Panikattacken manifestierten sich

Die Tage nach meiner ersten Panikattacke stand ich mehr schlecht als recht durch. Immer wieder tauchten diese nervenden Panikattacken auf, sobald ich die Kantine betrat.

Meine erste Panikattacke sollte nur eine von unzähligen weiteren sein. Je mehr ich mich dagegen wehrte, umso schlimmer wurde es. Heute weiß ich das Bekämpfen dieser Angst kontraproduktiv war. Ich brauchte allerdings lange, um das zu verstehen. Mehr und mehr fing ich an Ausreden zu erfinden, weshalb ich nicht mit essen gehen konnte. “Ich lasse heute mal das Frühstück ausfallen, da ich bereits zu Hause gegessen habe und keinen Hunger mehr habe. Ich gehe heute später Mittag essen, ich muss hier eben noch etwas fertig machen.” Ich konnte jedoch nicht völlig vermeiden mit meinen Kollegen essen zu gehen.

Zunächst bekam ich meine Panikattacken nur in der Kantine. Mehr und mehr betraf es allerdings auch andere Situationen. Das erste Mal außerhalb der Kantine hatte ich eine Panikattacke in einem Einzelgespräch mit meiner Vorgesetzten. Die Angst vor der Angst schlich meinen Nacken empor.

Ich dachte nur “Hoffentlich wird dir jetzt nicht schwindlig! Du darfst jetzt nicht umkippen!” (obwohl ich ja bis heute niemals umgekippt bin). In diesem Gespräch konnte ich mich kaum auf mein Gegenüber konzentrieren. Zu sehr war ich damit beschäftigt die Panikattacke zu unterdrücken, was alles nur noch schlimmer machte.

Einige Wochen später durfte ich mein erstes Vorstellungsgespräch selbständig führen. Am Anfang lief alles gut, bis die mir mittlerweile vertrauten Gedanken aufkamen und die Angst vor der Angst mich übermannte.

“Hoffentlich geht es nicht wieder los. Das wäre ja extrem peinlich, wenn du das Gespräch jetzt abbrechen musst oder du vor dem Bewerber ohnmächtig wirst.” Und schon ging es los: Schwindel, ich bekam kaum noch Luft (zumindest bildete ich mir das ein), Schweißausbrüche, innerliche Unruhe, der Puls beschleunigte sich, ich hatte einfach Angst! Wie fremd gesteuert stellte ich meine Fragen, mir fiel es sehr schwer mich zu konzentrieren, aber irgendwie stand ich das durch.

So ging es Tag für Tag. Ich schaffte das alles irgendwie und dachte dass diese Panikattacken schon irgendwann vorbei gehen würde, wenn ich derartige Situationen immer wieder durchleben würde.  Während des gesamten Praktikums brachte ich meine Leistung. Am meisten überraschte mich, dass niemand außer mir meine Panikattacken zu bemerken schien. Ich merkte allerdings mehr und mehr wie viel Energie mir diese Panikattacken raubten.

Eines Tages stieg ich nach Feierabend in mein Auto ein, das den ganzen Tag in der Sonne gestanden hat. Die Luft war heiß und stickig und ich hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen.

Ich wusste selbstverständlich, dass das Quatsch war. Die Luft war ja nur warm und nicht sauerstofffrei. Das verhinderte meine nächste Panikattacke jedoch nicht. Die Angst vor der Angst machte sich bemerkbar. Ich fing an zu hyperventilieren, war innerlich total unruhig, zappelte während des Autofahrens herum und fasste mir ständig an den Kopf. Zu Hause angekommen war ich fix und fertig.

Meistens hatte ich die Panikattacken nur in Situationen, in denen ich mit Menschen zusammen war, vor denen mir eine Panikattacke besonders peinlich gewesen wäre: Vor Kollegen, Bewerbern, in Vorstellungsgesprächen, vor Freunden.

Schlimm war es auch im Kino oder Theater. War ich auf einer Party eingeladen, so ging es mir immer total beschissen, bis ich genug Alkohol getrunken hatte. Das entspannte mich und ich kümmerte mich weniger darum, was mein Umfeld von mir denken könnte.

Das kann jeder nachvollziehen, der einmal  betrunken auf nem Tisch getanzt hat, in der Öffentlichkeit anfing zu strippen oder sonst irgendwelchen Blödsinn gemacht hat, der einem nüchtern nicht im Traum einfallen würde.  Man kümmert sich eben weniger um sein Image. Als ich das realisierte war ich mir fast einhundertprozentig sicher, dass hier ein psychisches Problem (Panikattacken bzw. eine Panikstörung) vorlag. Würde eine körperliche Ursache vorliegen, so würde Alkohol die Panikattacken wohl nicht unterdrücken.

Beim Autofahren hatte ich zunächst nur Probleme, wenn es heiß war. Eines Tages fuhr ich mit zwei Manschaftskameraden zum Fußballspiel. Ich war den Abend  zuvor auf einer Party gewesen und mir ging es nicht besonders gut. Plötzlich bekam ich eine Panikattacke. Ich bat meinen Manschaftskameraden anzuhalten, da mir schlecht sei. Ich sagte ihm, ich könne heute nicht mitspielen und lasse mich von meiner Freundin abholen, was sie auch tat. Allerdings musste sie alle paar Minuten anhalten, da ich immer wieder anfing zu hyperventilieren, die Angst vor der Angst, diese Panikattacken hatten mich nun vollends im Griff.

Meine Panikattacken hatten sich damit auch aufs Autofahren ausgeweitet. Einmal musste mich meine Freundin sogar auf der Autobahn aussteigen lassen. Ich bin anschließend über die Böschung bis zur nächsten Autobahnbrücke gelaufen. Ich konnte einfach nicht mehr bis zur nächsten Ausfahrt warten. Ich war mir die ganze Zeit bewusst, dass sich mein Verhalten jeglicher Logik entbehrte. Ich habe mich bislang immer als Kopfmensch gesehen und wusste selbst nicht wie ich das in den Griff bekommen sollte. Ich schämte und hasste mich für diese Panikattacken! Was sollte ich nur tun?

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