Menschen mit Angststörung sind Versager

Als ich an der Angststörung gelitten habe, immer wieder Panikattacken hatte, mich die Angst vor Krankheiten (Hypochondrie) fertig gemacht hat, fühlte ich mich nicht selten wie ein Versager.

Ich wollte das alles nicht, wollte so nicht sein. Täglich habe ich meine Angststörung verflucht. Ich fühlte mich nutzlos, überflüssig und es war mir peinlich, dass ich so war. Ich schämte mich nicht nur vor Anderen, sondern auch vor mir selbst. Diese Angst war mit meinem Selbstbild, dass ich zuvor von mir hatte, nicht vereinbar. Ich fühlte mich schwach und hilflos und das kannte ich früher nicht.

Stell Dich nicht so an!

Menschen, die Angstzustände und Panikattacken nicht kennen, machen sich keine Vorstellung davon, was Leute mit einer Angststörung durchmachen. Wenn man unter Umständen noch Sätze, wie “Stell Dich doch nicht so an!” oder “Das ist doch wirklich kein Grund, Angst zu haben!” hören muss, fühlt man sich noch kleiner, noch schwächer.

Mir war bewusst, dass meine Angst nicht rational ist. Warum hat man Angst vor einer Menschenmenge? Weshalb fürchte ich mich ins Kino zu gehen, warum habe ich Angst vorm Autofahren? Es gab keinen triftigen Grund dafür und doch war es so! Ich hatte Angst, bekam Panikattacken und Angstzustände. Ich war ein Schwächling, ein Feigling. Ja, die Angststörung hatte mich zu einem Versager gemacht. So habe ich damals gedacht.

Heute sehe ich das anders. Ich habe mich den Situationen, die mir Angst machten, wieder und wieder gestellt. Würde ein Versager das tun? Sich seinen Ängsten zu stellen, erfordert viel Mut. Ohne Angst kann man überhaupt nicht mutig sein! Um Mut zu beweisen, muss die Angst dabei sein.

Wann sind Menschen mit einer Angststörung Versager?

Bezogen auf die Angststörung hat man dann versagt, wenn man sich damit abfindet. Wenn man nichts mehr unternimmt, aufhört nach Lösungen zu suchen. Dann hat man versagt.

Ich habe den Fehler gemacht, mit mir zu hadern, mich als schwach anzusehen, wenn ich mich in Situationen begeben habe, die mir Angst machten und ich wieder Panikattacken bekam. Heute weiß ich, dass ich unglaublich viel Stärke und Mut bewiesen habe. Und genau das solltest Du auch tun! Es ist normal, dass man zwischendurch nicht mehr weiter weiß, dass man zu Hause sitzt, verzweifelt ist und glaubt, dass sich nie etwas ändern wird. Das war bei mir nicht anders.

Die Angststörung hat mich in die Knie gezwungen, manchmal bin ich eine Zeit am Boden geblieben, um Kraft zu sammeln. Aber irgendwann bin ich wieder aufgestanden und habe mich der Angst, dieser furchtbaren Panik wieder gestellt.

Versagen ist keine Option

Wenn Du zwischendurch nicht mehr weiter weißt, wenn Du vielleicht gerade am Boden bist, dann mache Dir klar, dass Du wieder aufstehen musst. Für Dich selbst! Möglicherweise vermeidest Du bereits seit langer Zeit eine Vielzahl verschiedener Situationen, die Dir Angst machen. Es ist, wie gesagt, in Ordnung, sich zwischendurch zu erholen, aber dann musst Du Dich wieder aufraffen!

Wenn Du etwas trotz Angst machst, beweist Du Mut. Auch wenn Dich dabei Angstzustände und Panikattacken plagen, solltest Du Dir anschließend auf die Schulter klopfen, anstatt Dich zu verurteilen. Du warst stark, nicht schwach und genau das solltest Du anerkennen.

In zahlreichen Rückmeldungen zu meinem Buch “Exfreundin Angst – Wie ich die Panik in die Wüste schickte” kam zum Ausdruck, dass dieses Buch vor allem Mut macht und Hoffnung gibt. Es mag nicht der Weisheit letzter Schluss sein, aber ich bin sicher, dass dieses Buch Dir den Ansporn geben kann, den Du brauchst. Auch wenn meine Geschichte mit Deiner nicht 1 zu 1 übereinstimmen mag, kann jeder Leser für sich eine Vielzahl von Anregungen mitnehmen. Auch das zeigt sich in den Rückmeldungen.

Nur wenn Du aufgibst, nur dann wenn Du aufhörst nach Lösungen zu suchen, wenn Du nichts mehr unternimmst, erst dann hat Dich die Angststörung zum Versager gemacht.

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