Risiko für generalisierte Angststörung bei Migräne um 300 % erhöht

Menschen mit Migräne haben häufiger eine generalisierte Angststörung

Menschen mit Migräne haben ein stark erhöhtes Risiko an einer generalisierten Angststörung zu erkranken. So wurde nachgewiesen, dass drei Mal so viele Migräniker eine generalisierte Angststörung haben wie die “Normalbevölkerung”.

Nachfolgend wollen wir darüber sprechen, welche Ursachen das haben könnte und was du dagegen tun kannst. Die folgenden Ausführungen beruhen zu großen Teilen auf meinen eigenen Erfahrungen (ich hatte eine generalisierte Angststörung und habe mit Migräne zu tun) und Überlegungen.

Studie: Migräne hat gravierende Auswirkungen auf das Auftreten einer generalisierten Angststörung

Eine im Magazin “Headache” veröffentliche Studie der University of Toronto förderte einen interessanten Zusammenhang zwischen Migräne und einer generalisierten Angststörung zu Tage. So scheinen Leute mit Migräne ein deutlich erhöhtes Risiko für eine generalisierte Angststörung zu haben. Während die generalisierte Angststörung etwa 2 % der Bevölkerung betrifft, sind es unter Migränikern 6 % und damit 3 Mal so viel. (Quelle: Headache: The Journal of Head and Face Pain, Volume 57, Issue 3, vom 22. Februar 2017)

Damit ist das Risiko für Menschen, die an Migräne leiden extrem erhöht. Die Tatsache, dass das Risiko für Migräniker erhöht ist, überrascht mich keineswegs. Ich hatte schon immer den Verdacht, dass es einen Zusammenhang zwischen Migräne und einer Angststörung gibt. Nicht ohne Grund ist mein Beitrag über Migräne und das Flimmerskotom einer der am meisten gelesenen Artikel. Du findest ihn hier.

Das Ausmaß erstaunt mich jedoch schon ein wenig. Es ist beachtlich, dass die generalisierte Angststörung drei mal so häufig bei Migränikern auftritt.

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Die generalisierte Angststörung

Eine generalisierte Angststörung zeichnet sich dadurch aus, dass sich die Ängste nicht auf bestimmte Situationen beschränken. Die Ängste sind “generalisiert”, wie der Name bereits suggeriert. Ständiges Grübeln und Sorgen stehen dabei im Vordergrund.

Erklärungsversuch der Studie

Ein Erklärungsversuch der Wissenschaftler lautet: Der plötzlich auftretende Schmerz, der den Betroffenen außer Gefecht setzen kann, kann vermehrt Angst hervorrufen. Schließlich schränkt die Migräne den Betroffenen mitunter extrem ein.

Den Erklärungsansatz kann ich nachvollziehen. Oftmals kommt die Migräne ohne Vorwarnung. Je nach Ausprägung kann der Betroffene nichts tun, außer sich ins Bett zu legen. An einen normalen Tagesablauf ist nicht zu denken. Dieser plötzliche Eingriff in den Alltag kann als großer Kontrollverlust empfunden werden. Man fühlt sich machtlos.

Mangelnde Kontrolle und das Gefühl der Machtlosigkeit sind Faktoren, die bei einer Angststörung generell oftmals eine Rolle spielen. Es ist einfach ein Scheißgefühl von der Migräne bei der Arbeit oder auf einer Party überrascht zu werden.

Auch eine im Vorfeld auftretende Aura, die häufig mit Sehstörungen (Flimmerskotom) einhergeht, kommt oft ungelegen. Wenn man gezwungen ist, sein Auto an den Straßenrand zu stellen, weil man seine Umwelt nicht mehr fixieren kann, ist das nicht nur nervig; es kann beängstigend sein, dass die Migräne das eigene Leben in diesem Moment kontrolliert.

Du siehst schon: Ich persönlich würde mich nicht nur auf den Schmerz beschränken wollen. Schließlich kommt die Migräne mit weiteren beängstigenden Symptomen: Schwindel, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit, Aura (beispielsweise Flimmerskotom; teilweise Lähmungen).

Sind das wirklich alles Symptome der Migräne?

Bei mir selbst läuft eine Migräne weitgehend ohne Schmerzen und Übelkeit ab. Ich habe lediglich leichte Kopfschmerzen. Dazu bin ich zutiefst erschöpft, licht- und geräuschempfindlich, manchmal ist mir schwindlig.

Die Symptome im Vorfeld sind in meinem Fall beängstigender: Flimmerskotom, Sprachprobleme, Probleme beim Denken, einfach ein komisches, unbehagliches Gefühl. Manchmal empfinde ich die Migräne selbst sogar als Erleichterung, da ich weiß, dass die im Vorfeld auftretenden Symptome meiner Migräne zuzuschreiben sind.

Ja, ich bin sicher, dass sich viele Betroffene fragen: Sind das wirklich alles Symptome der Migräne? Wie Du siehst, sind die Symptome einer Migräne sehr unterschiedlich. Die typischen Anzeichen wie Kopfschmerzen und Übelkeit habe ich nicht bzw. nur manchmal und dann auch nur ein bisschen.

Da die Symptome so vielfältig sein können, fragen sich viele Migräniker, ob diese ganzen komischen Symptome tatsächlich der Migräne zuzuschreiben sind. Steckt nicht vielleicht doch etwas anderes dahinter? Irgendwas stimmt doch mit mir nicht! Und die Befürchtung, vielleicht was Schlimmes zu haben, kann eine Angststörung sicher begünstigen.

Migräniker sehen und hören mehr

Menschen, die an Migräne leiden sind viel sensibler, was ihre Wahrnehmung betrifft. Sie haben oftmals ein weiteres Gesichtsfeld. Und nicht selten fällt es ihnen schwer, Geräusche zu filtern. So haben viele in einer lauten Umgebung Schwierigkeiten, sich bei einem Gespräch auf das Gegenüber zu konzentrieren.

Das alles kann als beängstigend empfunden werden, stresst zusätzlich und Stress begünstigt ebenfalls das Auftreten einer Angststörung.

Ursache der Migräne nach wie vor unklar

Die genaue Ursache der Migräne ist immer noch unklar. Hat es was mit der Durchblutung zu tun? Geht es mehr in die Richtung Epilepsie? Viele Theorien, nur Gewissheit hat man nicht. Auch das kann verunsichern und einer Angststörung in die Karten spielen.

Man kennt inzwischen gewisse Auslöser für eine Migräne. Auch diese sind sehr unterschiedlich. Sicher ist, dass Stress, Aufregung, zu wenig oder zuviel Schlaf und ein unregelmäßiger Tagesablauf in vielen Fällen Migräneattacken auslösen können.

Der Mist ist, dass eine generalisierte Angststörung mit diesen ganzen Sorgen und dem Grübeln ihrerseits Stress und Anspannung hervorruft. Schlafstörungen sind bei einer Angststörung ebenfalls sehr häufig zu beobachten. Wenn dann sogar noch Panikattacken auftreten (was ja DIE Aufregung schlechthin ist): PROST MAHLZEIT! Das alles kann vermehrt zur Migräne führen, die wiederum Angst hervorruft… Ein Teufelskreis.

Was kannst du tun?

Menschen mit Migräne haben viel häufiger eine generalisierte Angststörung. Das Gefühl der Machtlosigkeit und des Kontrollverlusts spielen vermutlich eine Rolle. Es ist ein Scheißgefühl, wenn dich jederzeit eine Migräneattacke übermannen kann. Und dann kann man nicht mal wirklich was dagegen tun. Man ist gezwungen, die Attacken durchzustehen.

Und die Symptome einer Migräne werden oft als beängstigend empfunden und können so vielfältig sein, dass man sich nicht selten fragt, ob das alles überhaupt von der Migräne kommt. Und dass die Ursache für eine Migräne immer noch nicht zweifelsfrei feststeht, vergrößert die Unsicherheit.

Das alles sind Faktoren, die einer Angststörung in die Karten spielen. Die Angststörung ruft Stress und Anspannung hervor. Das sorgt nicht nur für weitere, der Anspannung geschuldete Symptome. Auch Migräneattacken werden wieder vermehrt ausgelöst.

Entspanne dich!

Das Mittel der ersten Wahl, um diesen Teufelskreis zu durchdringen, ist Entspannung. Wenn es Dir gelingt, mehr Entspannung in dein Leben zu bringen, bekommst du weniger häufig Migräneattacken. Weniger Migräne ist auf deinen Weg aus der generalisierten Angststörung hilfreich. Zudem ist Entspannung bei einer Angststörung generell immer eine gute Idee.

Dazu empfehle ich dir, eine Entspannungstechnik wie die progressive Muskelentspannung zu erlernen. 

Das Schöne daran ist, dass eine Entspannungstechnik die Konzentration auf das Hier und Jetzt fördert. Da Sorgen immer zukunftsbezogen sind, haben Sorgen in der Gegenwart keinen Platz. Daher haben Entspannungstechniken quasi einen doppelt positiven Effekt auf die generalisierte Angststörung.

Auch Sport wirkt spannungsabbauend und ist daher immer zu empfehlen. Am besten an der frischen Luft. Und wenn du lange nicht mehr sportlich aktiv warst oder generell nicht so der sportliche Typ bist, so lasse dir gesagt sein, dass dir dein Körper auch zügige Spaziergänge dankt. Auch das wirkt positiv auf Migräne und die generalisierte Angststörung.

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Sebastian D. Kraemer

Sebastian D. Kraemer

Als ehemaliger Angstpatient helfe ich seit sieben Jahren Menschen mit übermäßiger Angst und Panikattacken auf ihrem Weg aus der Angststörung. Mehr als 20.000 Menschen nehmen an meinem kostenlosen E-Mail-Coaching teil und ich freue mich über jeden einzelnen, dem ich zu einem angststörungsfreien Leben verhelfe.

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4 Kommentare

  1. Sabine sagt:

    Hallo Sebastian (oder ist Siezen doch besser?),

    ich bin überrascht, hier auf die Migräne zu stoßen, weil ich das noch nie so in diesem Zusammenhang gesehen habe. Meine Angststörung hat wahrscheinlich schon angefangen als ich ca 6 Jahre alt war. Aber so richtig schlimm (mit Googlen und allem drum und dran), wurde es wohl erst nach meiner ersten Migräneattacke, die ich mit 13 hatte. Und ich hatte nur die Aura. Erst habe ich das Flimmerskotom gesehen, das sich aber über das komplette Gesichtsfeld ausgebreitet hat. Ich konnte minutenlang kaum etwas sehen. Weil an dem Tag ein Familienausflug geplant war, dachte mein Vater, ich würde simulieren (dabei war ich schon immer ein sehr gehorsames Kind und hätte sowas nie getan).
    Als es dann langsam verschwand und wir mit dem Auto losgefahren waren, spürte ich plötzlich, wie meine Finger nacheinander taub wurden. Als das vorbei war, wollte ich meiner Mama panisch erzählen, dass auch meine Gedanken “komisch” waren, aber raus kam nur “Gebrabbel” – ich konnte keine Worte mehr aussprechen. Das war vllt. gruselig. Und dann war der Spuk vorbei. An dem Tag besuchten wir Bekannte und zum Glück hatten diese so etwas auch schon erlebt – die Frau sprach damals schon von Migräne mit Aura.
    Allerdings benötigte es noch 2 weitere Anfälle, bis mir die Diagnose gestellt wurde. Und auch das war purer Zufall. Die Hausärztin davor hatte mir nämlich “Hyperventilation” diagnostiziert und nur ihre Vertretung kam auf die richtige Diagnose (weil seine Tochter auch Migräne mit Aura hat).
    Also verbrachte ich damals schon viel Zeit damit, “herauszufinden”, was ich denn hatte und zum Glück stieß ich im Internet nebst “Schlafangall” auch auf die Migräne mit Aura. Allerdings glaubte ich natürlich eher an den Schlaganfall 😉

    Zum Glück sind die Symptome über die Jahre weniger schlimm geworden – ich hatte teilweise nur noch die Blitze und danach dann Kopfschmerzen und Übelkeit. Nichts ist schlimmer, als die Sprachprobleme und die Probleme danach, überhaupt die richtigen Worte zu finden. Seit bald 7 Jahren habe ich keine Attacke mehr gehabt. Vielleicht hat auch das meine Angst vor einer gewissen neurologischen Erkrankung so geschürt?

    Interessant ist der Zusammenhang auf jeden Fall!

    • SebastianSebastian sagt:

      Hallo Sabine,

      “Du” ist schon okay. Ich kann gut nachvollziehen, dass das Angst macht. Dieses “Nichtdenken” können (ich sage immer, ich habe das Gefühl, meine Gedanken nicht fixieren zu können) ist noch grusliger als das Flimmerskotom. Und wenn man dann nicht richtig sprechen kann, ist das vermutlich noch schwieriger. Es freut mich, dass die Symptome weniger geworden sind und vielen Dank, dass Du Deine Geschichte mit uns teilst.

      Lieben Gruß.

      Sebastian

  2. Heiner Kuhlmann sagt:

    Dieser Beitrag hat mir sehr geholfen. Ich bin im Leben ein echter Berserker. Will sagen, ein echter Kerl. Umso fassungslos er bin ich dass eine generalisierte Angststorung und Migräne mit Aura mein Leben als Motocross Rennfahrer, Surfer, Triathlet usw. mit der Zeit immer mehr zerlegt hat. Verlust der Kontrolle und Angst vor der Angst. Ich bin älter geworden und kann mich nicht mehr so auspowern. Immer häufiger kommt dann eine Aura mit Migräne danach.. Ich bin sehr froh, dass ich diesen Beitrag las. Ich bin nicht allein.. Danke

    • SebastianSebastian sagt:

      Hallo Heiner,
      das ist schön, dass es Dir dieser Beitrag ein besseres Gefühl gibt. Ich kenne sowohl die Angststörung als auch die Migräne. Beides kann einem manchmal den Hinweis geben, etwas langsamer zu machen. Vielleicht trifft das in Deinem Fall zu.

      Lieben Gruß.
      Sebastian

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