Neue Studie zum Thema Angststörung mit überraschenden Ergebnissen

Angststörung Studie

Angststörung Analyse

In der Fachzeitschrift “Brain and Behavior” wurden jetzt die Ergebnisse von 48 Studien im Zusammenhang mit der Thematik “Angststörung” veröffentlicht, mit zum Teil überraschenden Ergebnissen.

Wie lassen sich die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, Altersgruppen und Regionen erklären? Leiden Frauen wirklich häufiger an einer Angststörung?

Werfen wir kurz einen Blick auf die Kernaussagen, bevor ich diese kritisch würdige.

Kernaussagen

  • Frauen sind fast doppelt so häufig von einer Angststörung betroffen wie Männer.
  • Unter 35-jährige leiden öfter darunter.
  • Chronisch Kranke haben häufiger eine Angststörung. So ist die generalisierte Angststörung unter Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung mit über 10 % recht verbreitet. Sogar fast jeder Dritte an Multiple Sklerose Erkrankte weist Anzeichen einer Angststörung auf.
  • Schwangere Frauen scheinen kurz vor und nach der Geburt besonders anfällig zu sein.
  • In Nordamerika und Europa sind Angststörungen weiter verbreitet als in Asien.
  • Bei älteren Menschen tritt die generalisierte Angststörung besonders häufig auftritt. Agoraphobie ist im Vergleich zu anderen Altersgruppen eher selten zu beobachten.

Erklärungsansätze der Forscher

Warum bestimmte Bevölkerungsgruppen anfälliger für eine Angststörung ist, wurde bislang nicht erforscht. Hier gibt es nur Theorien.

Möglicherweise könnten Hormonschwankungen bei Frauen einen Erklärungsansatz dafür bieten, dass sie häufiger an einer Angststörung erkranken. Auch könnte eine mögliche Ursache für das vermehrte Auftreten einer Angststörung bei Frauen sein, dass sie generell anfälliger für Stress sind.

Ein weiterer Erklärungsansatz der Forscher ist, dass Männer sich seltener Hilfe holen und daher nicht von der Statistik erfasst werden.

Menschen in Nordamerika und in Europa haben auf den ersten Blick deutlich häufiger mit einer Angststörung zu kämpfen. Als Erklärungsansatz für diesen kulturellen Unterschied dient das größere Tabu, beispielsweise in asiatischen Ländern. In westlichen Ländern zeigt man sich gegenüber dem Auftreten von psychischen Problemen inzwischen aufgeschlossener.

Die Ergebnisse kannst du im Einzelnen hier nachlesen.

Kritische Würdigung

Laut der Analyse von 48 Studien leiden mehr als 8 % der EU-Bevölkerung binnen eines Jahres an einer Angststörung. Der Erklärungsansatz der Forscher für das häufigere Auftreten einer Angststörung bei Frauen impliziert eine hohe Dunkelziffer. Schließlich scheinen Menschen, die sich keine Hilfe holen, nicht erfasst zu werden.

Auch der Hinweis, dass Angststörungen in asiatischen Ländern ein größeres Tabu sind und deshalb (scheinbar) weniger häufig Angststörungen auftreten, deutet darauf hin. Auch könnte das erklären, weshalb jüngere Menschen auf den ersten Blick häufiger erkrankt sind. Könnte es nicht sein, dass eine psychische Erkrankung für ältere Menschen allenfalls ein größeres Tabu darstellt?

Der Anteil der Menschen, die an einer Angststörung leiden, wird daher deutlich höher sein. Das belegt auch ein etwas ältere Studie, über die ich hier schon einmal berichtet habe. Danach leiden sogar 14 % aller Europäer binnen eines Jahres an einer behandlungsbedürftigen Angststörung.

Auch bezweifle ich, dass Frauen so viel häufiger an einer Angststörung leiden als Männer. PSOG.de wird übrigens mehrheitlich von Männern besucht (etwa 60%). Die Teilnehmer meiner Facebook-Gruppe hingegen sind zu 75 % weiblich. Auch das spricht dafür, dass Männer ihre Angststörung eher verheimlichen als Frauen, nicht aber unbedingt weniger häufig darunter leiden.

Theorie hier, Theorie da…

Diese Ergebnisse zeigen mir einmal mehr, dass die Wissenschaft ganz, ganz viel einfach nicht weiß, wenn es um das Auftreten, die Ursachen und die Heilung von einer Angststörung geht.

Die Wissenschaftler der Studie kritisieren im Übrigen ebenfalls, dass Angststörungen im Gegensatz zu Depressionen kaum erforscht werden. Dabei beziffern sich die Kosten auf viele Milliarden Euro. Daher macht es allein aus ökonomischen Gründen schon Sinn, mehr Geld in die Forschung zu investieren.

Ganz egal, ob es tatsächlich 8%, 10%, 14% oder noch weit mehr Menschen sind, die an einer Angststörung leiden. Es sind viele Millionen Betroffene und damit zu viele.

Wenn du an einer Angststörung leidest, dann gehörst du also keiner seltene Spezies an, auch wenn dieser Eindruck manchmal entsteht, da immer noch Wenige offen damit umgehen. Frauen sind vielleicht offener als Männer, Nordamerikaner und Europäer offener als Asiaten und jüngere Menschen offener als ältere und doch ist es nur ein kleiner Teil.

Und dass so viele Menschen verstehen, was du durchmachst, wenn du an übermäßiger Angst leidest, ist doch auch irgendwie tröstlich. Auf der anderen Seite solltest du dich nicht damit zufrieden geben, nach dem Motto “Dann bin ich ja in guter Gesellschaft”.

In meinem kostenlosen E-Mail-Coaching gebe ich dir immer wieder Tipps, die dir dabei helfen sollen, Angstzustände und Panikattacken zu überwinden. Melde dich gleich hier an, wenn du magst. Ich würde mich jedenfalls freuen, dich gleich begrüßen zu dürfen.

 

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2 Kommentare

  1. Sören sagt:

    Ich glaube auch, dass die Unterschiede zwischen Männern und Frauen daher kommen, dass einfach nicht so viele Männer vom System erfasst werden. Männer neigen dazu, sich nicht in Therapie zu begeben. Wir denken, dass wir das mit der Angststörung schon alleine wieder schaffen.

  2. Kirsten sagt:

    Interessanter Beitrag. Da sieht man, wie viele Leute an einer Angststörung erkrankt sind. Tut irgendwie gut zu wissen, auch wenn ich so etwas niemandem gönne!

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