Auch Ärzte haben Panikattacken

Ärzte PanikattackenImmer mehr Ärzte leiden an Burnout, Angststörung und Depressionen. Vor allem in den USA. Darüber berichtet die Welt.

In den Vereinigten Staaten beginnen Ärzte ihren Job mit hohen Schulden. Das erzeugt Druck, dem sich viele nicht gewachsen fühlen.

Und 83 % der Ärzte gehen auch dann arbeiten, wenn sie krank sind und eigentlich das Bett hüten sollten.

Der Arbeitstag ist oft lang, viele Patienten wollen behandelt werden und so bleibt für den einzelnen Patienten nicht viel Zeit übrig. Der Stress, der auf diese Weise entsteht, wird dadurch verstärkt, dass Ärzte Angst haben müssen, bei einem Behandlungsfehler verklagt zu werden.

Angststörungen, Depressionen und Burnout auch unter deutschen Ärzten verbreitet

Nicht nur in den USA sind psychische Störungen unter Ärzten auf dem Vormarsch, sondern in allen Industrieländern.

Alarmierende Zahlen findet man unter deutschen Klinikärzten. In einer Umfrage des Marburger Bundes gaben 59 % der Mediziner an, psychisch belastet zu sein. Eine extrem hohe Zahl.

Hohes Arbeitspensum und stressiger Job

Das hohe Arbeitspensum unter Ärzten ist sicher ein Faktor für derart erschreckende Zahlen. Bei Arbeitswochen von bis zu 80 Stunden bleibt kaum Zeit für Erholung.

Mein Tipp: Ein hohes Arbeitspensum ist nicht immer ein Problem. Zum Problem wird es dann, wenn man sich keine Auszeiten gönnt und keinen Ausgleich zum oftmals stressigen Job schafft.

Regelmäßiger Urlaub trägt sicher dazu bei, sich vom stressigen Beruf zu erholen. Es ist darüber hinaus zudem entscheidend, neben dem Arbeitsalltag den Kopf frei zu bekommen. Dazu geht man am besten Leidenschaften nach, die dafür sorgen, dass man für den Moment nicht an die Arbeit denkt.

Vor allem sportliche Betätigung scheint ratsam, da Körper, Geist und Seele dabei wunderbar entspannen können. Und natürlich können auch Entspannungstechniken wie die progressive Muskelentspannung, Yoga oder Autogenes Training helfen.

Dazu gibt es viele weitere Möglichkeiten der Entspannung, zu denen all das gehört, was man im Allgemeinen als Hobby bezeichnet: Gartenarbeit, puzzeln, angeln, musizieren, malen…

Wichtig ist, dass man das gerne tut, dass man sich für den Moment nur darauf konzentriert und dass man das REGELMÄßIG macht.

Schämen sich Ärzte, wenn sie Hilfe brauchen?

Zum anderen befürchte ich, dass Mediziner sich erst sehr spät Hilfe holen. Möglicherweise glauben sie, sich selbst therapieren zu können. Schließlich sind sie vom Fach. Dazu passt auch, dass nur etwa 20 % aller Ärzte einen eigenen Hausarzt haben.

Außerdem könnten Ärzte möglicherweise Angst vor den Folgen zu haben, wenn sie psychische Probleme offenlegen. Eventuell würde in einigen Fällen ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden und das wiederum kann die eigene Existenz bedrohen.

Einer meiner ehemaligen Klienten beispielsweise ist Zahnarzt. Und seine Panikattacken waren existenzgefährend, da er regelmäßig das große Zittern bei der Arbeit bekam.

In derartigen Fällen erhöht sich der Druck auf den Arzt enorm, die Angststörung möglichst schnell zu überwinden und dieser Druck ist alles andere als förderlich, wenn es um die Überwindung einer Angststörung geht.

Es ist für niemanden leicht, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht. Das gilt wohl in besonderem Maße für Ärzte und Psychologen. Schließlich ist man vom Fach und das Eingeständnis Hilfe zu brauchen, könnte als Gefühl des Scheiterns (fehl-)interpretiert werden.

Halbgötter in weiß oder was?

Im Volksmund spricht man gerne von “(Halb-)göttern in Weiß”. Auch wenn ich tiefen Respekt vor der Arbeit von Ärzten habe, habe ich das nie so gesehen. Vielleicht weil ich Mediziner im Freundes- und Bekanntenkreis habe. Vielleicht weil ich als ehemaliger Hypochonder schon so viel mit Ärzten zu tun hatte.

Für mich sind Ärzte Menschen mit einem schönen, interessanten und wichtigen Beruf. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Und doch war ich zunächst ein wenig überrascht als sich der erste Arzt hilfesuchend an mich gewandt hat und ich war auch ein wenig angespannt.

Doch natürlich sind auch Ärzte nur Menschen und vor psychischen Problemen keinesfalls geschützt. Wenn man sich die Zahlen anschaut, scheint sogar das Gegenteil der Fall zu sein.

Sollten es Ärzte und Psychologen nicht besser wissen?

Ärzte und Psychologen können sicher für sich selbst die richtige Diagnose stellen. Und anschließend werden sie Fachbücher lesen und wissen dann ganz genau, was körperlich passiert, wenn man Angst bekommt.

Ich sage es gerne immer wieder: Dieses Wissen kann dabei helfen, zu akzeptieren, dass eine psychische Erkrankung vorliegt. Und dieses Wissen kann dazu beitragen, dass man ein wenig die Angst vor der Angst selbst verliert. Dieses Wissen allein löst die dahinter verborgenen Probleme jedoch nicht.

Und selbst wenn sich über diese Probleme im klaren ist, braucht es manchmal eine helfende Hand, die unterstützt und anleitet.

Und aus zuvor genannten Gründen fällt es dem einen oder anderen Arzt sehr schwer, sich einem Kollegen anzuvertrauen. Daher wundert es mich längst nicht mehr, dass sich auch Ärzte an mich wenden.

Ich beziehe meine Kenntnisse nicht (nur) aus Fachbüchern. Ich war selbst betroffen, mein Lehrer war das Leben und man könnte sagen, dass ich “Experte wider Willen” bin. Daher gehe ich das Ganze auch ein wenig anders an, als jemand, der sein Wissen allein aus Lehrbüchern bezieht. Manchmal kann das ein Vorteil sein.

Aber trotzdem: Ärzte sollten es doch wissen…

Ein Arzt hat doch in seinem Berufsalltag immer wieder mit ängstlichen Patienten zu tun. Schätzungen gehen davon aus, dass jeder dritte Arztbesuch durch einen Hypochonder, jemanden mit einer Somatisierungsstörung oder einer generalisierten Angststörung in Anspruch genommen wird.

Hinzu kommt sicherlich der eine oder andere Depressive und Patienten mit einem Burnout. Und auch wenn ein guter Arzt diese Patienten zu einem entsprechenden Facharzt und/oder einen Psychologen überweist, so muss er doch den einen oder anderen Tipp parat haben.

Stress mindern bzw. anders damit umgehen, Entspannungstechniken, Sport, einen Ausgleich finden – all diese Tipps sollte doch wohl ein jeder Arzt in seinem Repertoire haben.

Ja, das sollte er und das hat er auch. Es besteht jedoch ein großer Unterschied zwischen einer Empfehlung und der eigenen Umsetzung.

Und das ist (ohne Hilfe) nicht so leicht. Für niemanden.

Wissen allein genügt nicht – man muss dieses Wissen auch umsetzen und zwar über einen gewissen Zeitraum. Erst dann kann sich etwas bessern. Und da bildet die Gruppe der Mediziner und Psychologen keine Ausnahme.

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