Angstzustände bekämpfen

Angstzustände bekämpfen? Das hilft wirklich…

Angstzustände bekämpfen

Angst bekämpfen – eine gute Idee?

Angstzustände können das Leben stark einschränken und sehr belastend für Betroffene sein. Wir wollen darüber sprechen, was Ihr tun könnt, wenn Ihr unter wiederkehrenden Angstzuständen und Panikattacken leidet.

Soviel sei schon mal verraten: Es ist keine besonders gute Idee, Angstzustände bekämpfen zu wollen, um Angstzustände überwinden zu können. Was stattdessen hilft, besprechen wir hier.

Wann sind Angstzustände nicht mehr normal?

Viele Menschen kennen das: Massive Angst, die kaum auszuhalten ist. Dabei ist die Häufigkeit und Intensität dieser Angstzustände sicherlich höchst unterschiedlich und nicht in allen Fällen behandlungsbedürftig.

Angst ist zunächst einmal nur eine Reaktion auf eine (vermeintlich) gefährliche Situation. Taucht plötzlich ein wildes Tier vor einem auf oder befindet man sich in einem brennenden Haus oder einer anderen Situation, die eine Gefahr für Leib und Leben bedeuten kann, so ist Angst nicht nur vollkommen natürlich, sondern sinnvoll: Schließlich bringt sie einen dazu, einen Ausweg zu suchen.

Krankhafte Angstzustände sind jedoch etwas vollkommen anderes. In den meisten Fällen findet man hier eine übertriebene Angst vor einer eigentlich ungefährlichen Situation oder einem Objekt. So kann beispielsweise der Anblick einer harmlosen Spinne Angstzustände auslösen, wenn man an einer Spinnenphobie leidet oder eine Panikattacke in einem engen Raum auftreten, wenn sich eine Klaustrophobie manifestiert hat.

Es gibt aber auch Formen einer Angststörung, in denen Angstzustände zum Dauerzustand werden. Darauf kommen wir gleich zu sprechen.

Angstzustände Ursachen

Angst ist erst einmal nichts Krankhaftes, solange sie eine Reaktion auf eine gefährliche Situation ist. Anders verhält es sich, wenn Angst im Übermaß vorhanden ist, die Betroffenen in ihrem Leben einschränkt und sie darunter leiden. Wenn man immer und immer wieder massive Angstzustände hat, steckt meist eine Angststörung dahinter.

Bei sogenannten spezifischen Phobien ist der Auslöser der Angst meist offensichtlich, da Ängste immer nur dann auftreten, wenn man sich in einer bestimmten Situation befindet oder sich einem bestimmten Objekt gegenüber sieht.

So bekommen Betroffene bei einer Phobie gegen Spinnen oder Hunde dann Angst, wenn sie mit der jeweiligen Tierart konfrontiert werden, Menschen mit Höhenangst fürchten sich in der Höhe und Menschen mit Klaustrophobie bekommen Angstzustände in beengten Räumen.

In den meisten Fällen können Betroffene mit einer spezifischen Phobie ganz gut leben, indem sie derartige Situationen oder Objekte möglichst meiden. Bei einigen Ängsten sind die Betroffenen jedoch stark eingeschränkt. So kann einen die Angst vorm Autofahren oder Flugangst davon abhalten, von A nach B zu kommen, was einen Verlust von Flexibilität und Freiheit bedeutet. Auch kenne ich einen Betroffenen, der unter derart großer Höhenangst litt, dass er sich kaum in den ersten Stock eines geschlossenen Gebäudes traute.

Und es gibt situations- oder objektbezogene Ängste, die einen hohen Leidensdruck mit sich bringen, da derartige Objekte oder Situationen so häufig vorkommen, dass ein normales Leben schwer möglich ist. So haben Leute mit einer Sozialphobie Angst vor Situationen, in denen sie die Aufmerksamkeit auf sich lenken könnten. Das kann jedwede Situation betreffen, in denen man mit anderen Menschen zusammen ist. Der Leidensdruck der Betroffenen ist in der Regel sehr hoch.

Neben den eher spezifischen Phobien gibt es auch generalisierte Formen einer Angststörung wie eine Panikstörung oder eine generalisierte Angststörung. Auch hier ist der Leidensdruck hoch, da Angstzustände sehr häufig sind. Zudem ist das Auftreten der Angst längst bei diesen Angststörungen nicht immer einer bestimmten Situation zuzuordnen. Angstzustände können hier prinzipiell immer und überall auftreten.

Die Ursache für wiederkehrende Angstzustände ist also in der Regel eine Angststörung. Die Ursachen für eine Angststörung wiederum sind vielfältig. Die genetische Veranlagung, Erfahrungen in der Kindheit, Stress, Unzufriedenheit, Traumata und bestimmte Merkmale wie Entscheidungsschwäche, Veränderungsresistenz oder Pessimismus können bei der Entstehung von Angststörungen eine Rolle spielen.

Angstzustände bekämpfen

Wenn die Angst nahezu das komplette Leben bestimmt, verwundert es nicht, dass man diese Angst bekämpfen will. Es ist ein vollkommen natürlicher Reflex, sich gegen die Angst zur Wehr setzen zu wollen. Schließlich will man diese mehr als alles andere loswerden.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schlimm diese Angstzustände sein können. Panikattacken sind die Hölle. Auch wenn ich schon hunderte Panikattacken überlebt hatte – trotzdem habe ich immer wieder aufs neue befürchtet, die Kontrolle zu verlieren, ohnmächtig zu werden und manchmal auch zu sterben. Immer dieser leise Zweifel: “Wenn das nun doch ein Herzinfarkt ist?!”

Und dummerweise kommen Panikattacken oft in Situationen, in denen man sie am wenigsten gebrauchen kann. Also kämpft man instinktiv dagegen an.

Man will die Angst loswerden, und was “weg” soll, wird bekämpft. Macht auf den ersten Blick Sinn. Das Blöde ist nur, dass man es nur noch schlimmer macht, wenn man Angst und Panikattacken bekämpfen will.

Ich kenne das alles aus eigener Erfahrung. Man spürt die Angst herankriechen und denkt : „Oh nein, nicht schon wieder!“

Man verkrampft sich und alles in einem wehrt sich gegen die aufkommende Angst. Das aber führt erst recht dazu, dass die Angst Besitz von einem ergreift und sich Angst und Panikattacken bemerkbar machen.

Viel besser wäre es, der Angst gelassener gegenüberzutreten. Doch wie soll das gehen?

Angst annehmen statt bekämpfen

Gegen die Angst anzukämpfen, ist der falsche Ansatz. Du solltest Panikattacken als Teil Deines Selbst annehmen, als etwas, das momentan einfach zu Dir gehört, als etwas Ungefährliches.

Statt gegen die Angst zu kämpfen, könntest Du die Angst begrüßen. Wenn es Dir nämlich gelingt, die Angst freundlich willkommen zu heißen, wirst Du diese im Keim ersticken.

Was sich so leicht anhört, ist in der Durchführung schwierig. Schließlich willst Du Angstzustände loswerden. Und genau hier liegt das Problem. Wie kann man etwas willkommen heißen, das man hasst?

Dazu muss es uns gelingen, eine andere Einstellung zur Angst zu bekommen.

Dabei kann der Gedanke helfen, dass die Angst ein Teil von Dir ist (zumindest für den Moment). Dieser ängstliche Teil bist ja auch Du und kein “Ding”, das Dir etwas Böses will. Gegen sich selbst sollte man niemals kämpfen, schließlich kann man nur verlieren.

In all den Jahren, in denen ich Menschen mit einer Angststörung helfe, kann ich sagen, dass die Angststörung immer auch eine große Chance beinhaltet. Wir haben die Chance, daran zu wachsen und unser Leben nachhaltig zu verbessern. Ohne diese psychische Problematik wären wir oft nicht bereit zu den teils erheblichen Änderungen, die auf dem Weg aus der Angststörung erforderlich sind.

Auch wenn ich mir die Angststörung nicht zurückwünsche, bin ich heute dankbar dafür, denn ohne diese wäre ich heute nicht so wie ich bin. Auch wenn es kaum möglich ist, dankbar für die psychische Erkrankung zu sein, während man daran leidet, kann das den Blickwinkel auf die Angst ein wenig verändern.

Merke: Eine Angststörung ist auch eine Chance, das eigene Leben zu verbessern. Die Angst ist kein Feind, sondern ein Teil von Dir.

Die Angst als Freund personifizieren

“Die Angst als Teil seiner Selbst, den man loswerden will.” Letztlich ist es genauso und vielen Betroffenen hilft diese Einsicht. Andere hingegen hassen diesen ängstlichen Teil so sehr, dass es kaum zu ertragen ist, sich einzugestehen, dass die Angst ein Teil von ihnen ist. Sie würden diesen Teil am liebsten rausschneiden wie ein Krebsgeschwür. Dann kann es helfen, die Angst zu personifizieren, jedoch nicht als Feind, sondern als Freund anzusehen, wenn auch als einen etwas nervigen Freund.

Was Du in diesem Moment vielleicht für unmöglich hältst, kann tatsächlich funktionieren. Ich hätte damals niemals geglaubt, dass mir das gelingen sollte. Genau wie Du wollte ich Angst und Panikattacken bekämpfen. Ich hasste alles, was damit zusammen hing.

Damals riet mir ein Chefarzt, mit meiner Angst zu sprechen, sie zu begrüßen und sie zu fragen, was sie von mir will. „Hallo Angst. Schön, dass Du da bist. Was willst Du mir sagen.“

Zunächst hielt ich ihn für verrückt. Ich soll das, was mir das Leben zur Hölle macht, willkommen heißen? Womit hatte “sie” das verdient und wie bitte soll das gehen? 

Trotzdem fand ich es sei einen Versuch wert. Was hatte ich schon zu verlieren?

Und dann kam die Panik und ich begrüßte sie, wenn auch etwas widerwillig und fragte die Angst immer wieder: “Was willst du mir sagen?”

Und dann war ich tatsächlich in der Lage zu erkennen, was gerade nicht stimmte, was mich wirklich beschäftigte. Die Angst mutierte in diesem Moment vom Feind zum Hinweisgeber, wie ein nerviger Freund, der mich mit aller Kraft und Penetranz auf etwas stoßen wollte.

Indem ich mich nicht wehrte und mich auf einer einigermaßen freundschaftlichen Ebene mit der Angst auseinandersetzte, konnte ich erkennen, was gerade wirklich los war. Ich schaffte es auf diese Weise, die Angst nicht in den Mittelpunkt zu stellen, sondern dahinter zu schauen. Und so gelang es mir, die Angst zu besiegen, ohne sie bekämpft zu haben.

Dabei kann es wie gesagt hilfreich sein, wenn Du Dir die Angst als eine Person vorstellst. Ich finde Astrid Lindgren’s Figur Karlsson auf dem Dach sehr passend. Ein nerviger Typ, aber doch irgendwie liebenswert.

Letztlich ist es meiner Erfahrung nach tatsächlich so, dass uns eine Angststörung darauf aufmerksam machen möchte, dass (unabhängig von der übermäßigen Angst) etwas nicht in Ordnung ist. Dann hat die psychische Erkrankung den Zweck, uns zu unserem Glück zu zwingen. Ganz so wie ein nerviger Freund das tun würde.

Angst bekämpfen ist keine gute Idee

Es ist mehr als verständlich, dass Du gegen die Panikattacken kämpfen willst bzw. das instinktiv tust. Dabei wäre es hilfreich, aufkommende Angst willkommen zu heißen und herauszufinden, was gerade wirklich los ist.

Das funktioniert wahrscheinlich nicht immer. Es kommt nämlich auch ein wenig auf die jeweilige Situation und Deine derzeitige Verfassung an. In jedem Fall ist es das Schlechteste, Angst und Panikattacken bekämpfen zu wollen. Das macht alles nur schlimmer.

Du kannst eine Menge über Dich und die Angststörung herausfinden, wenn es Dir gelingt, Dich auf diese Weise mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Angstzustände was tun?

Wir haben ausführlich darüber gesprochen, dass es sinnvoll ist, die Angst willkommen zu heißen. Das kann gelingen, indem Du Dir klar machst, dass die Angst ein Teil von Dir ist und Dir nichts Böses will und sie letztlich eine Chance ist, Dein Leben zu verbessern. Darüber hinaus kannst Du Dir die Angst wie einen nervigen Freund vorstellen, der Dich auf etwas aufmerksam machen will.

Das mag anfangs schwierig sein und auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht immer funktionieren – doch Du erlangst auf diese Weise wichtige Erkenntnisse, die Dir auf dem Weg aus der Angststörung helfen. Darum ist diese Vorgehensweise auch weitaus zielführender, als sich abzulenken.

Da hinter übermäßigen Ängsten in der Regel eine Angststörung steckt, geht es darum, diese zu behandeln. Das Mittel der ersten Wahl ist dabei sicherlich eine Psychotherapie. Zwar ist eine Therapie letztlich auch nur eine Hilfe zur Selbsthilfe, doch manchmal bedarf es professioneller Hilfe und strukturierter Anleitung durch einen guten Therapeuten.

Außerdem kann Dir mein E-Mail-Coaching eine Hilfe sein. Hier bekommst Du per E-Mail hoffentlich auch für Dich hilfreiche Tipps gegen Angstzustände. Es kostet nichts und es haben schon mehr als 25.000 Menschen in Anspruch genommen. Dazu benötige ich lediglich Deine E-Mail-Adresse. Klicke hier, um Dich anzumelden.

Angstzustände Medikamente

Und was ist mit Medikamenten gegen Angstzustände?

Wir sind es gewohnt, Medikamente einzunehmen, wenn wir krank sind. Auch bei der Überwindung einer Angststörung und der damit einhergehenden Angstzustände können wir uns medikamentös unterstützen lassen. Dabei gibt es verschreibungspflichtige Medikamente (Psychopharmaka wie Antidepressiva) und auch alternative Mittel ohne Rezept.

Ob das für Dich sinnvoll ist, welche Mittel es gegen Angstzustände überhaupt gibt, worin sie sich unterscheiden und alles, was sonst noch wichtig ist, erfährst Du in meinem ausführlichen Beitrag über Medikamente gegen Angstzustände.

Medikamente können lediglich unterstützen und sind nicht die alleinige Lösung. Man muss an sich arbeiten, um die Angstzustände überwinden zu können.

Kämpfe nach Möglichkeit nicht gegen die Angst an, auch wenn das schwer fällt. Ansonsten hoffe ich, dass Dir meine Tipps in diesem Beitrag und in den anderen Artikeln dieses Blogs sowie mein E-Mail-Coaching das eine oder andere Aha-Erlebnis beschert, um die Angstzustände besiegen zu können.

Beste Grüße.

Sebastian Kraemer

34 Kommentare

  1. Sebastian D. KraemerSebastian D. Kraemer sagt:

    Vielen Dank für diesen Kommentar. Man kann eine Angststörung überwinden, sollte aber nicht gegen die aufkommende Angst ankämpfen.

  2. Michael Waldner sagt:

    Hört sich erstmal kompliziert an, doch so mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaub ich, du hast recht. Ich werde es auf jeden fall ausprobieren. vielen dank auch für die vielen Tipps, die ich als E-Mail bekomm.

  3. Dejan sagt:

    Hallo, ich bin erst seit gestern auf diese Seite gestossen. Offiziell kämpfe ich seit Juli 2016 mit Angststörung (Panikattacken und Hypochondrie) aber ich denke das ich das schon länger habe. So etwa 2 oder 3 Jahre.
    Ich hoffe und glaube ebenfalls das man diese unangenehme Erkrankung besiegen kann.
    Meine Mutter litt vor etwa 30 Jahren an Agoraphobie und mein Vater hat mir erst kürzlich offenbart das er 5 Jahre lang Panikattacken auf Rolltreppen erlebt hat. Und ihn plagte lange Zeit das Gefühl er müsste sterben wo bei er selbst nicht mal Schmerzen verspürte. Es war nur so ein Gefühl!

  4. SebastianSebastian sagt:

    Hallo Pierre,

    vielen Dank für Deinen mutmachenden Kommentar und die hilfreichen Tipps, die Du mit uns teilst. Ich kann Dich so gut verstehen: Zahnarzt und Friseur waren auch für mich der Horror. Dieses still sitzen müssen und nicht einfach so flüchten zu können (wäre ja unangenehm). Du scheinst aber die richtigen Schlüsse aus der Angststörung zu ziehen und ich bin guter Dinge, dass Du diese bald überwinden wirst.

    Lieben Gruß.

    Sebastian

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