Medikamente gegen Angst

Medikamente gegen Angst

Das Thema “Medikamente gegen Angst” beschäftigt früher oder später jeden Menschen, der an einer Angststörung leidet. Schließlich sind wir es gewohnt, Medikamente einzunehmen, wenn wir krank sind. Und je schneller diese wirken, desto besser. Und so ist es nicht verwunderlich, dass viele Betroffene bei einer Angststörung Medikamente einnehmen.

Manchmal kann es sinnvoll sein, Medikamente gegen Ängste einzunehmen. Wir versuchen die Fragen zu beantworten, ob man durch Medikamente eine Angststörung loswerden kann? Worin unterscheiden diese sich und welche Alternativen gibt es? Helfen Naturheilmittel genauso gut? Was ist von den neueren Mitteln wie Cannabidiol und Kava Kava zu halten?

Am Ende dieses Artikels sollst Du in der Lage sein, die für Dich richtige Entscheidung zu treffen, auf Tabletten gegen Angstzustände und Panik zurückzugreifen oder eben nicht.

Dieser Artikel ist jedenfalls einer der umfangreichsten Beiträge, die im Netz zu finden sind. Bei dem Beitrag  “Medikamente gegen Angst” hat mich Philip Fischer unterstützt, Absolvent mit Auszeichnung einer höheren technischen Lehranstalt für Biomedizin- und Gesundheitstechnik. Vielen dank dafür. Dementsprechend ist dieser Text teilweise ein wenig wissenschaftlicher als du es sonst gewohnt bist.

Medikamente gegen Panikattacken – Übersicht

Woher kommt Angst?

Angst ist ein sehr intensives und stark wirksames Grundgefühl. Grundsätzlich ist es eine Emotion, die aus einem ganz bestimmten Kerngebiet des Gehirns kommt, der Amygdala. Die Amygdala, auch Mandelkern genannt, ist ein Kerngebiet im Bereich des Endhirns. Diesem Bereich wird, nach aktuellem Stand der Forschung, das Auslösen von Angst und angstähnlichen Zuständen zugesprochen.

Die Amygdala gehört außerdem einem übergeordneten System an, dass als limbisches System bezeichnet wird. Im limbischen System werden alle Emotionen generiert. Verschiedene Kerngebiete tief im Inneren des Gehirns gehören zum limbischen System und erzeugen nicht nur Emotionen, sondern verbinden diese auch mit Erinnerungen. Speziell die Angst, als überaus negative Erfahrung bleibt uns durch diesen Zusammenhang lange und sehr intensiv im Gedächtnis.

Informationen und Reize werden im Gehirn zwischen den Verbindungsstellen der Nervenzellen, die Synapsen genannt werden, nur in Form von chemischen Stoffen, sogenannten Neurotransmittern, übertragen. Kommt es nun zu Situationen, in denen Angst empfunden wird, vermindert sich der Neurotransmitterspiegel in der Amygdala.

Durch die enge örtliche Verbindung der Nervenzellen der Sinne und der Nervenzellen des limbischen Systems kann häufig das Phänomen beobachtet werden, dass verschiedene Sinnesreize unterschiedliche emotionale Reaktion hervorrufen.

Was bewirkt Angst im Gehirn?

Angst ist eine Emotion mit einer besonders starken Wirkung  im menschlichen Körper, was nicht verwundet. Schließlich dient diese Emotion mehr als jeder andere dem Überleben. So ist der Körper in kürzester Zeit fluchtbereit, hellwach und hoch konzentriert. Kommt es zu einer Störung im limbischen System, können die Situationen, die für das Auslösen von Angst verantwortlich sind, willkürlicher Natur sein.

So sind Angststörungen eine häufige psychische Erkrankung, die einerseits auf erlebte Traumata, andererseits auch auf strukturelle Veränderungen im Gehirn selbst, sowie auf viele verschiedene andere Auslöser zurückzuführen sein kann.

Neben der operativen Therapie, die eine teilweise oder komplette Entfernung von krankhaften Strukturen als Therapieziel verfolgt, setzt die Medikamente gegen Angst auf schonendere Methoden um eine Symptomfreiheit zu erreichen.

Wie wirken Medikamente gegen Angst?

Das Ziel der Medikamente gegen Angstzustände ist das Erreichen von Symptomfreiheit bzw. die Verringerung der Symptome.

Medikamente gegen Angst beziehen ihre Wirksamkeit über den Eingriff in den Neurotransmitterhaushalt des limbischen Systems. Im limbischen System sind vor allem folgende Neurotransmitter von Bedeutung:

  • Serotonin
  • Noradrenalin
  • Endorphine
  • Dopamin
  • Glutaminsäure (inkl. Gamma-Aminobuttersäure)
  • Acetylcholin

An der Entstehung von Angst sind hauptsächlich drei dieser Neurotransmitter beteiligt Glutaminsäure, Acetylcholin und Serotonin. Durch den gezielten Eingriff in den Neutrotransmitter-Haushalt versucht man die Angststörung medikamentös zu behandeln.

Die Amygdala, ist sehr reich an Gamma-Aminobuttersäure-Rezeptoren, durch die zahlreichen Rezeptoren, die speziell auf die Gamma-Aminobuttersäure (GABA) sensitiv reagieren, kommt es bei einem verminderten Spiegel an Neurotransmittern in diesem Kerngebiet besonders schnell zur Auslösung von Angstzuständen. Diese speziellen Rezeptoren werden als GABAerge Rezeptoren bezeichnet.

Verschiedene Medikamentengruppen sorgen durch unterschiedliche Mechanismen für eine Erhöhung des Neutrotransmitter-Spiegels, um aktiv gegen Angstzustände vorzugehen. Im Folgenden werden diese Medikamente gegen Angst und Panik näher vorgestellt.

Tabletten gegen Angst

Benzodiazepine

Benzodiazepine sind die stärksten angstlösenden Medikamente und werden heute vor allem in der klinischen Praxis gegen akute Angstzustände und Panikattacken verabreicht.

Die Wirkung der Benzodiazepine bezieht sich auf die Physiologie der GABAergen Rezeptoren. In wissenschaftlichen Studien wurden Hinweise darauf gefunden, dass eine Senkung von Neurotransmittern als Auslöser von Angstzuständen fungiert.

Benzodiazepine sorgen nach Aufnahme in den Körper dafür, dass die Wirkung von GABA, an den spezifischen Rezeptoren in der Amygdala um ein Vielfaches verstärkt wird. Hierdurch kann auch ein geringerer Spiegel an Neurotransmittern, durch die Zugabe von Benzodiazepinen, die erforderliche Reizschwelle der GABAergen Rezeptoren in der Amygdala erreichen.

Es ist zu beachten, dass Benzodiazepine trotz ihrer positiven Therapieeigenschaften gegen Angst ein hohes Sucht- und Abhängigkeitspotenzial aufweisen, sodass Ärzte abwägen müssen, ob die Verschreibung im Einzelfall Sinn macht.

Benzodiazepine entfalten zudem eine sehr hohe sedative Wirkung im Bereich des Hirnstammes. Da in diesem Bereich auch das Atemzentrum angesiedelt ist, kann es bei Überdosierung mit Benzodiazepinen zu einer Atemdepression, also einem medikamenteninduzierten Atemstillstand kommen.

Viele Fachleute entscheiden sich aufgrund der stark angstlösenden Wirkung trotz des Abhängigkeitspotentials, bei Anzeichen einer Angststörung Medikamente dieser Wirkstoffgruppe einzusetzen. Das bekannteste Medikament dieser Gruppe ist hierzulande Tavor.

Opiate

Opiate sind vor allem im Zusammenhang mit Bindungen von Bedeutung. Dementsprechend wirken Opiate vor allem als Medikament gegen Bindungsstörungen und Trennungsängste. Opiate wirken ähnlich wie Morphine und werden auch körpereigen in Form von Endorphinen erzeugt.

Kommt es nun zu einer Abnahme von Opiaten (Endorphinen) im limbischen System wird in der Amygdala wiederum ein Gefühl von Angst erzeugt. Medikamente gegen Angst, die auf Opioidbasis wirken erhöhen durch Opiatsupplementierung den Spiegel des Neurotransmitters und sorgen so für eine Hemmung von Angstgefühlen und Angstzuständen.

Opioide werden darüber hinaus oft als sehr starkes Scherzmittel verabreicht. Auch hier besteht eine Suchtgefahr und die Gefahr einer Abhängigkeit.

Zudem gibt es Hinweise, dass diese Gruppe von Medikamenten Ängste manchmal sogar verstärken kann. Dennoch verschreiben auch heute noch einige Ärzte bei einer Angststörung Medikamente dieses Typs.

Trizyklische Antidepressiva

Viele Antidepressiva werden nicht nur bei Depressionen, sondern auch bei Angststörungen verschrieben.

Bei den trizyklischen Antidepressiva handelt es sich um die klassischen Antidepressiva, die schon seit Jahrzehnten verschrieben werden.

Diese Gruppe wirkt mit ihrer dreifachen Ringstruktur gleich an mehreren Neurotransmittern.

Die Wirkungsweise ist gut. Aufgrund ihrer nicht unerheblichen Nebenwirkung insbesondere bei älteren Menschen werden mittlerweile vermehrt Serotonin Wiederaufnahmehemmer statt trzyklischen Antidepressiva verordnet.

Dennoch werden sie beispielsweise in Form von Amitriptylin oder Opipramol immer noch häufig verschrieben, jedoch eher bei stärkeren Depressionen als bei Ängsten oder auch in geringer Dosierung zur Migräneprohylaxe (Amitriptylin).

Serotonin-Wiederaufnahmehemmer

Ein weiterer wichtiger Neurotransmitter des limbischen Systems in Verbindung mit Angstzuständen ist: Serotonin. Ein Absinken von Serotonin im limbischen System und der Amygdala sorgt dafür, dass zunehmend Angstzustände und Panikattacken auftreten.

Die sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer gelten als die meist verschriebenen Medikamente gegen Angststörungen. Sie sorgen für eine höhere Konzentration des Serotoninspiegels im Gehirn, indem sie den Abtransport blockieren.

Dadurch kommt es zu einer verminderten bis hin zu einer komplett ausbleibenden Angstreaktion. Da sie selektiver eingreifen als trizyklische Antidepressiva haben sie weniger Nebenwirkungen.

Die Gruppe dieser Medikamente gegen Angststörungen gelten als moderne Antidepressiva, zu denen unter anderem

  • Citalopram
  • Mirtazapin
  • Fluoxetin, Fluvoxamin
  • Sertralin
  • Paroxetin gehören.

Citalopram ist mittlerweile das mit Abstand am meisten verschriebene Antidepressivum der Welt.

Zwischenfazit – Tabletten allein heilen nicht

Angstlösende Medikamente können Ängste reduzieren und Panikattacken verhindern. Medikamente können Ängste aber nicht heilen, auch wenn die Verabreichung manchmal sinnvoll ist, damit Betroffene überhaupt die Kraft finden, um sich um die wesentlichen Dinge zu kümmern. So sind immer Veränderungen notwendig, um eine Angststörung hinter sich zu lassen.

Was Du herausfindest, was zu tun ist, das besprechen wir in unserem kostenlosen E-Mail-Coaching.

Daher halte ich eine isolierte Verschreibung dieser Medikamente, ohne die Einnahme an eine Therapie oder ein Coaching zu knüpfen, für mehr oder weniger verantwortungslos. Dauerhaft ändert man dadurch wenig.

Letztlich muss jeder für sich selbst in Absprache mit einem Arzt entscheiden, ob man verschreibungspflichtige angstlösende Medikamente einnehmen möchte oder nicht.

Die Entscheidung für oder gegen Medikamente bei einer Angststörung muss letztlich jeder für sich selbst (in Absprache mit einem Arzt) treffen.

Es gibt aber auch Alternativen zu Psychopharmaka – sozusagen Antidepressiva ohne Rezept. Die Wirkung mag nicht so stark sein, wie bei Tavor & Co., doch die Wirkung ist sanfter und das Abhängigkeitspotential nicht oder kaum vorhanden. Daher sind diese Alternativen aus meiner Sicht sehr interessant.

Schauen wir uns an, welche homöopathischen  und pflanzlichen Mittel gegen Angst es gibt…

Rezeptfreie Medikamente gegen Angst

Viele Menschen fragen sich, ob es Medikamente gegen Angstzustände rezeptfrei gibt. Die bislang behandelten Medikamente gegen Angst (Benzos, Opiate, Antidepressiva) gibt es glücklicherweise nicht ohne Rezept. Da das Suchtpotenzial teilweise enorm hoch und die Nebenwirkungen gerade bei bestimmten Gruppen nicht ohne sind, sind alle diese Mittel verschreibungspflichtig.

Wenn wir über Medikamente gegen Angst und Panikattacken ohne Rezept sprechen, kommen nur alternative Arzeimittel in Frage. Psychopharmaka hingegen gibt es nicht rezeptfrei.

Die verschiedenen Typen von Psychopharmaka, die von der Schulmedizin zur Therapie einer Angststörung durch Medikamente empfohlen werden, greifen weitreichend in das sensible Gleichgewicht der Botenstoffe des Nervensystems ein.

Blickt man über den Tellerrand der klassischen Medizin hinaus, bieten sich verschiedene Präparate an, die auf pflanzlicher Basis eine Besserung von Angststörungen und Panikattacken bewirken können.

Nachfolgend werden verschiedene pflanzliche Angststörung-Medikamente sowie alternativmedizinische Präparate vorgestellt.

Homöopathische Mittel gegen Angst

Ich muss gestehen, dass ich ein Skeptiker bin, was die Wirkung homöopathischer Mittel angeht. Das muss aber nichts heißen. Schließlich ist meine Hausärztin, der ich sehr vertraue, eine Anhängerin der Homöopathie und das gilt auch für Millionen Deutsche.

Daher soll der Hinweis auf die Homöopathie als mögliche Medikamente gegen Angst nicht fehlen. Dazu habe ich umfangreich recherchiert und viele verschiedene, teils sich widersprechende Empfehlungen gelesen. Daher bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als einen erfahrenen Homöopathen zurate zu ziehen oder auszuprobieren, was einem hilft.

Wichtig ist, dass die folgenden Mittel nur als homöopathisch gekennzeichnetes Mittel eingenommen wurden. Diese sind in ihrer ursprünglichen Form oft hochgiftig, wurden für die homöopathische Anwendung jedoch vielfach verdünnt, sodass ein wissenschaftlicher Nachweis kaum oder überhaupt nicht möglich ist.

Folgende homöopathische Mittel sind jedoch bei meinem Recherchen immer wieder aufgetaucht:

Arsenicum album

Arsenicum album ist eigentlich ein sehr starkes Gift, das nur durch vielfache homöopathische Potenzierung (Verdünnung) zu einem, für Angstpatienten nützliches Medikament werden kann. Vor allem bei Patienten, die von starken Angstgefühlen, Hypochondrie, Todesfurcht und ständigen Sorgen geplagt sind, wird Arsenicum album als Medikament gegen Angst eingesetzt.

Aconitum napellus

Aconitum napellus ist der lateinische Name des Eisenhuts. Dieses Gewächs ist unter normalen Bedingungen ebenfalls hochgiftig. Es soll bei starken Ängsten und großer innerer Unruhe helfen.

Argentum Nitricum

Soll extrovertierten, nervösen Menschen gegen allgemeine Angstzustände und innere Unruhe helfen.

Phosphorus

Dieses Mittel besteht aus einer sehr verdünnten Form des elementaren, gelben Phosphors, der ohne Verdünnung sehr giftig ist. Phosphorus wird unter anderem eingesetzt gegen Angst, Unruhe, Schwindel und übertriebene Reaktionen auf äußere Reize.

Calcium Carbonicum

Dieses homöopathische Mittel soll vor allem introvertierten und übergewichtigen Menschen helfen, die Angst vor Krankheiten haben.

Bachblüten

Bachblüten sind ein beliebtes Mittel in der Naturheilkunde. Grundsätzlich können bei Menschen die unter Angst leiden, verschiedene Bachblüten eingesetzt werden. Als Medikament gegen Angst werden vor allem vier gebräuchliche Arten von Bachblüten unterschieden:

  • Rote Kastanie
  • Kirschpflaume
  • Gefleckte Gauklerblume
  • Gelbes Sonnenröschen

In der Naturheilkunde werden den verschiedenen Bachblüten unterschiedliche positive Effekte zugesprochen.

So sind rote Kastanien beispielsweise für die Stärkung des Mitgefühls unter Beachtung der eigenen Persönlichkeit verantwortlich. Die rote Kastanie kommt vor allem bei Menschen zum Einsatz, die Sorgen und Ängste bezogen auf andere Personen entwickelt und diese vor den eigenen Entscheidungen beschützen wollen.

Die Kirschpflaume wird bei Patienten angewendet, die Angst vor den eigenen Handlungen haben und befürchten, zu emotionalen Kurzschlussreaktionen zu neigen. Durch die Einnahme der Kirschpflaume wird die Gelassenheit sowie die Belastbarkeit in stressigen Situationen positiv beeinflusst.

Bei Menschen mit vielen kleineren Ängsten und Sorgen kommt die gefleckte Gauklerblume zur Anwendung. Diese soll nachweislich die Tapferkeit steigern. So können auch Phobien gegen alle möglichen Lebewesen, Situationen oder Objekte bekämpft werden.

Sind Menschen von Angst und Albträumen geplagt und geht die Angst soweit das ein Todes- sowie Erstickungsgefühl auftritt, kann die Einnahme von gelbem Sonnenröschen, positiv auf die persönliche Standhaftigkeit wirken.

Hilft Homöopathie gegen Angst?

Homöopathie, Bachblüten und dergleichen haben gleichermaßen Anhänger und Gegner. Ich bin da etwas zwiegespalten. Auf der einen Seite liest sich das für mich alles sehr nebulös, auf der anderen Seite habe ich da ich mit sogenannten pseudowissenschaftlichen alternativen Heilmethoden durchaus gute Erfahrungen gemacht.

Letztlich findest Du wohl nur durch Ausprobieren heraus, ob Dir Homöopathie gegen Ängste hilft.

Anders sieht es mit pflanzlichen Medikamenten gegen Angst aus. Hier wurde in vielen Fällen eine Wirkung nachgewiesen.

Pflanzliche Mittel gegen Angst

Die Passionsblume wirkt gegen Ängste

Es gibt einige pflanzliche Mittel, die eine angstlösende Wirkung haben. Anders als beispielsweise eine Tavor werden die Angstzustände nicht wenige Minuten nach der ersten Einnahme reduziert. Vielmehr ist eine längere, kontinuierliche Einnahme wichtig, um bei einer Angststörung zu helfen.

Letztlich können pflanzliche Medikamente gegen Ängste jedoch eine “sanfte” Alternative zu den “harten” Psychopharmaka sein.

Hinweis: Ihr solltet unbedingt den Dosierungsanleitungen der Packungsbeilage folgen. Eine Überdosierung kann verstärkt Nebenwirkungen hervorrufen, eine Unterschreitung der Empfehlung aber auch dazu führen, dass eine angstlösende Wirkung ausbleibt.

Baldrian

Baldrian wird wegen seiner beruhigenden Wirkung seit Jahrhunderten als Heilpflanze genutzt. Die Inhaltsstoffe stecken in seiner Wurzel und wirken gegen innere Unruhe und fördern einen erholsamen Schlaf. Es gibt Hinweise auf eine angstlösende Wirkung, wobei seine schlaffördernde Wirkung besser untersucht wurde und als gesichert gilt.

Hopfen

Auch Hopfen wird eine beruhigende Wirkung zugeschrieben und alles, was beruhigend wirkt, ist erst einmal Gift für eine Angststörung. Allerdings gibt es bislang wenige Studien, die eine angstlösende Wirkung belegen. Genaugenommen habe ich nur eine Studie gefunden, an der 48 Menschen teilgenommen haben. Die Ergebnisse der Studie findet Ihr hier.

Ich würde daher wohl nicht alleine durch Hopfen auf eine angstlösende Wirkung vertrauen, doch macht es Sinn, wenn Hopfen in einem Kombinationspräparat enthalten ist.

Melisse

Bei uns wächst die Zitronenmelisse im Garten. Daher kann ich sagen, dass ein frisch aufgebrühter Tee mit Melissenblättern richtig gut schmeckt, Und wenn er dann noch beruhigend wirkt, umso besser. Auch die Melisse wird gerne mit Baldrian, Hopfen oder Passionsblume kombiniert und zu Präparaten zusammengefasst.

Passionsblume

Die Passionsblume wirkt sich mit ihrer beruhigenden und spannungslösenden Wirkung ebenfalls positiv auf Angstzustände aus. Ihr wird übrigens ein ähnlicher Wirkmechanismus wie den Benzodiazepinen nachgesagt, ohne dass die Passionsblume abhängig macht. Andere pflanzliche Mittel gegen Angst wie Baldrian, Hopfen oder Melisse werden oft mit der Passionsblume kombiniert.

Es gibt einige Kobinationspräparate, die aus dreien dieser vier Heilpflanzen bestehen und ihre angstlösende Wirkung entfachen sollen. Hier sind zum Beispiel Sedacur Forte oder Vivinox Day Beruhigungsdragees zu nennen.

Kamille

Kamille hilft gegen Entzündungen und Magen-Darm-Erkrankungen. Das weiß jedes Kind. Doch Kamille hat auch eine beruhigende Wirkung. Als ich in Italien mal einen Kamillentee bestellt habe, stellte man mir die Tasse mit einem “Buona Notte” (deutsch: Schlaf gut) hin.

Kamillentee ist gesund und eine Tasse am Tag schadet ganz bestimmt nicht und wenn er gegen Angstzustände wirkt: Umso besser.

Hinweis: Auch pflanzliche Mittel gegen Angstzustände und Panikattacken können Nebenwirkungen haben. Daher solltet Ihr unbedingt die jeweiligen Packungsbeilagen beachten und ggf. mit Eurem Arzt darüber sprechen.

Cannabidiol (CBD-ÖL oder Kapseln) gegen Angst

In den letzten Jahren rückte der nicht bzw. kaum psychoaktive Teil der Hanfpflanze in den Fokus der medizinischen Forschung: Cannabidiol. Anders als THC löst das Cannabidiol keinen Rausch aus. Man muss hier also nicht fürchten, dass man einen Lachkrampf bekommt, dummes Zeug redet oder kaum noch etwas mitbekommt.

Während das THC beim Konsum von Marihuana nicht selten sogar Panikattacken auslöst, wird Cannabidiol eine angstlösende Wirkung zugetraut. Erste Studien legen zumindest den Verdacht nahe, dass sich CBD bei Menschen mit einer Sozialphobie, einer generalisierten Angststörung und bei posttraumatischen Belastungsstörungen positiv auswirkt, auch wenn die Versuchsgruppen bislang noch relativ klein waren, wie Ihr auf den Seiten dieser Arbeitsgemeinschaft lesen könnt.

Wenn Ihr nach “CBD-Öl”, “CBD-Kapseln” und dergleichen sucht, findet Ihr zahlreiche Shops, die Cannabidiol zum Kauf anbieten. Ich kann keine persönlichen Erfahrungen beisteuern. Wenn ich noch eine Angststörung hätte und auf der Suche nach einem alternativen Medikament gegen Angst wäre, würde ich es vielleicht auf einen Versuch ankommen lassen.

Ich würde darauf achten, dass der Hersteller aus der EU kommt. In Deutschland dürfen CBD-Produkte mit einem THC-Anteil unter 0,2% ohne Rezept verkauft werden. So ist sichergestellt, dass ein Rausch ausbleibt.

Dennoch solltet Ihr die Dosierungsempfehlung des Herstellers für das Cannabidiol nicht überschreiten. Ich würde vielleicht zunächst mit der Hälfte dieser Empfehlung starten und schauen, wie es mir damit ergeht. Fühlt Ihr Euch damit etwas ruhiger/ausgeglichener, weniger ängstlich oder aber eine Wirkung bleibt aus, dann könnt Ihr Euch an die Dosierungsempfehlung heranwagen.

Kava-Kava gegen Angst

Bei meinen Recherchen nach pflanzlichen Mitteln gegen Ängste bin ich auf eine sehr interessante Pflanze gestoßen: Kava Kava, auch Rauschpfeffer genannt. Die Pflanze, die mit dem schwarzen Pfeffer verwandt ist, wächst im pazifischen Raum. In den USA gibt es Kava-Bars, in denen die Bar-Besucher aus der Wurzel gewonnenes Pulver, mit Wasser oder Milch aufgegossen, zu sich nehmen.

Kava Kava hat eine nachgewiesenermaßen angstlösende Wirkung, wirkt beruhigend und leicht euphorisierend. In vielen Ländern dieser Erde wird der Rauschpfeffer als Medikament gegen Angst geschätzt. 2002 wurde es in Deutschland verboten, nachdem der Verdacht aufkam, dass es die Leber schädigen würde.

2014 verlor das Bundesinstitut für Arzeimittel und Medizinprodukte vor dem Verwaltungsgericht Köln (Urteil wurde vom Oberverwaltungsgericht NRW bestätigt). Seitdem ist Kava Kava in Deutschland wieder als Medikament zugelassen, ist allerdings verschreibungspflichtig.

Mein Urteil: Es ist manchmal schwierig, bei all den widersprüchlichen Informationen, die man zu Medikamenten findet, eine klare Meinung zu vertreten. Als Mittel gegen Angst klingt Kava Kava vielversprechend. Einiges deutet auf seine angstlösende Wirkung hin, die Nebenwirkungen und das Abhängigkeitspotential erscheinen mir im Vergleich mit Benzodiazepinen gering. Wenn ich auf der Suche nach einem geeigneten Mittel gegen Angst wäre, würde ich es wahrscheinlich auf einen Versuch ankommen lassen.

Angstlösende Medikamente Liste

Hier bekommt Ihr die hier besprochenen Mittel gegen Angst übersichtlich in einer Liste (Hinweis: Bei Verwendung eines Handy, halte dieses bitte quer, um die Liste vollständig zu sehen).

MedikamentengruppeMittel / Wirkstofferezeptfrei oder rezeptpflichtig? / Sonstige Hinweise
Serotonin-Wiederaufnahmehemmer – (Antidepressiva)Citalopram (am häufigsten verschrieben)
Mirtazapin
Fluoxetin
Fluvoxamin
Sertralin
Paroxetin
rezeptpflichtig, bei Angststörungen am häufigsten verordnete Gruppe von Medikamenten
Trizyklische AntidepressivaAmitriptylin
Opipramol
Clomipramin
Doxepin
Imipramin
Melitracen
Mianserin
Mirtazapin
Tianeptin
Trimipramin
rezeptpflichtig, werden weniger häufig bei Angststörungen verwendet als Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
BenzodiazepineLorazepam (z.B. Tavor)
Alprazolam (z.B. Xanax)
Bromazepam (z.B. Lexotanil)
Clobazam (z.B. Urbanyl)
Diazepam (z.B. Valium)
Oxazepam (z.B. Seresta)
Zolpizem (z.B. Stilnox)
rezeptpflichtig, hohes Abhängigkeitspotential
Opiaterezeptpflichtig, hohes Abhängigkeitspotential, werden nur noch selten bei Angststörungen verschrieben
homoöpathische Mittel gegen AngstArsenicum album
Aconitum napellus
Argentum Nitricum
Phosphorus
Calcium Carbonicum
rezeptfrei, eine angstlösende Wirkung konnte bislang nicht eindeutig belegt werden
BachblütenRote Kastanie
Kirschpflaume
Gefleckte Gauklerblume
Gelbes Sonnenröschen
rezeptfrei, eine angstlösende Wirkung konnte bislang nicht eindeutig belegt werden
Pflanzliche Mittel gegen AngstBaldrian
Hopfen
Melisse
Passionsblume
Kamille
rezeptfrei, wirken vor allem beruhigend und teilweise angstlösend, es existieren Kombipräparate wie Sedacur Forte oder Vivinox day
CannabidiolCBD-Öl
CBD-Tropfen
rezeptfrei, nicht psychoaktiver Teil der Cannabis-Pflanze, Wirkung wurde noch nicht eindeutig belegt
Kava-Kavarezeptpflichtig in Deutschland, erste Studien deuten auf angstlösende Wirkung hin, stand in Verdacht, Leberschäden hervorgerufen zu haben

Medikamente gegen Angst – Fazit

Bei einer Angststörung werden mitunter eine Vielzahl von angstlösenden Medikamenten eingesetzt, die dabei helfen können, Angstzustände und Panikattacken zu reduzieren.

Die schnellste Wirkung erzielen dabei Psychopharmaka (Benzodiazepine, Opiate und Antidepressiva). Diese Medikamente gegen Angst und Panikattacken greifen jedoch im Vergleich stark in die Prozesse in Deinem Gehirn ein. Ob man das in Kauf nimmt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Echte Antidepressiva ohne Rezept gibt es hierzulande nicht. Psychopharmaka müssen aus gutem Grund von einem Arzt verschrieben werden. Es gibt jedoch interessante Alternativen, die etwas sanfter wirken. In erster Linie sind hier pflanzliche Medikamente zu nennen, die beruhigend und angstlösend wirken. Für mich persönlich wäre das die erste Wahl. Außerdem finde ich Kava Kava als angstlösendes Mittel sehr interessant.

Daneben gibt es die Möglichkeit der Homöopathie und der Bachblüten. Wie bei dem immer mehr in den Fokus rückenden Cannabidiol konnte bislang jedoch keine wissenschaftliche Studie eine Wirkung nachweisen. Letztlich findet man nur heraus, ob es hilft, wenn man es ausprobiert, am besten gemeinsam mit einem Arzt oder Heuílpraktiker.

Ich hatte selbst eine Angststörung und habe mit Hunderten Menschen mit übermäßiger Angst und Panikattacken gearbeitet. Medikamente können bei einer Angststörung manchmal hilfreich sein. Doch egal, ob es sich um Psychopharmaka, pflanzliche Mittel gegen Angst oder Homöopathie handelt: Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es nicht ausreicht, irgendetwas einzunehmen. Tabletten und Co. können höchstens unterstützen, nicht alleine heilen. Mein kostenloses E-mail-Coaching zeigt Dir, was Du ansonsten tun solltest, um Angst und Panik zu überwinden. Klicke dazu hier.

Dieser Beitrag spricht sich weder für noch gegen Medikamente gegen Angst aus. Ziel war es, Dir einen groben Überblick über verschiedene Angststörung-Medikamente und deren Wirksamkeit zu geben, sodass Du selbst ein wenig besser einschätzen kannst, welche Möglichkeiten es bei der medikamentösen Behandlung von Angststörungen gibt.

Vielen Dank an Philip Fischer für seine fachmännische Unterstützung bei diesem Beitrag.

PS: Ich halte nichts von Benzos (Tavor etc), wie Du hier lesen kannst. Antidepressiva können bei einer Angststörung durchaus hilfreich sein, auch wenn ich mich persönlich gegen die Einnahme von Antidepressiva entschieden habe. Warum, wieso, weshalb, erfährst Du hier.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde nach bestem Wissen und Gewissen von einem medizinischen Laien erstellt und ersetzt nicht den Arztbesuch oder die Meinung eines Mediziners. Der Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, er wurde in der Absicht verfasst, dass sich Menschen mit einer Angststörung über mögliche Medikamente gegen Angst informieren können.

Sebastian D. Kraemer

Sebastian D. Kraemer

Als ehemaliger Angstpatient helfe ich seit sieben Jahren Menschen mit übermäßiger Angst und Panikattacken auf ihrem Weg aus der Angststörung. Mehr als 20.000 Menschen nehmen an meinem kostenlosen E-Mail-Coaching teil und ich freue mich über jeden einzelnen, dem ich zu einem angststörungsfreien Leben verhelfe.

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1 Kommentar

  1. 17. Mai 2017

    […] Medikamente gegen Angst- das solltest Du wissen […]

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