Vom Blitz getroffen

…oder an jedem verdammten Sonntag

Heute ist Sonntag und wie immer lasse ich an diesem Tag die vergangene Woche Revue passieren. Wie war diese Woche? Was habe ich erreicht? Bin ich meinen Zielen näher gekommen? Was habe ich gelernt?

Mein erster Gedanke war: “Das war eine Woche zum Vergessen!” Ich habe bestimmt 70 Stunden gearbeitet, aber irgendwie ging es nicht richtig voran. Der bald erscheinende Kurs, “das Studium Deines Lebens” verlangt meine ganze Aufmerksamkeit. Aber irgendwie war ich unkonzentriert und wenig produktiv. Zudem fühlte ich mich am Donnerstag und Freitag nicht besonders gut, irgendwie ausgelaugt.

Auch gestern, am Samstag bin ich morgens aufgewacht und wäre am liebsten den ganzen Tag im Bett geblieben. Auch Du kennst sicherlich Phasen, wie diese, in denen man wahnsinnig erschöpft ist und auf nichts Lust hat. Manchmal erwischt man sich sogar dabei, wie man sich fragt: “Wozu das alles?”

Ich bin sicher, dass Dir das bekannt vorkommt. Als ich noch mit Angst und Panikattacken zu kämpfen hatte, ging es mir ständig so. Auch ohne dass ich besonders viel gearbeitet hätte, war ich ständig müde, pausenlos erschöpft, alles war mir im Grunde zuviel! So eine Angststörung ist das kraftraubendste, was ich je durchmachen musste.

Man neigt oft dazu, in Selbstmitleid zu zerfließen, sitzt zu Hause und hat keinen blassen Schimmer, was man tun soll, wo man ansetzen könnte. Und irgendwie hat man ohnehin nicht die Kraft und was macht man letztlich? Nichts! Man grübelt, die Gedanken drehen sich im Kreis und man fühlt sich machtlos, verloren und ist der Verzweifelung nahe.

Vom Blitz getroffen

Ganz so schlimm, wie damals, als mich diese massive Angststörung noch plagte, war die Woche sicherlich nicht. Aber nur, weil ich die Angstzustände und Panikattacken hinter mir gelassen habe, bedeutet das nicht, dass jeder Tag ein einziges Highlight ist. Jeder Mensch kennt diese Phasen, in denen man einfach müde und antriebslos ist, Tage an denen man ein wenig depressiv gestimmt ist. Mir geht es da nicht anders, als jedem anderen.

Als sich dann gestern, am Samstag die Woche dem Ende näherte und ich am Liebsten im Bett geblieben wäre, machte ich mich ein wenig widerwillig an die Arbeit. Ich saß am PC und bekam nichts so richtig auf die Kette. Mir wurde klar, dass ich kaum draußen war und auf Sport nahezu verzichtet habe. Warum eigentlich? Nun gut, es war zwischenzeitlich ziemlich heiß, aber abends hätte ich doch etwas tun können! Was habe ich heute morgen eigentlich gefrühstückt? Ein Joghurt und das wars.

Das war ganz typisch für mich, wenn es mir mal nicht so gut ging. Ich vergaß vernünftig zu essen! Wie vom Blitz getroffen sprang ich auf und sagte “So! Feierabend!” Ich ging in die Küche, schüttete eine große Portion Haferflocken in eine Schüssel, gab noch ein wenig geschrotete Leinsamen hinzu und schnibbelte eine Banane hinein. Erst beim Essen merkte ich, welche großen Hunger ich hatte!

Anschließend packte ich meine Sporttasche und machte mich (ein wenig widerwillig) auf dem Weg ins Fitnessstudio. 1,5 Stunden powerte ich mich ordentlich aus. Ich hätte nie gedacht, dass ich dazu überhaupt in der Lage war. Schließlich fühlte ich mich unglaublich erschöpft. Dabei war es nicht mein Körper, sondern mein Geist, der ein wenig ausgebrannt war.

Der Sport tat nicht nur meinem Körper, sondern auch meinem Geist gut, ich fühlte mich danach wie neu geboren. Nachdem ich geduscht hatte, rief ich meine Mutter an, da ich mich erinnerte, dass sie ein wenig Hilfe im Garten gebrauchen könnte. Sie war zu Hause und so machte ich mich auf den Weg zu ihr. Wir entschlossen uns spontan dazu, anschließend etwas auf den Grill zu legen. Meine Freundin und zwei meiner Schwestern gesellten sich noch hinzu und es wurde ein schöner Abend.

Wieder zu Hause angekommen, machte ich es mir gemeinsam mit meiner Freundin (zum ersten Mal seit langem) auf der Couch bequem und wir ließen uns bei der extrem seichten Komödie “Frisch gepresst” berieseln.

Heute ist alles anders

Nachdem wir erst einmal mehr als 9 Stunden! geschlafen hatten, gingen wir vor dem Frühstück eine Runde joggen, brachten Brötchen vom Bäcker mit und frühstückten ausgiebig. Danach hatte ich (zum ersten Mal diese Woche) Lust zu arbeiten. Ich habe in 3 Stunden mehr geschafft, als in den 70 Stunden zuvor und habe sogar noch Zeit gefunden, um diesen Artikel zu verfassen.

Und so sitze ich hier, schreibe diese Zeilen für Dich und lasse, wie jeden Sonntag, die vergangene Woche Revue passieren.

  • Wie war diese Woche? – insgesamt eher durchwachsen, um ehrlich zu sein!
  • Bin ich meinen Zielen näher gekommen? – ein wenig, allerdings nicht soweit, wie ich es gerne gehabt hätte.
  • Was habe ich gelernt? – Eine ganze Menge und zwar mehr als in den guten Wochen (die die weniger guten Wochen übrigens bei weitem überwiegen)!

Eine lehrreiche Woche

Mir ist mal wieder klar geworden, dass ich vor allem in stressigen Lebensphasen sorgsamer mit mir umgehen muss, dass ich gerade dann auf meine Ernährung achten sollte, dass Sport gerade dann am Wichtigsten für mich ist, wenn ich mich am Wenigsten dazu aufraffen kann. Mir ist wieder einmal vor Augen geführt worden, wie wichtig es ist, aktiv zu werden, selbst wenn man eigentlich hundemüde ist. Nur so kommt man aus einem kleinen Tal wieder heraus.

Wenn es einem mal nicht so gut geht, muss man darüber nachdenken, was man eigentlich in der letzten Zeit so gemacht hat und etwas anders machen. Es bringt nichts, einfach so weiter zu machen (oder nichts zu tun), man muss etwas verändern und dazu muss man aktiv werden. Selbst so kleine Veränderungen (wie mal wieder zum Sport gehen, zur Abwechselung im Garten zu arbeiten oder eine nahrhafte, gesunde Mahlzeit einzunehmen) wirken oft Wunder.

Aktivität ist der Schlüssel

Wenn man an einer psychischen Erkrankung, wie einer Angststörung leidet, wenn man mit Angst und Panikattacken zu tun hat oder ein Burnout-Syndrom hat, versucht man oft nur den Tag einigermaßen zu überstehen. Viele Betroffene bleiben lieber zu Hause, statt sich körperlich ein wenig zu betätigen oder sich einmal mit Dingen zu befassen, die man sonst außen vor lässt.

Wie wäre es denn mal, ein wenig Fahrrad zu fahren, ein Bild zu malen, eine Entspannungsübung einzuschieben, einen Spaziergang zu machen oder ein gutes Buch zu lesen? Wie wäre es, einmal etwas ganz anderes auszuprobieren, mal in den Kletterwald zu gehen, Tretboot zu fahren oder Paintball zu spielen und zwar auch dann, wenn die Angst mit dabei ist?

Wenn es uns nicht gut geht und zwar vollkommen egal, was der Grund dafür ist, müssen wir einen Weg finden, etwas zu verändern, Abwechselung in unseren Alltag zu bringen, und aus der Tretmühle herauskommen.

Es ist ein Trugschluss zu glauben, wir hätten nicht die Kraft dafür. Wir müssen uns dazu aufraffen, uns manchmal regelrecht zwingen (wie ich mich überwinden musste, zum Sport zu gehen)! Du wirst anschließend merken, wie gut Dir das tut! Wir bekommen auf diese Weise das Gefühl, unser Leben wieder in den Griff zu bekommen. Passivität ist absolut schädlich für uns. Durch Aktivität holen wir uns Stück für Stück die Macht über unser Leben zurück.

Wir brauchen Krisen

Auch Du hast sicherlich mal Tage, an denen es Dir etwas besser geht und dann auch wieder Phasen, die von Selbstzweifel, Verzweifelung und Antriebslosigkeit bestimmt sind. Und gerade dann ist es wichtig, aktiv zu werden, so schwer uns das oft auch fallen mag.

Diese Woche geht nicht als die beste Woche meines Lebens in die Geschichte ein, dennoch bin ich dankbar dafür, da ich eine Menge für die Zukunft mitnehmen kann. Wir brauchen Probleme, die nichts als Hürden sind, die es zu überwinden gilt. Wir brauchen Krisen (auch solche Minikrisen), wenn wir uns weiter entwickeln möchten.

Heute bin ich dankbar für meine Angststörung, für diese Megakrise, da ich unglaublich viel dadurch gelernt habe. Ich betrachte das Leben aus einer vollkommen anderen Perspektive, fühle mich besser und vollständiger, als zuvor. Es ist allerdings erst dann möglich, dankbar für eine Krise zu sein, wenn wir diese überwunden haben.

Du solltest Dir immer vor Augen führen, dass eine psychische Erkrankung, wie eine Angststörung oder ein Burnout-Syndrom uns NIEMALS grundlos heimsucht. Auch diese Krise hat ihren Sinn, davon bin ich felsenfest überzeugt.

Wie war Deine Woche?

Wie war Deine Woche so? Was hast Du gelernt? Was kannst Du aus dieser Woche für die Zukunft mitnehmen? Nutze die Kommentarfunktion per Facebook oder die “normale” Kommentarfunktion darunter und lasse uns an Deinem Leben teilhaben! Die E-Mail-Adresse wird übrigens nicht veröffentlicht, Du bleibst also vollkommen anonym.

 

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18 Kommentare

  1. Sigrid sagt:

    Habe gerade erst dein Buch gelesen und hoffe , das ich es auch schaffe. Ich hab mal eine Frage hat einer von euch denn auch dauerhaft syntome ? Und wenn ja wie geht ihr damit um ?

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