Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie?

Zunächst einmal muss man überlegen, ob man eine Verhaltenstherapie oder eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie bevorzugt. Ich will einmal versuchen, diese beiden Therapieformen zu beschreiben, ohne Fachchinesich zu verwenden.

Letztlich gibt es natürlich sehr viel mehr darüber zu sagen. Schließlich gibt es dicke Bücher darüber, welche die tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie und die Verhaltenstherapie beschreiben. Weiterführende

Tiefenpsycholgisch fundierte Psychotherapie

Die Tiefenpsychologie geht auf Sigmund Freud zurück, der die Psychoanalyse entwickelt hat, die einen wichtigen Teil der Tiefenpsychologie darstellt. Auch andere bekannte Psychologen, wie Carl Gustav Jung haben sich mit dieser Theorie befasst.

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist jedoch nicht gleichzusetzen, mit der von Freud entwickelten Psychoanalyse, sondern ist als Weiterentwicklung davon zu sehen. Bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie wird sich vor allem auf das Unterbewusstsein konzentriert. Der Therapeut lässt den Patienten frei erzählen. Auf diese Weise wird versucht, sich das Unbewusste bewusst zu machen. Es wird vor allem nach der Ursache der psychischen Erkrankung gesucht und sich im Wesentlichen auf die Vergangenheit konzentriert, da hier die Ursache zu finden ist.

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie beginnt mit der so genannten Verhaltensanalyse, die sich heutzutage jedoch nicht nur auf das Verhalten des Patienten beschränkt, sondern auch Gedanken und Gefühle berücksichtigt. Bei der Verhaltenstherapie werden in der Regel bestimmte Ziele vereinbart, und Aufgaben gestellt, die der Patient ausführen soll. Die Verhaltenstherapie ist eher zukunftsorienitiert.

Je nach Art der psychischen Erkrankung kann auch eine Konfrontation mit seinen Ängsten sinnvoll sein. Der Patient erhält bei der Verhaltenstherapie wesentlich mehr Anweisungen und konkretere Hilfestellungen, als bei der tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapie. Die “Hilfe zur Selbsthilfe” steht im Vordergrund der Therapie.

Meine persönliche Meinung

Ich habe sowohl mit der Verhaltenstherapie, als auch mit der tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapie meine Erfahrungen gemacht. Die folgende Ausführungen schildern meine persönlichen Erfahrungen.

Bei der Verhaltenstherapie habe ich sehr viel schneller Fortschritte gemacht, als bei der tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapie. Die tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie hat mir allerdings dauerhaft sehr viel besser geholfen.

Bei der Verhaltenstherapie wurde sich wesentlich mehr auf die Symptomatik konzentriert, auch wenn die Ursachen nicht vollständig außen vor gelassen wurden.

Ich habe durch die Verhaltenstherapie gelernt mit meinen Panikattacken, meiner Hypochondrie etc. umzugehen und wurde soweit wieder hergestellt, dass ich für mehrere Wochen allein nach Kanada gehen konnte. Mit der Zeit ging es mir allerdings wieder schlechter.

Bei der tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapie ließen die ersten Fortschritte etwas länger auf sich warten. Als ich allerdings die Ursache(n) erkannt habe, und daraus die für mich richtigen Schlussfolgerungen gezogen hatte, war ich fast augenblicklich geheilt. Für manche schwer vorstellbar, aber so war es, wie man auch in meinem Buch “Exfreundin Angst” lesen kann.

Es ist leider nahezu unmöglich, einen ambulanten Therapeuten zu finden, der sowohl die Techniken der Verhaltenstherapie, als auch der tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapie beherrscht. In der psychosomatischen Klinik, in der ich für sechs Wochen zu Gast war, wurden beide Ansätze miteinander kombiniert.

Da sowohl die tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie, als auch die Verhaltenstherapie ihre Vor- und Nachteile aufweist, halte ich eine Kombination beider Therapieformen letztlich für sinnvoll. Von daher sollten Sie darüber nachdenken, ob ein Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik nicht auch für Sie in Betracht kommt.

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11 Kommentare

  1. Celia sagt:

    Hallo,
    dein Artikel ist sehr schön kurz und prägnant, jedoch hast du einen Fehler in deiner Wortwahl. Dein Fehler bezieht sich auf das Wort Unterbewusstsein. Dieses Wort existiert nur in der Umgangssprache und heißt aber fachlich korrekt Unbewusstsein.
    Die Erklärung hierfür lautet: das Unbewusste liegt nicht “unter” dem Bewusstsein, sondern existiert im UN-bewussten Teil unserer Psyche, und heißt daher nicht Unterbewusstsein.
    lg

  2. Michael Schulze sagt:

    Verhaltenstherapie ist für mich eher eine Erziehungstherapie und keine Psychotherapie. Deshalb glaube ich auch nicht, dass sie demjeigen, der tiefliegende Probleme hat, helfen kann. An Erziehung oder durch sie ist er ja gerade immer wieder gescheitert. Erziehung ist letztlich alles, worauf wir als Menschen von Anfang an stoßen. Und in aller Regel, möchte ich schon fast sagen, will diese Erziehung uns nach ihrem Bilde und Willen und für ihre Zwecke ändern, formen. Dabei nimmt sie kaum Rücksicht auf das, was für uns wichtig ist. Daraus enstehen die Probleme, die dann später witzigerweise mittels Verhaltenstherapie behoben werden sollen. Das kann nicht klappen, jedenfalls kann das niemals zur Gesundung der Seele und somit zum Glück desjenigen beitragen, der Hilfe sucht.

    Michael

  3. Laura sagt:

    Wie heißt die Klinik, in der du warst und wo liegt sie?

  4. (HB)-Frauchen sagt:

    Vielen Dank für die Mühe jetzt weiss ich 1. Wo ich weiter suchen muss und 2. Warum ich wieder suchen muss. 🙂 Manchmal ist es besser den längeren Weg zu nehmen, als zu schnell alles zu wollen. Auch ein langer Weg hat seine schönen und schlechten Seiten.. ( Wer Berge liebt muss mit Abgründen rechnen. ) Ohne das Eine kann es das Andere nicht geben.

  5. Danke für die informative Schilderung!
    Ich denke das Leute ,denen es bevor steht aus diesem Beitrag kraft dafür schöpfen können.
    zB. Menschen mit starker Sozialer Phobie, haben wirklich ein starkes Problem, welches auch als Muster schwer zu knacken ist!
    Zu den langen Wartezeiten… ja was soll man da noch sagen :/

    Gruß, Rainer

  6. Henrik sagt:

    Hi Sebastian,

    wollte nur mal anmerken, dass deine Ausführungen zur Tiefenpsychologie nicht ganz korrekt sind. Die Beschreibung passt eher zur Psychoanalyse, die ja auch noch angewandt wird. Die Tiefenpsychologisch fundierte Therapie befasst sich im Gegensatz zur Psychoanalyse mehr mit dem Hier und Jetzt. Aktuelle Konflikte stehen imm Vordergrund. Dabei versucht man allerdings die Ursachen bzw. EInflüsse aus der Vergangenheit zu erkennen.

    Habe mal einen TP-Therapeuten gehabt, der allerdings nur alle 4-6 Wochen einen Termin hatte. Am meisten habe ich mir selbst geholfen durch Achtsamkeitstraining, Psychologie Literatur (sehr viel), und letztlich hat ein von dir empfohlenes Buch dann der ANgststörung den Rest gegeben.

    Allerdings falle ich unregelmäßig in depressive Phasen. Diese Phasen waren der Ausgangspunkt. Erst dann kam die Angst. Angst habe ich besiegt aber jetzt stehe ich vor dem richtigen Haufen.

    Und den werde ich jetzt in einer richtig TP Therapie angehen. Ich hoffe, dass mir das weiterhelfen wird. Vieles habe ich bereits verstanden, aber trotzdem kommen einige Symptome, die ich nicht begreifen kann. Eine VT würde mir denke ich nicht viel bringen, denn auf Verhaltensebene lasse ich mich durch die Gefühle kaum beeinflussen. Ich konfrontiere mich mit meinen Ängsten, bin also mutig und ich gehe meinen Bedürfnissen nach trotz Schuldgefühlen (die unangemessen sind). Durch die Achtsamkeit kann ich es an guten Tagen schaffe, dass es mir normal geht. Allerdings kommt es irgendwann wieder hoch, besonders bei Stress, Alkohol oder Schlafmangel.

    LG

  7. Lüneburg sagt:

    Vielen Dank schon einmal für die Seite und für die Schilderung Deines Weges. Ich finde hierzu viele Parellelen in meinem Leben, da ich seit mehreren Jahren in genau diesen Spannungsfeldern lebe. Jung, studiert, beruflich erfolgreich aber privat ein Wrack, ständige innere Unruhe, Angst, Herzrasen, Schlafstörungen, keine Freude mehr empfinden können, total sinnentleert und zu viel Alkohol etc. In den letzten 3 Jahren hat sich meine Lage extrem zugespitzt und ich halte es nun nicht mehr aus. Es macht mich wahnsinnig und zerreißt mich. Aus diesem Grund muß ich mir zügig Hilfe von außen holen. Leider weiß ich nicht genau, wie ich möglichst schnell einen passenden Psychologen/ Thrapeuten finden kann.

    • Sebastian sagt:

      Hallo,
      zunächst einmal würde ich mit Deinem hausarzt sprechen und ihn auch von der Dringlichkeit der Therapie überzeugen. Zusätzlich kannst Du Dich an Deine Krankenkasse wenden und selbst im Internet recherchieren. In vielen Städten gibt es ein sogenanntes “Psychosoziales Adressbuch”. Und ansonsten kannst Du über das Internet oder Telefonbuch Adressen finden und solltest selbst dort anrufen, von Deinem Problem schildern und Dich auf die Warteliste setzen lassen, denn oftmals sind die Wartezeiten leider relativ lang.

      Bei einem Therapeuten hast Du dann erst einmal 5 probatorische Sitzungen. Danach könnt ihr gemeinsam entscheiden, ob ihr weitermacht oder sich Eure Wege trennen, wenn beispielsweise die Chemie nicht stimmt…

  8. Psychotherapeut sagt:

    Danke für diesen informativen Beitrag!

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