April 20

Angststörung: ich will das nicht mehr…

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…Aber was willst Du dann? Mit einer Angststörung ist alles schwieriger. Angst und Panikattacken sind kraftraubend und wenn Angstzustände mit Todesangst einhergehen, ist es noch viel schlimmer. Eine Angststörung fühlt sich manchmal an, wie die Hölle auf Erden. Und so gilt es als selbstverständlich, dass man die Angststörung überwinden will. Wer lebt schon gerne damit? Wer würde diese nicht gerne loswerden und darum ist es doch klar, dass man das alles nicht mehr will. Oder?

In diesem Beitrag soll es darum gehen, aus welchen 3 Gründen es sinnvoll ist, dass Du Dich ganz konkret damit befasst, wie Dein Leben ohne Angststörung aussehen würde.

Neulich im Coaching

Im Coaching frage ich die Leute oft, weshalb sie zu mir kommen und die Antwort ist dann meist: „Weil ich die Angststörung loswerden will. Ich will das alles nicht mehr.“

„Aber was willst Du dann?“

„Ein Leben ohne diese ständige Angst.“

„Wie sieht denn so ein Leben aus?“

„Ganz normal halt. Arbeiten, Freunde treffen, in den Urlaub fahren, Sport treiben, mit meinen Kindern Ausflüge machen, Essen, Kino, Einkaufen, Bus und Auto fahren und das alles ohne Angst wie andere Leute auch.“

„Und was wäre dein größter Wunsch? Was würdest Du machen, wenn Du keine Angst hättest.“

„In den Urlaub fahren.“

„Wohin?“

„Egal, wohin!“

„Hast Du kein konkretes Ziel?“

Nach langem Überlegen: „Nach Andalusien, da war ich vor zehn Jahren schon einmal und da will ich so gerne noch einmal hin!“

Wenn wir uns auf das konzentrieren, was wir NICHT wollen, machen wir genau das stärker

Warum frage ich so detailliert nach?

Die meisten Menschen haben keine konkrete Vorstellung davon, wie ihr Leben ohne Angststörung aussehen. Sie wissen nur ganz genau, was sie NICHT mehr wollen.

Wenn wir uns jedoch darauf konzentrieren, was wir nicht wollen, konzentrieren wir uns genau auf das, was wir loswerden wollen. Damit machen wir die Angststörung zum Zentrum der Betrachtung und machen das Problem stärker.

Das ist einer der Gründe, weshalb es sinnvoll ist, sich genau vorzustellen, wie das Leben ohne Angststörung aussehen würde.

Was motiviert Euch auf dem Weg aus der Angststörung weiterzumachen?

Es gibt aber noch weitere Gründe dafür, warum wir uns konkret damit auseinandersetzen sollten, WAS wir denn wollen. Wie genau sähe ein gutes Leben für uns aus?

Wenn es darum geht, was der größte Wunsch wäre, wenn die Angststörung einem keinen Strich mehr durch die Rechnung machen würde, dann haben wir ein detaillierteres Bild im Kopf.

Dieses Bild lässt sich dadurch verstärken, indem wir uns ganz konkret dieser Vorstellung widmen. Wo bist du? Was tust Du? Was siehst du? Wie riecht es? Und vor allem: Wie fühlt sich das an?

Wenn wir im Coaching diese Übung machen, dann sitzt mein Gegenüber dort mit geschlossenen Augen und meist verziehen sich die Mundwinkel zu einem freudigen Grinsen. Dann weiß ich, dass dieses Ziel dazu in der Lage ist, zu motivieren. Und das ist wichtig.

Man mag sich auf den ersten Blick wundern, warum es um Motivation geht, wenn man Angst und Panikattacken überwinden will. Der Weg aus der Angststörung ist anstrengend und manchmal schmerzvoll. Denn wir müssen uns auch mit unangenehmen Dingen auseinandersetzen. Beispielsweise mit wichtigen Entscheidungen und einschneidenden Veränderungen, von denen wir nicht genau wissen, wohin sie uns führen werden. Und das ist alles andere als einfach.

Hinzu kommt, dass dieser Weg mit Aufs und Abs verbunden ist und man sich manchmal fragst: „Wozu das Ganze“. Zweifel kommen auf, ob man jemals da herauskommt und ob sich das alles überhaupt lohnt.

Und in diesen Situationen sollten wir etwas haben, das uns motiviert weiterzumachen. Und das kann nichts sein, was wir NICHT wollen. Es motiviert uns nur etwas, DAS wir wollen.

Man möge meinen, dass man ausreichend motiviert sein sollte, da das Leben mit einer Angststörung manchmal wirklich die Hölle sein sollte. Dabei verkennt man, wie leidensfähig wir Menschen sein können.

Erstelle eine Collage aus Bildern, die Dich motivieren.

Darum empfehle ich Dir, in Dich zu gehen und diese Übung zu machen. Was willst Du ganz konkret? Wie sieht das Leben ohne Angststörung aus? Was ist Dein größter Wunsch? Wo bist Du? Was tust Du? Was siehst Du? Was riechst Du? Was schmeckst Du und was fühlst Du?

Und dann schaust Du im Internet nach Bildern, die dieses Ziel zum Ausdruck bringen, bastelst eine Collage daraus und hängst sie dort auf, wo Du sie immer mal wieder vor Augen hast.

Kurzer Hinweis: Es ist weiterhin hilfreich, Dir aufzuschreiben, wie Du gerne sein willst. Entspannt, voller Selbstvertrauen etc. Schließlich führt ein Leben, in dem wir AUSSCHLIEßLICH danach streben, irgendwelche Ziele zu erreichen, meiner felsenfesten Überzeugung nach nicht zu einem glücklichen Leben. Doch einerseits sind Ziele anders als Werte und Eigenschaften leichter in Bilder zu verpacken, andererseits sind Ziele und deren Verwirklichung ein wichtiger Bestandteil eines glücklichen Lebens.

Ohne konkret zu wissen, wie unser Leben ohne Angststörung aussieht, lassen wir die Angststörung nicht gehen

Neben dem Motivationsaspekt und der Tatsache, dass es wenig sinnvoll ist, sich immer nur auf die Angststörung zu fokussieren, gibt es einen weiteren Aspekt dafür, warum wir uns möglichst konkret damit befassen sollte, wie ein Leben ohne Angststörung aussieht.

Es ist viel einfacher, zu sagen, was man nicht will, als sich darüber klar zu werden, was man will. Und ich erlebe es häufig, dass viele überhaupt nicht wissen, was sie für ein Leben führen wollen. Das ist aus zwei Gründen problematisch:

  1. Wenn man für sich nicht die Frage beantwortet, was man für ein Leben führen will, kann es sein, dass man die Angststörung in Kauf nimmt. Schließlich muss man sich nicht mit dieser schwierigen (aber auch alles entscheidenden) Frage befassen. Das alles geschieht natürlich unbewusst.
  2. Eine Angststörung nimmt viel Zeit im Leben eines Betroffenen ein. Leidet man beispielsweise an Hypochondrie, der Angst vor Krankheiten, dann hört man ständig in sich hinein, misst vielleicht oft Blutdruck, recherchiert im Internet nach möglichen Ursachen für Symptome und besucht oft den Arzt. Wenn man die Angststörung überwunden hat, dann wird eine ganze Menge Zeit frei und man sollte wissen, wie man diese Zeit füllen wird.

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Fazit

Du weißt sicher, was Du nicht willst, aber weißt Du auch, was Du stattdessen willst?

Es reicht nicht aus, zu wissen, dass man einfach ohne Angststörung leben will. Aus oben genannten Gründen empfehle ich Dir, Dich ganz konkret damit zu befassen, was Du willst.

Wie sähe Dein Leben ohne Angststörung aus? Was würdest Du tun? Was ist Dein größter Wunsch und wie würdest Du Dich fühlen?

Ich würde mich freuen, wenn Du die Kommentarfunktion nutzt und uns mitteilst, was dabei herausgekommen ist. Ich gebe Dir gerne Feedback dazu, damit Du weißt, ob Du auf dem richtigen Weg bist.

 


Tags

Angst und Panikattacken, Angststörung, Hypochondrie, Panikattacken


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    • Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich bin kein Psychologe, sondern war selbst betroffen. Ich weiß also sehr gut, wie das ist, wenn man eine Angststörung hat. Dass es „easy“ ist, sage ich ganz sicher nicht. Der Weg aus der Angststörung ist meist anstrengend und bisweilen sogar schmerzhaft, doch es lohnt sich, diesen zu gehen.

  • Das schlimmste ist, wenn man mit einer Angststörung wie Hypochondrie zu viele freie Zeit hat. Deshalb Stimme ich voll und ganz zu, dass es eine sehr wichtige Überlegung ist, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Diese Überlegung gehört definitiv zur Therapie!!!!

  • Wow, der vielleicht beste Beitrag, den ich je zu Angststörungen gelesen habe. Ich werde die Übung in jedem Fall machen und dann mitteilen, was dabei rausgekommen ist.

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