach zu mir. Da ich momentan beruflich in einer Stresssituation bin habe ich einen enorm hohen Puls und muss Betablocker nehmen und siehe da das Ohren Geräusch ist viel weniger geworden. Was nicht heißt dass ich jedem der einen Tinnitus hat Betablocker empfehle

  5. Karin sagt:

    Ich habe jetzt schon zum 3. mal einen Tinitus. 2005, 2014 und nun wieder. Beide hatte ich gut imn den Griff bekommen. Dieses mal scheint es mir nicht zu gelingen. Ich bin seit Februar in Rente und habe somit viel mehr Zeit da hinein zu hören. Versuche immer wieder deine Ratschläge zu beherzigen, fällt mir allerdings sehr schwer. Ich fühle mich echt gestreßt und meine eigenen Gedanken ängstigen mich mittlerweile.

    • Sebastian sagt:

      Hallo Karin,
      so ein Tinnitus kann schon nervig sein. Allerdings wird dieser – wie beschrieben – meist dadurch zum Problem, dass wir ihm zuviel Aufmerksamkeit schenken. Könnte es zudem sein, dass Du nach dem Renteneintritt zuviel Zeit hast? Vielleicht wäre es ratsam, Dir zu überlegen, mit welchen Dingen (die dich erfüllen), du die freie Zeit füllst. Nur so eine Idee…

      Lieben Gruß.

      Sebastian

  6. nahiera sagt:

    Der Text ist sehr gut. Ich lese ihn immer wieder um mich zu ermutigen weiterzumachen. Ich stecke in einem Teufelskreis zwischen Angst, Tinni und Depression, mir droht die Arbeitsunfähigkeit. Ich konnte vor 10 Jahren eine Tinni Fokussierung vollständig kompensieren, aber dieser neue Tinni den ich seid 1 Jahr habe ist schlimmer.

    • Sebastian sagt:

      Freut mich, dass dir der Text gefällt und ich hoffe, dass dieser dazu beiträgt, den Tinnitus zu verlieren.

  7. Uwe sagt:

    Ich habe seit 20 Jahren meinen Tini. Vor kurzer Zeit hat er sich nach einer Erkältung verstärkt. Es bringt nichts dagegen anzukämpfen, man muss akzeptieren und sich mit ihm anfreunden. Momentan suche ich wieder einmal einen Weg, da leider noch ein Druckgefühl dabei ist. Ich kann alles, was oben beschrieben ist nur unterstreichen..Durch den Tini habe ich zudem erst gemerkt, dass ich eine Angststörung habe.

    • Sebastian sagt:

      Hallo Uwe, dem kann ich nur zustimmen. Du hast ja sogar einen Kosenamen für Deinen Tinnitus! 😉 Aber ernsthaft: Ich weiß, dass ein Tinnitus sehr nerven kann, möchte aber auch noch einmal darauf hinweisen, dass wohl jeder Mensch Ohrgeräusche hat. Gerade Menschen mit einer Angststörung nehmen diese wahr, da sie sehr sensibel auf jegliche Körperregungen reagieren…

  8. Deine Tips kann ich bestätigen.

    Ich habe seit ca. 15 Jahren einen Tinnitus oder sagen wir, er ist mir seit 15 Jahren bewusst.
    Nach einigem Hin und Her mit Blutverdünnung in der (noch bzw. nach-) akuten Phase, Gingko kapseln etc. sagte mir ein befreundeter Mediziner “Mach den Tinnitus zu deinem Freund… alle Bemühungen, den ‘wegzukriegen’ sind eh unsinnig”.
    Und so ist es geworden. Ich hatte mich sehr schnell gut an dem Tinnitus gewöhnt und mittlerweile dient er mir als Indikator, dass es gerade besonders stressig ist, dann zwitschert, piept oder pfeift es nämlich etwas eindringlicher. 😉

    Auf eine zu ungefähr gleicher Zeit bestehende Angststörung hatte der Tinnitus bei mir keine Auswirkungen, es war nur eine Neverei mehr..
    Übrigens bin ich tatsächlich auch die Angststörung auf ähnliche Weise losgeworden: indem ich akzeptiert hatte, dass sie zu mir gehört. Kurz darauf hatte ich keine Panikattacken mehr und eine Angststörung war nicht mehr bemerkbar.

  1. 2. April 2015

    […] Hier geht es zum zweiten Teil des Themas Tinnitus und Panikattacken. […]

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