Facebookgruppe bei Angststörung – Hilfreich oder schädlich?

facebookgruppe-angststoerungSind Facebook-Gruppen sinnvoll? Oder schaden sie den Mitgliedern nicht vielmehr?

Lass uns darüber sprechen, ob es sinnvoll ist, diesen Gruppen beizutreten und wann man diesen lieber fern bleiben sollte…

Meine Erfahrungen als Admin

Vor 6 Monaten habe ich eine Facebook-Gruppe gegründet, die sich dem Thema “Angststörung” widmet. Mittlerweile zählt diese Gruppe mehr als 1.500 Mitglieder. Und täglich kommen etwa 30 neue Mitglieder hinzu.

Das Wachstum hat mich ein wenig überrumpelt und ich bin froh darüber, dass ich eine liebenswerte “Mitgliedin” (nennen wir sie Marie ;)) finden konnte, die mich in der Administration unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar, denn alleine ist eine so gorße Gruppe kaum zu betreuen.

Natürlich ist es schön, dass so viele verschiedene Charaktere unsere Gruppe bereichern, doch bringt das rasante Wachstum auch Probleme mit sich.

So eine Gruppe erfordert mehr Einsatz als gedacht…

Bugs Bunny möchte “Angststörung: Hilfe bei Panikattacken und übermäßiger Angst” (das ist der Name der Facebook-Gruppe) beitreten.

Diese Nachricht bekommen ich jeden Tag etliche Male. Und die Anfragen wollen beantwortet werden. Schnell. Der Name “Bugs Bunny” lässt natürlich sofort hellhörig werden. Ich schaue mir das Profil an. Nichtssagend, eine Comicfigur als Profilbild und erst seit heute bei Facebook angemeldet.

Die Entscheidung ist schnell gefallen. Offensichtlich ein Fake, abgelehnt.

Doch längst nicht immer ist das Ganze so eindeutig. Die meisten Anfragen werden angenommen und manchmal kristallisiert sich das neue Gruppenmitglied dann später als Fake oder Werbetreibender heraus. Dann muss gehandelt und der- oder diejenige entfernt werden. Nervig, aber kein großes Problem.

Es kommt zu Konflikten innerhalb der Gruppe

Schwieriger ist es, wenn sich Gruppenmitglieder untereinander in die Haare kriegen. Dass man manchmal unterschiedlicher Meinung ist, bleibt nicht aus. Aber manchmal bauscht sich das Ganze auf. Es muss eingeschritten werden. Verwarnungen werden ausgesprochen. Und hin und wieder muss ein Mitglied aus der Gruppe geworfen werden, damit der Friede wieder hergestellt wird. Die für mich unliebsamste Aufgabe als Administrator.

Und es passiert, dass einzelne Posts gelöscht werden müssen. Und zwar dann, wenn es beleidigend wird, auf andere Weise irgendwie seltsam oder gewisse Posts den anderen aus meiner Sicht nicht guttun.

So wie die von Otto, der immer nur über Mediziner und Psychologen herzieht, da er sich jahrelang falsch behandelt gefühlt hat. Immer wieder weist er die anderen darauf hin, bloß nicht den Fachleuten zu vertrauen.

Ja, ich weiß, dass Ärzte nicht immer richtig liegen und der eine oder andere besser einen anderen Beruf gewählt hätte. Diese pauschalen Verurteilungen aber finde ich nicht nur unfair, sie verunsichern auch die anderen, die sich bislang bei ihrem Hausarzt oder Therapeuten in guten Händen gewähnt haben.

Ich weise Otto immer wieder darauf hin. Er kann gerne seine Geschichten erzählen und auch seine Meinung kundtun, diese aber bitte auch als SEINE Meinung kennzeichnen und mit diesen Pauschalverurteilungen aufhören. Ich lösche seine Posts immer wieder.

Otto weist mich verärgert auf die Meinungsfreiheit hin und behauptet ich würde alle Beiträge zensieren. Er fängt an, mich zu beschimpfen und ich sehe mich gezwungen, ihn der Gruppe zu verweisen, obwohl ich Otto immer mochte und er eigentlich nur helfen wollte. Doch aufgrund der Art und Weise blieb mir nichts anderes übrig.

Manchmal habe ich den Eindruck, ich wäre Erzieher von Beruf. Dabei möchte ich nicht maßregeln. Aber das gehört wohl zu den Aufgaben eines Admins. Wusste ich vorher auch nicht. Aber auch in diese Rolle muss man hineinwachsen.

Wo viele unterschiedliche Charaktere aufeinander treffen, kommt es mitunter zu Konflikten. Das ist normal. Die meisten jedoch sind höflich, nett und wollen einander helfen. Das gefällt mir und sicher auch den anderen Admins.

Aber genug von den Schwierigkeiten, so eine Gruppe zu leiten.

Was bringt die Gruppe den Mitgliedern?

Unsere Gruppe hat den Status “geschlossen”. Das hat nicht nur den Vorteil, dass nicht jeder einfach der Gruppe beitreten kann. Nur Gruppenmitglieder können sehen, was die anderen gepostet haben. Das sorgt dafür, dass sich die Mitglieder (anders als in einem öffentlichen Forum) öffnen können.

Die Gruppenbeschreibung lautet wie folgt: “Menschen mit übermäßiger Angst und Panikattacken sind hier richtig. Hier findest Du Leute, die dich verstehen. Hier könnt Ihr Euch gegenseitig unterstützen, wenn es Euch mal nicht so gut geht und Ihr Angstzustände habt. Gebt Euch wertvolle Tipps und helft Euch gegenseitig.

Auch wenn “Tipps gegen die Angst” sicher das zentrale Thema sind, soll es hier nicht NUR um die Angst und Probleme gehen, denn jeder von Euch ist mehr als die Angststörung an sich. Daher wäre es super, wenn Ihr auch von positiven Dingen berichtet.”

In der Beschreibung findest Du die ursprüngliche Idee dieser Gruppe.

Und hier gibt auch genau das: Aufbauende Worte, Tipps und Trost. Und auch von Erfolgen wird berichtet, die gemeinsam gefeiert werden. Diese Beiträge zaubern mir jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht. Denn dadurch werden die anderen ermutigt.

Und viele wollen wissen, ob die anderen bestimmte Symptome auch kennen. Katrin postet: “Ich habe oft so ein Kribbeln im Gesicht. Kennt ihr das auch?”

Katrin will sich vergewissern, dass nichts Ernstes dahinter steckt. Man erhofft sich Beruhigung, wenn andere dieses Symptom kennen und dieses als harmlos bezeichnen”.

Innerhalb kürzester Zeit bekommt Katrin 28 Antworten von Leidensgenossen, die so ein Kribbeln ebenfalls kennen. Katrin ist beruhigt. Zumindest fürs erste.

Das scheint einer der dringensten Gründe unserer Mitglieder zu sein. Man sucht Gleichgesinnte, die einen verstehen und beruhigen. Und das klappt oft sehr gut.

Vorsicht Trigger…

Viele der Beiträge beginnen mit den Worten “Vorsicht Trigger”. Damit will man ausdrücken, dass jetzt etwas folgt, was beim anderen Angst auslösen könnte. Dann geht es beispielsweise um Krankheiten, vor denen man sich fürchtet oder die man tatsächlich durchstehen musste.

Generell finde ich, dass jeder lernen sollte, sich abzugrenzen. Denn es gibt Krankheiten, Tragödien und schlimme Geschichten. Wir alle müssen lernen, damit umzugehen, ohne gleich mit Angst und Panikattacken darauf zu reagieren.

Ganz sicher müssen wir das. Einige aber sind (noch) nicht so weit. Von daher stehe ich diesen beiden Wörtern mittlerweile aufgeschlossener gegenüber als es noch vor ein paar Monaten der Fall war. Ja, es ist manchmal sogar sehr sinnvoll, einen Beitrag mit “Vorsicht Trigger” einzuleiten.

Tipps für die Gruppe

Sich gegenseitig beruhigen, Mut machen und Tipps geben. Zudem fühlen sich die Mitglieder verstanden und nicht mehr so allein. Das ist aus meiner Sicht das wertvolle an solch einer Gruppe.

Daher kann die Teilnahme an so einer Gruppe durchaus sinnvoll sein.

Man muss ganz sicher nicht alles lesen, was so gepostet wird. Gerade wenn ein Beitrag mit “Vorsicht Trigger” beginnt und man sich gerade in einer Phase befindet, in der es schwer fällt, sich abzugrenzen, darf man geflissentlich darüber hinweg lesen.

Doch man wird hin und wieder etwas lesen, was ein ungutes Gefühl hervorrufen kann. Doch das bleibt auch dann nicht aus, wenn man Fernsehen schaut oder sich auf Newsseiten bewegt. Das ist nun einmal so.

Wenn dadurch Angst ausgelöst wird, dann sollte man sich in Erinnerung rufen, dass das NICHTS konkret mit einem selbst zu tun hat. Zudem bin ich der Überzeugung, dass man diese Abgrenzung von anderen auf diese Weise lernen kann. Aber wie gesagt: Das geht selten von heute auf morgen.

Insgesamt solltest Du versuchen, Dir nach Möglichkeit nicht alles so zu Herzen zu nehmen, und Dich dort zu beteiligen, wo es für Dich Sinn macht.

Darum solltet Ihr auf eine Whatsapp-Gruppe verzichten…

Etwa alle zwei Wochen kommt einer der Teilnehmer auf die Idee, eine Whatsapp-Gruppe zu gründen. Nachvollziehbar, aber keine gute Idee.

Ihr gebt Eure private Handynummer an andere weiter, die Ihr nicht kennt. Es ist in der Vergangenheit vorgekommen, dass andere Mitglieder selbst nachts angerufen wurden. Nicht so schön.

Weicht stattdessen lieber auf den Facebook-Messenger aus. So könnt Ihr auch mit dem Handy untereinander kommunizieren, ohne Eure Telefonnummer weiterzugeben.

Wenn Ihr diese Ratschläge beherzigt, dann kann eine Facebook-Gruppe eine Bereicherung sein.

Diese Facebook-Gruppen befassen sich mit Panikattacken & Co.

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2 Kommentare

  1. Danny sagt:

    Hi Sebastian, Danke für diesen Beitrag! Mich beschäftigt dieses Thema schon länger auf einer diffusen Ebene, doch Deine Worte haben mich inspiriert, mir mal ganz konkret darüber Gedanken zu machen, weshalb ich es in den meisten Facebook-Gruppen zu den Themen Depressionen, Angst & Co. nie wirklich lange aushalte. Dabei rausgekommen ist ein Blogeintrag: http://www.happydarkcloud.de/facebookgruppen-depressionen/

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