Tipps für eine erfolgreiche Psychotherapie

Angst vor erster Therapiestunde?

Wenn man eine Angststörung hat, ist eine Psychotherapie das Mittel der ersten Wahl. Wir wollen darüber sprechen, was Ihr tun könnt, damit Eure Therapie erfolgreich verläuft und wie Ihr Euch verhaltet, falls Ihr Angst vor der ersten bzw. nächsten Therapiestunde habt.

Ich gehe ungern zur Therapie

Eine Therapie ist kein Zuckerschlecken. Die Erkenntnisse, die man dabei gewinnt, sind oft nicht einfach zu verdauen. Manchmal geht es ans Eingemachte. Und eine Psychotherapie ist anstrengend. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn man keine Luftsprünge macht, weil die nächste Therapiestunde ansteht.

Von daher halte ich es für kein großes Problem, wenn man sich nicht auf die nächste Therapiestunde freut. Angst vor der Therapie oder dem Therapeuten selbst, sollte jedoch nicht mit im Spiel sein. Dann fällt es sehr schwer, sich zu öffnen. Es ist in diesem Fall sinnvoll, mit seinem Therapeuten darüber zu sprechen, da er in der Lage sein sollte, die Angst zu nehmen.

Viel häufiger ist es jedoch der Fall, dass man Angst vor der ersten Therapiestunde hat.

Angst vor erster Therapiestunde

Wenn man zum ersten Mal einen Termin bei einem Psychotherapeuten hat, dann sind Viele verunsichert.

  • Was kommt da auf mich zu?
  • Werde ich mich mit dem Therapeuten verstehen?
  • Verurteilt mich der Therapeut?
  • Wie geht es mir dabei?
  • Weine ich vielleicht oder breche gar zusammen, wenn ich mich öffne?

Die erste Therapiestunde geht oft mit einer gewissen Verunsicherung einher. Nicht selten ist sogar Angst im Spiel, was verständlich ist. Schließlich ist das eine neue, unbekannte Situation. Man weiß nicht so wirklich, was auf einen zukommt.

Nach Möglichkeit solltest Du möglichst gelassen und unvoreingenommen in die erste Therapiestunde gehen. Mache Dir nicht zu viele Gedanken, auch wenn es schwer fällt.

Wenn Du die Therapie immer wieder gedanklich durchspielst, kann es Sinn machen, dass Du Dir ein paar Notizen machst, damit Du nicht vergisst, was Du sagen möchtest und Dir zugestehen kannst, Dich im Vorfeld nicht ständig damit zu befassen.

Außerdem ist es vollkommen legitim, den Psychotherapeuten auf Deine Ängste hinzuweisen: “Ich muss gestehen, dass ich ein wenig Angst davor habe, was auf mich zukommt.” Ein guter Therapeut weiß damit umzugehen und kann Dir die Angst vor der Therapie nehmen.

Das ist entscheidend für eine erfolgreiche Psychotherapie

Du solltest mit der Zeit Fortschritte sehen. Ist dem nicht so, kann es sowohl an Deinem Therapeuten als auch an Dir liegen. Wie Du einen guten Therapeuten findest, liest Du übrigens hier.

Mir sind von Patienten schon häufiger fragwürdige Äußerungen ihres Therapeuten zugetragen worden. Ehrlich gesagt sind manche dieser Äußerungen für mich schwer vorstellbar und ich zweifle manchmal daran, dass ein erfahrener Therapeut so etwas tatsächlich  gemeint haben soll.

Dabei meine ich keinesfalls, dass meine Leser Unwahrheiten erzählen. Teilweise wird so etwas tatsächlich gesagt worden sein, teilweise kam das beim Patienten so an, was im Ergebnis das Gleiche ist. Um Missverständnis vorzubeugen, ist es unabdingbar, offen darüber zu sprechen. Und das ist entscheidend:

Das Wichtigste für eine erfolgreiche Psychotherapie ist aus meiner Sicht: Offenheit und Ehrlichkeit.

  • Wenn Dich etwas bedrückt
  • Wenn Du eine Äußerung Deines Therapeuten nicht einzuschätzen weißt oder seine Aussagen fragwürdig findest
  • Wenn Du Dir über die Ziele der Therapie im Unklaren bist
  • Wenn Du den Therapeuten nicht wirklich verstehst
  • Wenn Du Dich in Gegenwart Deines Psychotherapeuten unwohl fühlst
  • Wenn Du das Gefühl hast, keine Fortschritte zu machen

dann solltest Du das unbedingt offen und ehrlich ansprechen.

Du musst nicht auf die Gefühle Deines Therapeuten Rücksicht nehmen. Ein guter Therapeut weiß damit umzugehen und Dir im besten Falle Deine Bedenken zu nehmen.

Selbst wenn Du das Gefühl hast, dass die Chemie nicht stimmt, darfst Du das ansprechen. Eventuell macht es Sinn, den Therapeuten zu wechseln. Manchmal ist es der Fall, dass Therapeut und Patient nicht miteinander können. Das ist absolut menschlich, ohne dass man der einen oder anderen Seite die Schuld geben kann.

“Ich habe das Gefühl, wir passen menschlich irgendwie nicht zueinander. Was meinen Sie?” Vielleicht gibt Dir der Therapeut recht, vielleicht steckt auch etwas anderes dahinter, was durch ein Gespräch zu Tage gefördert wird.

Wenn der Patient nicht will

Kaum jemand geht wirklich gerne zur Therapie. Ein Therapeut wird Dich auch mit unangenehmen Dingen konfrontieren und Dir teils schwierige Aufgaben stellen. Dabei ist das, wogegen man sich am meisten wehrt meiner Erfahrung nach genau das, was Dich am Weitesten bringt.

Neulich hat mir eine an Agoraphobie leidende Frau geschrieben, die sich kaum aus dem Haus traut, ihr Therapeut habe ihr in der allerersten Therapiestunde empfohlen, sich in einen vollen Zug zu setzen. Für jemanden, der an Agoraphobie leidet, löst allein die Vorstellung daran große Angst aus und sie sah sich dieser Aufgabe nicht gewachsen.

Ich habe ihr den Rat gegeben, ganz ehrlich zu sagen, dass sie sich das zu diesem Zeitpunkt nicht zutraut, was vollkommen in Ordnung und kein Grund ist, sich zu schämen.

Es gibt aber auch Patienten, die sich nicht helfen lassen wollen. Jeder Vorschlag wird abgeschmettert. Manche meinen, sie würden alles besser wissen. Ein Therapeut hat sicher nicht immer Recht und ein guter Therapeut ist sich dessen bewusst. Aber es ist alles andere als förderlich, wenn man allem ablehnend gegenüber steht.

Niemand kann Dir helfen, wenn Du Dir nicht helfen lassen willst. Mache Dir klar, dass Du das Ganze für Dich tust. Nur für Dich.

Der Therapeut ist kein Halbgott

Ein großer Fehler ist es meiner Meinung nach, dass einige Patienten ihren Therapeuten als jemanden ansehen, der ihnen haushoch überlegen ist. Sicherlich ist er der Experte, der Dir helfen soll, was aber nicht bedeutet, dass Du hier als Bittsteller auftreten solltest. Wenn Dir das schwer fällt, kannst Du Dir klar machen, dass Du ihn bezahlst und nicht nur Patient, sondern auch Kunde bist.

Das heißt aber natürlich nicht, dass Du Dich zurücklehnen und erwarten kannst, dass der Therapeut Dich gesund macht. Aktivität, Mitarbeit, Offenheit und Ehrlichkeit – das sind die wichtigsten Faktoren, damit Deine Therapie erfolgreich verläuft.

>>Warum eine Therapie oft nichts bringt, liest Du hier<<

 

 

 

Sebastian D. Kraemer

Sebastian D. Kraemer

Als ehemaliger Angstpatient helfe ich seit sieben Jahren Menschen mit übermäßiger Angst und Panikattacken auf ihrem Weg aus der Angststörung. Mehr als 20.000 Menschen nehmen an meinem kostenlosen E-Mail-Coaching teil und ich freue mich über jeden einzelnen, dem ich zu einem angststörungsfreien Leben verhelfe.

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2 Kommentare

  1. Sally sagt:

    Ich habe auch immer versucht meiner Therapeutin zu gefallen. Wenn man es in seinem Alltag immer so macht, dann fällt es schwer es in der Therpie zu lassen. Außerdem hatte ich immer die Angst als völlig Abgedreht abgestempelt zu werden und deshalb auch Gedanken verschwiegen. Manchmal habe ich der Therapeutin genau das erzählt was sie hören wollte oder zumindest dachte ich das es das ist was sie hören will.

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